Verkehr in der Regensburger Altstadt: Kommt der große Wurf?

Die Regensburger Altstadt soll attraktiver für Fußgänger und Radfahrer werden. Trotzdem soll sie für Anwohner, Kunden, Handwerker und Lieferdienste erreichbar bleiben. Diesen Spagat muss die Stadt schaffen. Deshalb wird bis Juli ein Konzept zur Verkehrsberuhigung erarbeitet. „Aktuell sind die Maßnahmen in der Abstimmung“, sagt Stadtsprecherin Katrin Butz.
Im Juli wird der Stadtrat über die Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd und die Verkehrsberuhigung abstimmen. Beide Themen sind verknüpft, denn die Parkplätze, die im Zentrum wegfallen, sollen beim Alten Eisstadion ersetzt werden. Ob es zu einer Mehrheit kommt, ist fraglich, weil CSU und Grüne bisher das neue Parkhaus ablehnen.
Über die Verkehrsberuhigung wird seit Jahren diskutiert. OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer hat sie im Wahlkampf 2020 versprochen. Zahlreiche Regensburger haben sich bei einem Bürgerdialog dafür ausgesprochen.
Kompliziert, aber machbar
Die Altstadt muss vielen Nutzungen gerecht werden. Sie ist Ausgeh-Ziel, aber auch Einkaufsort und touristischer Hotspot. Dort wohnen 17000 Menschen, 7500 arbeiten im Welterbe. Während die Stadtspitze, allen voran die SPD, sagt, nicht jeder Laden müsse mit dem Auto erreichbar sein, und sich durch Parkplatz-Reduzierung mehr Aufenthaltsqualität verspricht, befürchtet die CSU ein Ausbluten des Einzelhandels.
Viele kleine Schritte ist die Stadt bereits gegangen. Zuletzt hat sie die öffentlichen Parkplätze in der Obermünsterstraße gestrichen, Fahrradständer, Holzmöbel und Bäume aufgestellt. Das Beispiel der Selbstständigen Christine Bergmayer zeigt, dass die in Zeiten des Klimawandels wichtige Verkehrsberuhigung nicht ganz einfach ist. „Der Vorteil ist, dass nicht mehr Hinz und Kunz in die Obermünsterstraße reinfahren und einen Parkplatz suchen“, sagt die Konditormeisterin, die mit ihren Torten aus der Malergasse Erfolge feiert, zur Mediengruppe Bayern.
Weniger Autos und Lkw
Es sei alles ein wenig kompliziert, aber machbar. Für die Auslieferung der Torten hat sie sich ein Wägelchen zugelegt, denn mit dem Fahrrad sei das zu holprig. Ihr eigenes Auto steht entweder in Stadtamhof, wo sie wohnt, oder bei den Eltern in Lappersdorf. „Ich radle und passe mich an“, sagt Bergmayer. Sie wünscht sich aber mehr Kontrollen, etwa in der verkehrsberuhigten Gesandtenstraße oder am Domplatz.
Laut der Dortmunder Agentur Planersocietät soll ein Konzept entstehen, mit dem das Auto- und Lkw-Aufkommen in der Altstadt reduziert wird. Vor allem der motorisierte Durchgangsverkehr soll andere Wege nehmen. Pollersysteme sollen die Zufahrt regeln. Das Parken im Straßenraum wird reduziert. Besucher sollen ins Parkhaus fahren. Liefer- und Handwerkerverkehr wird möglich sein, aber mit konsequenter Regelung. Stadtsprecherin Katrin Butz sagt, vom Auto entlastete Straßen und Plätze sollten zum Teil entsiegelt und begrünt werden, damit man sich gerne dort aufhält.
Doch die großen Fraktionen im Stadtrat, CSU und Grüne, sind nach wie vor gegen die Parkhauspläne. Zusammen mit der ÖDP könnten sie das Vorhaben kippen. CSU-Fraktionschef Michael Lehner lehnt die weitgehende Verbannung der Autos ab. „Die Altstadt muss zum Einkaufen erreichbar bleiben.“ Über die Parkhauspläne sagt er: „Ich gebe nicht zwölf Millionen Euro für 300 zusätzliche Parkplätze aus.“ Daniel Gaittet, Fraktionsvorsitzender der Grünen, bleibt dabei: Die Fraktion sei gegen die Mobilitätsdrehscheibe. „Nur wenn das Verkehrskonzept Hand und Fuß hat und wirklich konkret wird, überdenken wir vielleicht unsere Haltung.“
Mehr P&R-Plätze am Stadtrand
Dem ÖDP-Fraktionsvorsitzenden Benedikt Suttner ist es wichtig, die Lebensqualität zu verbessern. Die Streichung von Parkplätzen sei Voraussetzung dafür. Andere Städte machten es vor. Parkhäuser wie am St.-Peters-Weg, sollten zum Teil als Quartiersgaragen dienen. Suttner fordert ein attraktives Park-and-Ridesystem. Das Parkhaus beim Alten Eisstadion hält die ÖDP nicht für nötig, verspricht jedoch, das Paket der Stadt genau zu prüfen.
Für Brücke-Fraktionschef Thomas Thurow ist die Verkehrsberuhigung nur mit der Mobilitätsdrehscheibe zu verwirklichen. „Damit wir keinen Parkplatz-Suchverkehr mehr haben.“ Die Selbstverständlichkeit, ins Parkhaus zu fahren, soll sich durchsetzen. Dafür brauche es ein besseres Parkleitsystem.
Die Selbstständige Christine Bergmayer bleibt trotz der kontroversen Haltungen optimistisch in Sachen Verkehrsberuhigung.