Ungeregelter Verkehr in der Regensburger Altstadt: Das wünscht sich der Seniorenbeirat

Von Rainer Wendl · 17. April 2025 um 05:00

Ungeregelt, gar chaotisch und gefährlich: Der Seniorenbeirat der Stadt übt scharfe Kritik an den verkehrlichen Zuständen in der Altstadt. Jetzt wendet er sich mit Empfehlungen an die Politik.

„Wir haben nichts gegen Radfahrer, also überhaupt nicht. 90 Prozent von ihnen verhalten sich korrekt.“ Klaus Steiner, der Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Regensburg, beteuerte dies bei einem Pressegespräch seines Gremiums am Mittwoch gleich mehrfach. Das dicke „Aber“ folgte jedoch stets auf dem Fuß. Denn obwohl das Thema des Termins „Der ungeregelte Kfz-Liefer- und Zweiradverkehr in der Regensburger Altstadt gefährdet ältere Menschen und Familien mit Kindern“ lautete, kreiste das Gespräch doch hauptsächlich um Radler.

Rütteln an der großen Radl-Freiheit?

„Es gibt halt Rowdys“, stellte Steiner ganz grundsätzlich fest. Mit Blick auf Pedalritter, die in hohem Tempo durch die Gesandtenstraße fahren und Fußgänger als Slalomstangen betrachten, ihr Fahrzeug trotz der massiv ausgebauten Abstellmöglichkeiten einfach auf schmalen Bürgersteigen parken oder selbst in engen Bereichen wie der Kramgasse klingelnd auf Vorfahrt pochen, ist das nicht von der Hand zu weisen. Doch soll man wegen einer vergleichsweise kleinen Zahl an Unvernünftigen die große Radler-Freiheit wieder abschaffen, die 2016 unter Oberbürgermeister Joachim Wolbergs eingeführt wurde?

Wie es gerade läuft, ist ein Armutszeugnis für Regensburg

Klaus Steiner, Vorsitzender Seniorenbeirat

Diesen Zwiespalt sieht durchaus auch der Seniorenbeirat. Dennoch hält man ordnende Maßnahmen für unausweichlich. „2016 war eine andere Zeit. Die Zahl der Radler in der Stadt hat sich seither verdreifacht, was ja begrüßenswert ist“, so Steiner. Sein obligatorisches „Aber“ ließ auch an dieser Stelle nicht auf sich warten: „Damals gab es noch keine Lastenräder, Pedelecs und E-Scooter, die jetzt zusätzlich noch unterwegs sind. Heute haben wir chaotische Zustände. Wie es gerade läuft, ist ein Armutszeugnis für Regensburg.“

Uli Böken, Klaus Steiner und Johann Berger (v. li.) vom Seniorenbeirat haben vier verkehrspolitische Empfehlungen ausgearbeitet. - Foto: Wendl

Was also tun? Der Seniorenbeirat hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, der neben Steiner auch Uli Böken und Johann Berger angehören. Das Trio hat Gespräche mit der Polizei sowie den Stadtratsfraktionen von CSU, Grünen, SPD und Brücke geführt und die dabei gewonnenen Erkenntnisse in vier Empfehlungen gebündelt. Diese betreffen nicht nur den Radverkehr und lauten: zeitliche Begrenzung des Lieferverkehrs, auch für Radler die Pflicht zum Befolgen von Einbahnstraßen-Regelungen, die Ausweisung von komplett verkehrsfreien Zonen sowie vermehrte Kontrollen.

Mehr Kontrollen? Auch die Grünen wären dafür

Vor allem vom letzten Punkt würde sich das Trio viel versprechen. „Entscheidend ist, dass Kontrollen durchgeführt werden“, meinte etwa Berger. Abzielen sollen diese beileibe nicht nur auf Radfahrer, sondern eben auch auf den erwähnten ungeregelten Lieferverkehr und die Kolonnen von Autos, die trotz fehlender Berechtigung völlig selbstverständlich durch Wohnverkehrsstraßen wie die Gesandtenstraße kurven. Diesen Blick auf die Gesamtsituation hat der Seniorenbeirat trotz der Fokussierung auf das Thema „Rad“ beibehalten, wie Böken betonte: „Wenn alles zusammenkommt“, sagte er, würde die Mischung aus unregulierter Grundsituation und fehlenden Kontrollen ihre ganze unselige Wirkung entfalten.

Was die Reaktion der Politik angeht, war das Trio von den Grünen überrascht. Denn auch diese würden für Kontrollen plädieren. Die Brücke habe sich für einen besseren Dialog der Verkehrsteilnehmer ausgesprochen, wolle die Fahrrad-Freiheit aber nicht einschränken. Die größte Übereinstimmung mit den Wünschen des Seniorenbeirats besteht wie bereits berichtet bei der CSU-Fraktion. Immerhin stellte Berger zufrieden fest: „Alle eint die Einsicht, dass es Probleme gibt.“ Ob die Stadtpolitik zeitnah für Lösungen sorgen kann, bezweifelt der Seniorenbeirat allerdings. Doch er will ab sofort hartnäckig an dem Thema dranbleiben.