Regensburger Planer haben's ausgeklügelt: Die nervige Ampel auf der Brücke macht Sinn

Die Ampel auf der Regensburger Nibelungenbrücke stadteinwärts hält jeden Tag Tausende Autofahrer auf: Pendler, die ihren Firmenparkplatz erreichen wollen, Handwerker oder Lieferanten. Es entstehen lange Warteschlangen, die Abgase in die Luft blasen und lärmen. Die Ampel räumt den Bussen Vorfahrt ein. Diese können von der Busspur, die Richtung Süden abrupt endet, in die Autofahrbahn einfädeln. Doch die Signalanlage stoppt den Verkehr auch, wenn kein Bus kommt. Warum?
Die Ampel werde verkehrsabhängig gesteuert, betont Stadtsprecherin Katrin Butz. Ziel ist nicht nur, dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) über eine Busschleuse eine vorrangige Durchfahrt zu ermöglichen. Sondern auch der motorisierte Individualverkehr soll effizient in den Verkehrsfluss der Weißenburgstraße eingebunden werden.
Steuerung nach Verkehrslage
„Die Grünphase der Brückenampel ist vollständig mit dem Geradeausverkehr an der Kreuzung Weißenburgstraße/ Adolf-Schmetzer-Straße koordiniert“, sagt Butz. „Das heißt, der Verkehr startet oben bei Grün und kommt unten bei Grün an.“ Rechtsabbieger müssten eventuell unten auf Fußgänger und Radfahrer warten. „Das müssen sie aber auch, wenn es die obere Ampel nicht gäbe.“ Die Gesamtfahrzeit für Autos und Lastwagen an dieser Kreuzung ändere sich durch die vorgeschaltete, obere Ampel nicht. Diese Synchronisierung ermöglicht es laut Stadt den Autos und Lastwagen, die Weißenburgstraße mit möglichst wenigen Stopps zu durchfahren.
Die Steuerung basiert auf einem dynamischen Programm, das je nach Verkehrssituation zwischen verschiedenen Signalplänen wechselt. Einflussfaktoren sind die aktuelle Verkehrsbelastung und die Koordination mit benachbarten Ampelanlagen wie an der Kreuzung Weißenburgstraße/Greflingerstraße. Die Busschleuse verschafft dem ÖPNV einen Vorsprung und ermöglicht die Umfahrung von Rückstaus am Hauptknoten.
Die Stadtsprecherin erklärt detailliert, wie der Verkehr gesteuert wird: Die Busschleuse zeige den weißen Freigabebalken immer dann, wenn am Hauptknoten Adolf-Schmetzer-Straße der Querverkehr sowie querende Fußgänger und Radfahrer Grün haben. „In dieser Phase erhält der ÖPNV eine exklusive Durchfahrtmöglichkeit, da der ampelbedingte Rückstau vom Hauptknoten auf den Brückenbereich verlagert wird.“ Das diene auch der Lärmminderung für die Anwohner an der Brückenrampe, sagt Katrin Butz. Der Bus bekommt also in der Zeit, in der Autos und Lastwagen Rot haben und auch ohne vorgeschaltete Ampel Rot hätten, einen Vorsprung, so dass er, wenn es grün wird, an vorderster Stelle steht.
Wegen der hohen Busfrequenz haben die Verkehrsplaner bewusst auf eine individuelle Einzelanforderung je Fahrzeug verzichtet. Stattdessen erfolgt die Schaltung koordiniert mit den Grünphasen entlang der Weißenburgstraße. Dadurch kann es passieren, dass die Autos auch stoppen müssen, wenn kein Bus kommt.
Die Deutsche Umwelthilfe ist ein Verbraucherschutzverein, der sich für die Klimawende starkmacht. Der stellvertretende Leiter Verkehr und Luftreinhaltung, Robin Kulpa, begrüßt die Ampel-Vorrangschaltung für Busse. „Schnelle Busse, die gegenüber dem Autoverkehr priorisiert werden, sind eine Möglichkeit, um Menschen vom Auto in den öffentlichen Nahverkehr zu bringen.“
Luftschadstoffe werden verdünnt
Es habe durchaus Vorteile, dass die Autos auf der Brücke auf Grün warten statt in der dicht bebauten städtischen Umgebung. Die Luftschadstoffe werden besser mit Umgebungsluft verdünnt und abtransportiert. Dadurch sei die Schadstoffkonzentration niedriger, als wenn die Abgase in einer Straßenschlucht ausgestoßen werden.