Kindesmissbrauch: Angeklagter (30) aus dem Landkreis Regensburg gesteht alles

Von André Baumgarten · 26. Mai 2025 um 17:00

Im Praktikum an einer Grundschule will der Mann seine Neigungen bemerkt haben. Zum Prozessauftakt in Regensburg legt der 30-Jährige ein Geständnis ab und bittet um eine zweite Chance. Jahrelang hatte er sich an Jungs in seinem Umfeld und einem Mädchen im Internet vergangen.

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Über Jahre soll sich ein 30-Jähriger an Jungen vergangen haben. Tatort der sogar als Vergewaltigung angeklagten Übergriffe war zum größten Teil das Haus seiner bestens situierten Eltern im Landkreis. Im Prozess hat der Mann gestanden – auch ohne Deal, der am Staatsanwalt scheiterte. Ihm tue „das unendlich leid“, bat der Angeklagte vorm Landgericht nach der Haft um eine zweite Chance, um zu lernen, „mit seiner Neigung richtig umzugehen“, sagt er. Ob es dazu kommt, ist offen: Die Anklage fordert wegen Pädophilie seine Sicherungsverwahrung.

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Mit Fußfesseln über seinen Sneakern, in blauer Jeans und hellgrünem Hoodie wird der 30-Jährige von zwei Polizisten um 9 Uhr in den Sitzungssaal geführt. Ganz kurz nur mustert er die Zuhörer, darunter auch Angehörige. Sie hören mit an, was die Anklage dem Mann zur Last legt: drei Vergewaltigungen, schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, vorsätzliche Körperverletzung und Kinderpornografie, die Ermittler auf Datenträgern bei ihm gefunden hatten. So konnten, das wird klar, weitere Taten aufgeklärt werden, darunter auch an einem Mädchen, das auf einer Video-Chatplattform offenbar auf ihn hereingefallen war.

Auf Ausflügen und sogar im Urlaub mit den Opfern

Die schwersten Vorwürfe haben mit Menschen aus dem nahen Umfeld des 30-Jährigen zu tun. Bei einer Jugendorganisation war er als Betreuer tätig und band seine Opfer mit Angel- und Jagdausflügen an sich. Sogar Urlaub verbrachte er mit ihnen. Das Vertrauen, das er so auch zu Eltern der Jungs aufbaute, nutzte er jedoch schamlos aus. Mehrfach kam es zu Übergriffen, bei denen er eines der Opfer sogar mit Alkohol gefügig machte. Einen der Jungen lernt er beim Praktikum an der Grundschule kennen – dass der ebenfalls Opfer wurde, als er schlief, erfuhr dessen Mutter allerdings erst bei der Kripo.

Wie Strafverteidiger Alexander Greithaner betonte, brach der Angeklagte sein Lehramtsstudium sogar ab, als er beim Praktikum merkte, dass ihn die Kinder erregten. Sein Mandant habe sich deshalb Hilfe holen wollen, aber diesen Schritt aus Angst vor Reaktionen im Umfeld dann doch nicht gewagt. Irgendwann habe der 30-Jährige gemeint, es überstanden zu haben – ein Trugschluss. Doch: „Er will reinen Tisch machen“, resümierte Greithaner, „er will die Verantwortung übernehmen für das, was er den Geschädigten angetan hat.“

Staatsanwalt forderte neun bis zehn Jahr Haft

Vor dem vollumfänglichen Geständnis war die Verhandlung am Regensburger Landgericht direkt nach der Anklageverlesung gut eineinhalb Stunden für ein Rechtsgespräch unterbrochen worden. Einen Deal gab es jedoch nicht: Dafür war das Strafmaß, das die Hilfsjugendkammer in den Raum stellte, für den Vertreter der Anklage zu milde. Der Staatsanwalt hatte ohne die Einlassung neun bis zehn Jahre als angemessen gesehen. Für Geständnis und Täter-Opfer-Ausgleich stellte das Gericht fünfeinhalb bis sechseinhalb Jahre Gefängnis in Aussicht. Der 30-Jährige hatte zudem zugesagt, sich vom Gutachter untersuchen zu lassen und mitzuarbeiten.

Der psychiatrische Sachverständige hat eine wichtige Rolle im Prozess – er wird den Juristen seine Einschätzung zur Frage der Sicherungsverwahrung geben. Darüber hat die Hilfsjugendkammer ebenfalls zu entscheiden. Würde das angeordnet, käme der Angeklagte nach der Haft nicht frei, sondern bliebe weggesperrt. Bis zum Urteil dürften aber noch Wochen vergehen. Sieben Prozesstage sind und bleiben geplant. Zumindest den Opfern aber bleibt nach dem Geständnis nun eine Aussage erspart.