Kreisfischereiverein Kelheim sieht Hilfsprojekt für bedrohten Fisch in Gefahr

Von Martina Hutzler · 15. Mai 2025 um 19:00

Am ersten Mai-Wochenende fanden im Donaudurchbruch bei Kelheim Rundfahrten der Ausflugsschiffe statt, die nachträglich behördlich genehmigt wurden. Das stößt bei weiteren Naturschutzverbänden auf Kritik.

Mit der Kritik an Wendemanövern von Kelheimer Ausflugsschiffen im Donaudurchbruch ist der Bund Naturschutz nicht allein. Dr. Steffen Schneider, Vorsitzender des Kreisfischereivereins Kelheim (KFV) warnt, dass die Rundtouren ein langjähriges Projekt gefährden.

KFV-Vorsitzender Schneider weiß, dass schon am 22. April das Rangerteam des „Nationalen Naturmonuments“ – es gehört zur Regierung von Niederbayern – ein erstes Wendemanöver beobachtet und seinem eigenen Dienstherrn in Landshut gemeldet hat. „Ein Skandal“ ist es daher für Schneider, dass Regierung und Landratsamt dann erst für 30. April – also unmittelbar vorm Feiertag 1. Mai – kurzfristig die Probefahrt angesetzt und auf deren Basis die Ausnahmegenehmigung bis 5. Mai erteilt hätten: „Wie hätten wir als Verband da noch widersprechen sollen?“, fragt sich Schneider mit Blick auf den „Brückentag“ am 2. Mai.

Staatlich gefördertes Arten-Hilfsprojekt

Schneider äußert zwar Verständnis für das wirtschaftliche Interesse der Weißen Flotte, trotz Niedrigwasser Touren durchs NNM anzubieten. Seinem Verein sei auch nicht an generellen Verboten für die Ausflugsschifffahrt gelegen. Aber die Wendemanöver Anfang Mai in Höhe der Wipfelsfurt seien der „Worst Case“ für ein Artenhilfsprogramm, das der KFV durchführt – mit alljährlich Hunderten ehrenamtlichen Arbeitsstunden sowie mit finanzieller Unterstützung ausgerechnet der Regierung von Niederbayern.

Es gilt dem Huchen, einer vom Aussterben bedrohten Fischart. Die Weltenburger Enge, insbesondere im Bereich des „Bienenkorbs“ bei der Wipfelsfurt, ist der Haupt-Laichplatz des so genannten „Donau-Lachses“. Er ist ein „Kies-Laicher“, braucht also für die Eiablage „Gumpen“ – Vertiefungen im Flussgrund - mit kiesigem Untergrund und sauberem, klaren Wasser. Die Schiffsschraube wirble aber beim Wenden so viel Substrat auf, dass der Laich abstirbt: „Wir gehen heuer von einem Totalausfall aus“, so Schneider.

Wir gehen heuer von einem Totalausfall beim Huchen-Laich aus“

Dr. Steffen Schneider, KFV-Vorsitzender

Das wäre vermeidbar gewesen, wenn die Behörden die Naturschutzverbände vor Erteilung der Ausnahmegenehmigung eingebunden hätten, kritisiert er. Fortgesetzt werde das Huchen-Projekt trotzdem, versichert er; „aufgeben ist ja auch keine Option“.

Auch der Kreisvorsitzende des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV), Peter-Michael Schmalz, kritisiert, dass vor Genehmigung der „Halbfahrten“ die Fachstellen und Naturschutzverbände seines Wissens nicht beteiligt wurden. Und dies, obwohl die Wendemanöver nochmals eine „gravierende Abweichung von den (ohnehin schon wegen zu starker Natureingriffe) beklagten Ausnahmegenehmigungsbescheiden von 2022/2023“ darstellten, so Schmalz, der auch dem Naturschutzbeirat des Landkreises angehört.

Verfahren am Verwaltungsgericht laufen noch

Wie berichtet, haben BN, LBV und KFV den Genehmigungsbescheid des Landratsamts für die Schifffahrt im Donaudurchbruch angefochten; sie halten u.a. die Zahl der erlaubten Fahrten und die erlaubte Maximalgeschwindigkeit für zu hoch. Ihre Klagen sind seit Jahren am Verwaltungsgericht Regensburg anhängig; der Genehmigungsbescheid ist derzeit per Sofortvollzug in Kraft.

Der aktuelle Vorfall wirft aus Sicht von KFV-Vorsitzendem Schneider einmal mehr die Frage auf, wie man Naturschutz und Niedrigwasser in der Weltenburger Enge künftig in Einklang bringt – denn dieser Konflikt dürfte mit dem Klimawandel immer häufiger auftreten. Er kann sich einen Entschädigungsfonds für den Tourismus vorstellen, verbunden mit einem Umlenken der Schiffe bei Niedrigwasser auf Strecken flussabwärts.