Neue Studie zur Verbreitung des Huchens: Stirbt der „Donaulachs“ aus?

Von Stefan Rammer · 5. Mai 2023 um 05:00

Viele Angler träumen davon, ein kapitales Exemplar dieses Raubfisches an den Haken zu bekommen. Nur wenigen wird der Wunsch erfüllt, und gar bald könnte der Huchen ganz aus unseren Gewässern verschwinden. Die Raubfischart ist laut einer neuen Studie stark bedroht.

Früher lebte das bis zu 30 Kilogramm schwere und 1,3 Meter lange Tier, das auch Donaulachs genannt wird, in mehr als 250 Flüssen und auf über 7400 Kilometern Flusslänge in Österreich und Bayern. „Heute finden wir hier Populationen nur noch in 0,7 Prozent des ursprünglichen Verbreitungsgebiets in sehr gutem Zustand“, erklärte Studienleiter Stefan Schmutz von der Universität für Bodenkultur Wien (Boku). Die Kernaussage der Studie ist eindeutig: Der Huchen steht im Donauraum und damit weltweit unmittelbar vor dem Aussterben. Nur gezielte Maßnahmen können ihn noch retten.

Huchen kommen lediglich in Restbeständen vor

Die Huchen, die ausschließlich im Donaueinzugsgebiet beheimatet sind, kommen lediglich nur noch in Restbeständen vor, melden die Wiener Gewässerforscher. Als Hauptursachen für den anhaltenden Rückgang der Bestände zählen demnach der nicht fischgerechte Betrieb von Wasserkraftwerken, Lebensraum-zerstörende Flussregulierungen, steigende Zahlen an Fressfeinden beispielsweise Fischotter oder Kormoran und steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel. Die Gefährdung des Donaulachses wird in der Studie vertieft in mehreren Fallstudien ausgewählter Gewässer dargestellt, darunter auch der Schwarze Regen und die Isar.

Ein bis vor wenigen Jahren noch intaktes Huchengebiet war der Unterlauf des Großen Regen auf Höhe Theresienthal (Stadt Zwiesel) bis in den Regen nahe Cham. Die freifließenden Abschnitte von Regen bis Teisnach (ca. 16 km), von Gumpenried bis Viechtach (7 km) und von Pulling bis Chamerau (11 km) sind wichtige Rückzugsgebiete. Seit 2015 gehen nach Auswertungen von Fischbestandserhebungen aber auch hier die Bestände massiv zurück, hat die Populationsdynamik sich zum Negativen verändert.

Letzter größerer Huchen-Bestand in der Isar

Zu den wenigen noch existierenden selbstreproduzierenden Huchenbeständen innerhalb Bayerns und damit Deutschlands gehört der in der Isar zwischen Bad Tölz und München. Laut Studie beherbergt die Isar den letzten größeren Huchenbestand im oberen Donaueinzugsgebiet. Hochgerechnet umfasst der Gesamtbestand dennoch lediglich maximal 400 adulte Huchen, die derzeit noch durch einige nicht oder nur schwer überwindbare Wanderbarrieren voneinander getrennt sind.

Die Wiener Forscher sehen als besonders problematisch den Ausbau der Wasserkraft. Sie nennen auch Zahlen für die Isar. Sie werten als massiven Störfaktor die derzeit insgesamt 37 in Betrieb befindlichen Kraftwerksanlagen, davon 22 Kanalkraftwerke, 10 Stufenkraftwerke und 5 Restwasserkraftwerke. 9 Querbauwerke sind bislang gar nicht und 5 weitere nur stark eingeschränkt durchgängig.

Ein guter, sich selbst erhaltender Bestand findet sich bis heute in der nur durch ein Wehr bei Icking behinderten, rund 37 km langen, freien Fließstrecke zwischen dem Tölzer Stausee und dem Baierbrunner Wehr. Hierbei handelt es sich um die Kernzone der in der Isar vorhandenen Huchenpopulation. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die mit den entsprechenden Teilhabitaten noch reichlich ausgestatteten Verzwei-

gungsabschnitte Ascholdinger Au und Pupplinger Au wesentlich zur natürlichen Rekrutierung des Huchenbestandes im gesamten Abschnitt und darüber hinaus bis hinein in die Münchner Stadtisar beitragen.

Dr. Sebastian Hanfland, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes, hat an der Studie mitgewirkt. Natürlich gebe es vereinzelt, etwa in der Ammer oder auch in der Mitternacher Ohe Vorkommen, aber nur auf ganz kurzen Gewässerabschnitten. „Unabdingbar für den Erhalt des Huchens ist die Durchgängigkeit der Gewässer. Diese muss erhalten bzw. wieder hergestellt werden. Wir dürfen keine Fließstrecke mehr verlieren.“ Und ein Aspekt ist dem Fachmann ganz wichtig. „Ohne eine Bekämpfung der Predatoren geht es nicht. Wir müssen an die EU ran. Es müssen Eingriffe zur Reduzierung von Kormoran und Fischotter rechtlich möglich sein.“

„Wir müssen unser Gewässer klimafit machen“

Auch der Präsident des Fischereiverbandes Niederbayerns, Michael Kreiner, ist besorgt: „Mit der Erwärmung der Gewässer werden kälteliebende Fischarten wie der Huchen enorme Probleme bekommen. Es gilt, mit allen Mitteln unsere Gewässer klimafit zu machen. Dazu gehören Gewässerrenaturierungen, Wasserrückhaltung, Ausweisung von Beschattung und ganz besonders ein nachhaltiges Niedrigwassermanagement.“

Ralf Eibl, Vorsitzender des Bezirksfischereivereins Passau, der mit seinen 2500 Mitgliedern zu den größten Vereinen Bayerns zählt, erklärt, wie prekär die Lage des Huchens im Passauer Raum ist. Der Raubfisch schwimme zwar noch in der Donau, reproduzieren könne er sich aber nur im Inn, denn nur hier sind die für die Fortpflanzung erforderlichen 8 bis 14 Grad Wassertemperatur Mitte März bis Anfang Mai gegeben. „Der Abschnitt im Inn ist von der Mündung in die Donau zweieinhalb Kilometer lang,“ so Eibl, „dann verhindert das Kraftwerk den Aufstieg. Und im Inn bis dorthin fehlt der für das Ablaichen notwendige Kies.“ Die Schaffung von Kieslaichplätzen sei deshalb existenziell für den Fortbestand des Huchens. Eibl kämpft dafür seit Jahren.

Laut den Wiener Experten liegt die Durchschnittstemperatur der Donau mittlerweile um fast zwei Grad Celsius über früheren Werten. In den Ober- und Mittelläufen würden die Temperaturen erwartungsgemäß am längsten in einem Bereich bleiben, in dem der Huchen überleben kann. Deshalb sollte man vor allem dort für Kühlung sorgen, indem man etwa Uferrandstreifen zur Beschattung errichtet.

Huchen-Population als Indikator für Qualität des Gewässers

Als letztes Glied in der Nahrungspyramide würden Huchen einen guten Indikator für den Zustand des Gewässers darstellen. „Wenn es in einem Fluss wenige Fische gibt, leben dort auch wenige Huchen, was darauf hindeutet, dass das Ökosystem gestört ist", heißt es. In der Paarungszeit wandern Huchen flussaufwärts, um geeignete Laichplätze zu finden. Ob sie zurück zu ihrem Geburtsort schwimmen, sei derzeit noch nicht im Detail erforscht. Deshalb könnte es sein, dass der Huchen ausstirbt, bevor seine Ökologie zur Gänze erforscht werden konnte, so Studienautor Schmutz: „Für mich ist es frappierend, dass beispielsweise der Amazonas-Regenwald in den Medien regelmäßig mit dem Aufruf erscheint, die Biodiversität dort zu schützen, dabei sterben vor unserer Haustür Arten aus.“