Frischer Wind für Furth im Wald: Kaniber erwartet mit Landesgartenschau Wachstumsschub

Von Alexander Frimberger · 14. Mai 2025 um 05:00

Michaela Kaniber ist Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus und damit gleich in mehrfacher Hinsicht der Landesgartenschau Furth im Wald im Landkreis Cham, die am 22. Mai startet, verbunden. Im Interview mit unserer Zeitung verrät sie unter anderem, warum die LGS ein Glücksfall für die Drachenstadt ist und welche Blumen bei ihr auf dem Schreibtisch stehen.

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Sie sind als Bad Reichenhallerin ein Kind der Alpen, können Sie dem Mittelgebirge Bayerischer Wald auch etwas abgewinnen?

Michaela Kaniber: „Als gebürtige Bad Reichenhallerin, aufgewachsen in Bayerisch Gmain, ist man natürlich sehr mit den bayerischen Alpen verbunden. Gerade seit ich Bayerische Landwirtschaftsministerin bin, darf ich auf vielen Terminen erleben, wie schön und vielseitig unsere bayerische Heimat ist. Der Bayerische Wald hat eine besondere Ausstrahlung – seinen ganz eigenen Reiz. Mit seiner kraftvollen Natur, seiner traditionsreichen Kultur und den herzlichen Menschen macht er einen echten und geerdeten Landstrich aus. Mich beeindruckt immer wieder die Ruhe, die Kraft und auch der Stolz, den diese Landschaft und seine Bewohner ausstrahlen. Bayern ist in seiner Vielfalt einfach einzigartig – und der Bayerische Wald ist ein ganz besonderer Teil davon.“

Attraktiver Erholungsraum

Landesgartenschauen werden oftmals als Blümchenschauen abgetan. Was halten Sie dem entgegen?

Kaniber: „Die Landesgartenschauen sind seit langem weit mehr als eine Blümchenschau. Diese Bezeichnung wird der jahrelangen, intensiven Vorbereitungszeit und den dafür aufgebrachten unzähligen Arbeitsstunden der Menschen nicht gerecht. Präsentiert wird auch deutlich mehr. Eine Landesgartenschau ist der Motor für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Sie ist ein Impulsgeber für den Tourismus und insgesamt eine große Chance für den Oberen Bayerischen Wald. Gerade für eine touristisch geprägte Region wie dem Bayerischen Wald – ich sage das als Tourismusministerin – bewirkt eine Landesgartenschau enorm viel. Sie bietet die Möglichkeit, sich Gästen aus nah und fern als naturnahes, innovatives und zukunftsorientiertes Reiseziel zu präsentieren. Freilich ist die Landesgartenschau auch für alle Einheimischen eine besondere Attraktion mit bleibenden Werten. Neue und bleibende Grünanlagen sowie attraktive Naherholungsräume steigern die Lebensqualität vor Ort. Sie machen die Region noch attraktiver – sowohl für Gäste als auch für Einheimische. Das soll auch so sein. Natur und Umwelt profitieren. Denn wie in Furth im Wald werden im Zuge von Gartenschauen Flüsse ökologisch aufgewertet und renaturiert. Oder Versiegelungen werden aufgebrochen und Industriebrachen zu neuen Rückzugsorten für Flora und Fauna entwickelt. Sie sehen also, eine Landesgartenschau hat für die Region und weit darüber hinaus viele positive Aspekte.“

Was nehmen Sie bei Besuchen von Landesgartenschauen für sich selbst mit und würden Sie sagen, ein Besuch lohnt sich von Jung bis Alt für die ganze Familie?

Kaniber: „Absolut! Eine Gartenschau ist immer ein Ort der Begegnungen. Einheimische treffen auf Touristen, Jung auf Alt und Bayern auf Gartenschaubesucher aus aller Herren Länder. Gartenschauen verbinden, sie bilden eine Klammer um Erholung und sportliche Aktivitäten, Spiel und Spaß, Wissensvermittlung und Freude an der Natur. Und sie stärken die Gemeinschaft, fördern das Miteinander und die regionale Identität. Allein in Furth im Wald sind mehr als 170 Ehrenamtliche aktiv für die Gartenschau unterwegs. Und genau diese Eindrücke nehme ich von meinen Besuchen auf den Gartenschauen mit. Bayern ist vielfältig, kreativ und gastfreundlich. Das bestärkt mich, denn leider wird immer wieder versucht, uns als Gesellschaft auseinander zu treiben! Ein Besuch der Gartenschau ist also von Jung bis Alt, für die ganze Familie ein einzigartiges Erlebnis.“

Mut zur Veränderung

Als Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus vereint eine Landesgartenschau alle ihre Themen auf sich. Auch Gartenbau gehört in Ihr Ressort. Was denken Sie, wie wird das große Sommerfest auf Furth und die Region nachwirken?

Kaniber: „Eine Landesgartenschau ist immer ein echter Besuchermagnet – mit nachhaltiger Wirkung. Ob charmante Kleinstadt oder lebendige Region: die touristischen Effekte einer Landesgartenschau hängen maßgeblich vom jeweiligen Standort, der regionalen Infrastruktur und den begleitenden Angeboten ab. Doch eines zeigen die Erfahrungen ganz klar: eine Landesgartenschau bringt frischen Wind – und zwar nicht nur für ein Jahr. Sie stärkt das touristische Profil, zieht viele neue Gäste an und macht den Austragungsort auch langfristig noch attraktiver. Davon profitieren besonders Gastronomie, Hotellerie und der Einzelhandel – durch eine spürbare Belebung, die oft weit über das Veranstaltungsjahr hinaus anhält.“

Nachdem Furth im Wald mit Stabilisierungshilfen eine schwierige Zeit überstanden hat, kritisieren manche, dass sich die Stadt mit einer vermuteten Verschuldung von 17 Millionen Euro nach der Schlussrechnung wieder in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat. Demgegenüber steht eine rasante Stadtentwicklung mit hohen Förderungen. War die Entscheidung der Stadt Furth also richtig, in die Zukunft zu investieren?

Kaniber: „In Furth im Wald wurden weitreichende Entscheidungen getroffen, zu denen sicher eine Portion Mut erforderlich war. Aber diesen Mut braucht es auch. Gartenschauen sind ein wundervolles Instrument, um das Wohnumfeld zu verbessern und die Attraktivität von Kommunen und Städten zu steigern. Und dies eben nicht nur während des Jahres, in dem die Gartenschau gefeiert wird. Mit einer Gartenschau hat jede ausrichtende Stadt die Chance, eine nachhaltige Stadtentwicklung zu starten. So können die Ideen und Projekte nicht scheibchenweise, sondern als Gesamtkonzept umgesetzt werden. Und schließlich beleben Landesgartenschauen das Miteinander am Ort.“

Der Standort Furth im Wald ist aufgrund der Nähe zu unseren tschechischen Nachbarn einzigartig. Erwarten Sie, dass das ohnehin gute nachbarschaftliche Verhältnis und die Verständigung untereinander noch besser wird?

Kaniber: „Damit rechne ich sehr. Die Tatsache, dass zur Landesgartenschau viele Gäste aus dem Nachbarland Tschechien erwartet werden, bewerten wir äußerst positiv. Dies unterstreicht nicht nur die hohe Attraktivität der Gartenschau, sondern verdeutlicht auch die hervorragenden Beziehungen und die kulturelle Verbundenheit zwischen Bayern und Tschechien. Der Besuch internationaler Gäste bereichert die Landesgartenschau und fördert den Austausch zwischen den Kulturen. Zudem stärkt das die regionale Wirtschaft und schafft eine lebendige Atmosphäre, die sowohl Einheimische als auch Besucher begeistert. Wo Menschen sich entspannt treffen und gemeinsam feiern, kann Freundschaft wachsen. Und das ist in unseren weltpolitisch unruhigen Zeiten doch etwas Wunderbares.“

Wald, ein sagenhafter Ort

Wie wird sich Ihr Ministerium auf der Landesgartenschau präsentieren?

Kaniber: „Das Landwirtschaftsministerium ist mit zwei spannenden Ausstellungsbeiträgen auf der Gartenschau vertreten. Wir unterstützen die gärtnerischen Ausstellungsbeiträge auch finanziell. Der landwirtschaftlich-gärtnerische Beitrag steht unter dem Motto Land schafft Schätze. Drei Informationspavillons erklären die moderne landwirtschaftliche Produktion im Sinne des Naturschutzes und des Tierwohls. Zwei wichtige Bereiche, die mir persönlich auch sehr am Herzen liegen. Darüber hinaus gibt es Informationen zu aktuellen Themen aus den Bereichen Gartenbau, Streuobst, Ernährung und vieles andere mehr. Der Beitrag Forst präsentiert zusammen mit Partnern das Thema Der Wald – ein sagenhafter Ort. Hier erfahren die Besucher mehr über klimaangepasste Waldbewirtschaftung, traditionelle und moderne Holzverwendung und sie lernen außerdem das Berufsbild des Försters kennen. Auch bietet jede Gartenschau die Chance, der Bevölkerung die Landwirtschaft wieder näher zu bringen. Wir müssen es schaffen, Verbraucher und Landwirte enger zusammen zu bringen. Uns allen muss spätestens seit dem Ukrainekrieg bewusst sein: Unsere Landwirte liefern hochwertige und regional erzeugte Lebensmittel. Sie sind unsere Ernährer! Landwirtschaft bedeutet aber weit mehr als Ernährungssicherung: Sie liefert uns auch Energie und Rohstoffe, Landwirte sind Landschaftspfleger, Bewahrer alter Pflanzensorten und Tierrassen. Viele Landwirte bilden auf ihren Höfen junge Nachwuchskräfte aus oder bieten Urlaub auf dem Bauernhof an. Andere wiederum betreiben Direktvermarktung oder führen Schulklassen auf ihre Höfe. Nicht umsonst brauchen wir die ganzen 137 Tage der Gartenschau, um alle Themen meines Ministeriums auch darstellen zu können.“

Sicher werden Sie der Landesgartenschau einen persönlichen Besuch abstatten, wann wird das sein?

Kaniber: „Einen Besuch auf der Landesgartenschau habe ich auch dieses Jahr wieder fest eingeplant! Spätestens zur Meisterfreisprechung und zur traditionellen Zwischenpressekonferenz am 31. Juli komme ich zur Gartenschau. Aber vielleicht finde ich noch Zeit, Furth im Wald an dem ein oder anderen weiteren Tag zu besuchen.“

Eine persönliche Frage zum Schluss: Auch wenn Gartenschauen keine Blümchenschauen sind, haben Sie einen Grünen Daumen, und mit welchen Blumen kann man Ihnen eine Freude machen?

Kaniber: „In meinem Alltag ist dafür leider nicht mehr so viel Zeit. Trotzdem liebe ich unseren kleinen Garten zuhause. Blumen gehören selbstverständlich dazu. Sie bereichern unser Leben mit Farbe und Freude. Beim Spazierengehen am Wochenende lassen Blumenwiesen mein Herz höherschlagen. Ich mag es natürlich und ursprünglich – wenn ich Gänseblümchen und Löwenzahn auf dem satten Grün sehen, geht mir das Herz auf. Viele Landwirte säen und pflegen diese Blumenwiesen übrigens. Sie sind nicht nur schön, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag für Insekten und unsere Artenvielfalt. Und bei mir im Büro achte ich darauf, dass immer wieder mal ein frischer Blumenstrauß da steht. Das sorgt für eine schöne Atmosphäre.“