Weit über 100 Arbeiten von Wolfgang Wagner (1887 bis 1931) sind im Alten Rathaus zu sehen

Im allerbesten Sinne war die „Matinee“ am Sonntagvormittag im Alten Rathaus (gemäß der Definition) eine Unterhaltungsveranstaltung. Denn zur Eröffnung der Ausstellung über den Maler Wolfgang Wagner (1887-1931) wurden zwar in der Hauptsache dessen Bilder, jedoch auch viel Interessantes über diesen Künstler und seine familiären Further Wurzeln vorgestellt.
Musik von Franz Schubert, vorgetragen von der Wagner-Enkelin Laura Krämer (Bratsche) und Arkadius Podwika (Violine) begleitete durch die Auftaktveranstaltung, zu der Furths 3. Bürgermeister Franz Former die zahlreichen Gäste willkommen hieß.
Es sei der Kooperation der Familien Wagner mit dem Kulturamt der Stadt Furth im Wald, dem Kunst- und Kulturverein Freiraum sowie dem Historischen Verein zu verdanken, so Former, dass „dieser fast vergessene Künstler der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann“.
Ein großes Familientreffen
Namentlich Eva und York Langenstein sowie besonders Alfred Bruckner hätten die Hauptarbeit geleistet, dass in dieser Präsentation die Stadt einmal mehr ihrem selbstformulierten Bestreben „Kultur – Natur – Begegnung“ gerecht werde. Künftige Ziele seien dabei – so der 3. Bürgermeister –, innerhalb des Museums, das aktuell neu konzipiert werde, auch so namhaften, in Furth basierten Künstlern wie Wolfgang Wagner und Helmut Sturm gebührenden Raum und Darstellung zu geben.
Marie-Luise Segl überbrachte die Grüße des Landrats Franz Löffler. Sie würdigte die Further Leistungen in Sachen Kultur und betonte, dass „wir ein Landkreis mit unglaublicher Vielfalt in Kunst und Kultur sind“. Die Ausstellung über Wolfgang Wagner biete „wunderbare Bilder“ und zeige, dass der Künstler aus seinem Further (Fotografen-)Elternhaus sehr viel mitgenommen habe. Gerne sei das Kreismuseum Walderbach als Leihgeber von Ausstellungsstücken behilflich.
Die Masse der weit über 100 im Further Alten Rathaus gezeigten Wagner-Werke stammt allerdings aus dem Familienbesitz der deutschlandweit verzweigten Wagners. Mitglieder aus sechs Städten waren an diesem Sonntag angereist, womit zugleich ein Treffen der Familie perfekt realisiert war. Zudem bot Dr. York Langenstein (er ist mit der Wagner-Enkelin Eva verheiratet) als Laudator den Gästen auch untadelige Kompetenz bei der Beschreibung und Würdigung von Wolfgang Wagners Werk.
Schon einmal, 1991, war Wagners Werk, durch eine Ausstellung in Furth beleuchtet worden. Der 140. Todestag, so Langenstein, sei Ausgangspunkt für die aktuelle Präsentation geworden. Alfred Bruckner habe die Hauptarbeit „wunderbar gemacht“, so der Laudator, der betonte, dass dank Internet und digitaler Archive „heute ein wesentlich erweiterter Blick“ auf den Maler, Zeichner und Illustrator Wolfgang Wagner möglich sei.
Über 400 Karikaturen und 100 Titelseiten habe dieser für die „Fliegenden Blätter“ geschaffen – neben einem umfassenden grafischen Werk. Innerhalb der Further Fotografen-Familie sei das erstaunliche zeichnerische und malerische Talent früh aufgefallen, so York Langenstein, der die Ausbildung Wagners skizzierte.
Dessen Wunsch, Maler zu werden, sei zwar phasenweise nicht von Dauer gewesen, doch schließlich stehe da 1903 die Aufnahme in die Bayerische Akademie der Schönen Künste. Wagner habe ausgestellt und sei als Künstler selbstständig in München gewesen. Eine schwere Verwundung im 1. Weltkrieg habe Wolfgang Wagners Leben geprägt.
Als Themenschwerpunkte in seinem Leben und Werk bezeichnete Langenstein neben den „Fliegenden Blättern“ die Leistungen als „Porträtist von Menschen und Gesellschaft seiner Zeit“, aber auch seine Tempera-Arbeiten, die grafischen Objekte und schließlich der Kreuzweg-Zyklus. Der Künstler habe sich „auf seine Weise von der Münchener Schule gelöst“. Am bekanntesten sei sicher sein „monumentales Bild von den erschöpften Bauarbeitern“, das zusammen mit dem Kreuzweg neue Wege in der Malerei sowie durchaus schon „den Weg in die Moderne“ aufzeige. Zu Wagner bleiben laut Langenstein „manche Fragen offen – auch die, warum er sich mit dem leidenden Christus befasste“. Dazu gehöre auch die entsprechende, von ihm gestaltete Bronzeplastik an seinem Grabstein.
Humor zeichnete ihn aus
Persönliche und familiäre Erinnerungen fügte dann Stefanie Wagner-Schroiff – ebenfalls eine Nachfahrin des Künstlers – dem Programm der Matinee bei. Die Ausstellung sei für die Nachfahren dieses Mannes Gelegenheit gewesen, „sich einmal mit dem Großvater zu beschäftigen, von dem wir eigentlich vergleichsweise wenig wissen“. Ein hervorragender Schüler sei er gewesen, habe aber ausgerechnet im Fach Schönschreiben „nur gut – eine Zwei“ gehabt. Innerhalb der Familie sei wenig über ihn erzählt worden, etwa dass er sehr sportlich und durchtrainiert gewesen sei. Eine Affinität habe er zu Jahrmärkten, Zirkus oder auch Roma-Familien gehabt. Sein Drang nach Freiheit oder die Idee, auszuwandern beziehungsweise mit einem Pferde-Planwagen loszufahren, seien oft Thema gewesen.
Stefanie Wagner-Schroiff zeigte in der Schlusspassage ihres Berichtes außergewöhnlichen Mut, als sie davon sprach, dass sich Wolfgang Wagner im Jahr 1931 das Leben nahm. Die Rednerin stellte damit Klarheit über das Lebensende des Künstlers her, die bislang in Fachkreisen nicht geherrscht hatte. Wagners Kinder seien damals 15 und 13 Jahre alt gewesen, einen Abschiedsbrief oder ähnliches habe es nicht gegeben. „Das war eine schmerzvolle Zeit für die Familie,“ sagte Stefanie Wagner-Schroiff, der an dieser Stelle auch persönliche Betroffenheit anzumerken war. „Es war schon eine spannende Familie, damals,“ so die Rednerin. „Es hat halt kein Happy End gegeben.“ Doch bleibe heute der großen Familie Wagner und auch den Gästen der Ausstellung: „Das, was ihn ausmachte – sein feiner Humor, den wir besonders in den Fliegenden Blättern sehen können“.
Die Ausstellung
Wer sich das Werk des großen Further Künstlers ansehen möchte, hat dazu ausgiebig Gelegenheit.
Die Ausstellung „141 Jahre Kunstmaler Wolfgang Wagner“ ist nämlich noch bis zum 15. Juni dieses Jahres im Alten Rathaus Furth im Wald zu sehen.
Midissage: 1. Juni um 14 Uhr mit Führung.
Öffnungszeiten: Bis zur LGS Sa/So: 14-17 Uhr, während der Landesgartenschau täglich 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Die Leihgeber stammen wie 1991 neben der Further Familie Wagner in erster Linie aus dem Kreis der Nachkommen aus dem Raum München. Fünf sind es an der Zahl.
Neben den fünf Leihgaben aus dem Kreismuseum Walderbach wären noch Further Privatpersonen als Leihgeber zu nennen: Werner Perlinger, Adolf Mühlberger und Gerhardt Wirrer.
