Jagd auf Fischotter, Fische und Wilderer: Altbürgermeister Sepp Kammermeier erinnert an Gepflogenheiten und Verfehlungen

„Der Artenschutz spielte vor gut 100 Jahren keine Rolle. Stolz war der Jäger, wenn es ihm gelang, einen tierischen Nahrungskonkurrenten aus dem Weg zu räumen“, schreibt Eschlkams Altbürgermeister Sepp Kammermeier im nächsten Teil unserer Reihe „Eschlkam um 1900“, für die er Berichte der Reihe „Der Bayerische Wald“ ausgewertet hat. „Und stolz berichtete die Zeitung über den Abschuss eines Fischotters, welcher heute zu den streng geschützten Tierarten zählt.“
„Warzenried, den 29. November 1883: Am 19. des Monats hatte der Krämer und Jagdpächter Fischer von Warzenried das gewiß seltene Jagdglück, zwei Fischotter zu erlegen. Eine dritte angeschossene Otter konnte er deshalb nicht mehr auffinden, da sein Hund schon zu Schanden gekommen war.“Die Flüsse und Bäche erfreuten sich aber trotz dieser gefräßigen Räuber eines reichen Fischbestandes.
Gewichtiger Hecht
„Furth i. Wald, 25. Oktober 1889: Was für schöne Exemplare von Fischen der Freibach und die Chamb in sich bergen, beweist wieder der Umstand, daß vor einigen Tagen Herr Bierbrauer Alois Neumaier in Eschlkam in ersterem neben schönen Weißfischen einen Hechten im Gewicht von 12 Pfund fing. In der vorigen Woche fingen die Chambfischwasserpächter oberhalb Eschlkam ebenfalls Hechte im Gewichte von 8, 10 und 12 Pfund. Dortselbst wurden auch schon Karpfen mit einem Gewichte von 14 und 15 Pfund gefangen.“
Die Aussicht auf reichen Fischfang, der Ruf einer ausgezeichnete Küche und beste Gästebetreuung im „Neumaier‘schen Gasthause“, zog sogar viele prominente Urlauber aus fernliegenden Großstädten Bayerns und Böhmens nach Eschlkam:
„Furth i. Wald, 16. August 1887. Aus Eschlkam wird dem ,Bayerischen Wald‘ unter Gestrigem geschrieben: Der Verwalter der kgl. Hauptbank in Nürnberg, Herr Ferdinand Herter, ein vorzüglicher Angler, welcher sich zur Zeit in Eschlkam zum Sommeraufenthalt befindet, hat am 11. des Monats einen Hecht mit 6 Pfund und am 14. des Monats 2 Karpfen mit 11 und 7 Pfund sowie viele kleinere Fische gefangen. Immerhin ein Zeichen, daß Freibach und Chamb fischreiche Bäche sind.“
Und weiter: „Furth i. Wald, 28. August 1889: Aus Eschlkam wird dem ,Bayerischen Wald‘ unterm Heutigen geschrieben: „Herr Dr. Eberle aus Nürnberg, welcher erst seit zwei Tagen hier zur Sommerfrische verweilt, hatte gestern schon das Glück einen 10 ½-pfündigen Hecht mit der Angel zu fangen. Herr Dr. Eberle hatte im vorigen Jahre mehrmals das Glück, solche Exemplare zur größten Freude der anwesenden Sommerfrischler auf den Tisch zu bringen. Wir wünschen ihm auch heuer den gleich gültigen Erfolg.“
„Furth i. Wald, 30. August 1890. Gestern hatte Herr Schuldirektor Hübner aus Prag, ein langjähriger Sommer- und Wintergast in Eschlkam, das seltene Glück, im Freibach einen 9-pfündigen Hecht mit der Angel zu fangen. Vor einigen Tagen fing derselbe im Zeitraum von 3 Stunden zwei große Forellen mit der Flugangel. Möge der hier sehr beliebte Herr Direktor noch recht viele solcher Fischbeuten erringen, damit er seinen Aufenthalt in unserem Orte auch gelohnt sehe.“
Zur Wilderei verleitet
In Zeiten der Geld- und Nahrungsmittelknappheit zählte das Wild als begehrte Beute, die zur Jagdwilderei verleitete. Dazu folgender Beitrag:
„Furth i. Wald, 13. Dezember 1884. Vom Hohenbogen wird dem ,Bayerischen Wald‘ unterm Gestrigem geschrieben: In der sogenannten Prünst, einem Wäldchen zwischen Neukirchen und Eschlkam, trieb schon seit Jahren ein Wilderer sein unerlaubtes Handwerk, ohne ihn je fassen zu können. Vor einigen Tagen hat ihn nun die Hand der *Nemesis ereilt, indem ihm ein Diener der heiligen **Hermandad gerade in dem Augenblicke ertappte, als er wieder Schlingen legen wollte. Hoffentlich wird ihm die Lust Schlingen zu legen für einige Zeit verleidet werden. Es ist schrecklich, wie diese Burschen ihr schändliches Gebaren selbst am hellen Tage treibend, unserem Wildbestand zusetzen, und ist nur wünschenswert, wenn die Hand des Schicksals sie auf der Tat ereilt. Der bestehende Jagdverein sollte mit Prämien an eifrige Diener des Gesetzes nicht geizen.“ (*„Nemesis“ ist die Göttin des gerechten Zorns; **„Diener der heiligen Hermandad“: gemeint ist die Polizei).
Welch drakonische Strafen sogar für das Wildern von Niederwild verhängt wurden, berichtet folgender Artikel:
„Furth i. Wald, 27. Februar 1887. Die Strafkammer des kgl. Landgerichts in Straubing verurteilte den 21-jährigen Bauerssohn Josef Schötz von Warzenried, welcher Rebhühner mit Schlingen fing, zu 6 Monaten 16 Tagen Gefängnis.“
Diese Höhe der verhängten Strafe für das Fangen von Rebhühnern zeigt einerseits die hohe Bedeutung der Bekämpfung von Jagdwilderei für die staatlichen Organe. Andererseits ist es ein Hinweis auf die Not in der Bevölkerung, wenn das Risiko einer brutalen Bestrafung eingegangen wurde.
„Eschlkam um 1900“
Sepp Kammermeier, Altbürgermeister von Eschlkam, hat sich durch die Ausgaben von „Der Bayerische Wald“ (erschienen zwischen 1882 und 1935 für Furth im Wald und Umgebung) gearbeitet und stellt an dieser Stelle regelmäßig besondere und außergewöhnliche Berichte aus dieser Zeit um das Jahr 1900 vor.