Eschlkams Altbürgermeister sammelt Berichte rund um 1900 über Eschlkam

Eigentlich war Josef Kammermeier, damals noch Bürgermeister der Marktgemeinde Eschlkam, im Jahr 2010 „nur“ in der Druckerei Perlinger in Furth im Wald, um ein Heimatbuch auf den Weg bringen. Das Buch gibt es auch schon seit Jahren, doch für den heutigen Altbürgermeister hat damals eine Reise mit einem Zufallsfund begonnen, und die hat seitdem nicht mehr aufgehört.
Im Regal der Druckerei Perlinger, nur wenige Meter abseits des Stadtplatzes in Furth im Wald, sah er Bände über Bände vor sich, rund 100 Stück aus 50 Jahren. Betitelt sind sie alle mit Der Bayerische Wald – anfangs noch mit dem Untertitel „Anzeiger für die Stadt Furth i. Wald und Umgebung“, ab 1919 mit „Tagblatt Generalanzeiger für den Hohenbogengau“.
Nicht aufhören zu lesen
„Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen“, erinnert sich Kammermeier gemeinsam mit Hubert Perlinger, dem Inhaber der Druckerei, die ab 1882 die erste Zeitung für die Stadt Furth im Wald herausgebracht hatte. Seit 1914 ist sie in Familienbesitz, sein Großvater Peter Schrott war von 1914 bis 1935 und noch einmal von 1948 bis 1949 Herausgeber von Der Bayerische Wald. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges hatte die Mittelbayerische Zeitung von den Alliierten die Lizenz erhalten, der Familie Schrott sei allerdings die Anzeigen-Annahme geblieben, erinnert sich Enkel Helmut Perlinger.
Viel könnte Perlinger noch dazu erzählen, wie Der Bayerische Wald herausgegeben worden ist. Ende des 19. Jahrhunderts im kleineren Format und auch nur alle zwei Tage. Später dann aber täglich und zunehmend auch mit überregionalen Nachrichten. „1923 kaufte mein Großvater einen der allerersten Rundfunkempfänger in der Region“, sagt er. Was Peter Schrott dabei zu hören bekam, stand am nächsten Tag in der Zeitung.
Die überregionalen Nachrichten sind es aber natürlich nicht, die es Josef Kammermeier angetan haben, es sind die lokalen Nachrichten; Zum einen natürlich sein Heimatort Eschlkam, aber auch die Nachbargemeinde Neukirchen b. Hl. Blut. Letztere vor allem auch deshalb, weil der Markt Sitz des Amtsgerichtes gewesen war. „Das ist heute völlig unvorstellbar, wie damals berichtet worden ist“, sagt Kammermeier. Nicht nur, dass alle Namen der Beteiligten abgedruckt worden seien, die Autoren hätten sich auch nicht selten dazu hinreißen lassen, die Verhandlungen an sich zu kommentieren – und zwar in sehr deutlichen Worten.
Aber auch Ereignisse wie der Tage lang in verschiedenen Orten gefeierte 65. Geburtstag von Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, fänden sich in aller Breite in der Zeitung, oder auch so einiges rund um den Goldabbau in Neukirchen.
Ergebnis öffentlich machen
Innerhalb eines halben Jahres habe er sich alles aus den Bänden herausgesucht, was es so zu den Orten zwischen Eschlkam und Neukirchen b. Hl. Blut zu finden gegeben habe, sagt Kammermeier. So gut wie alles habe er mittlerweile in Kopie bei sich zu Hause verwahrt, und sehr viele der Texte auch bereits abgetippt, um sie leichter lesbar machen zu könne. Damit die Arbeit der vergangenen 15 Jahre aber nicht nur bei sich zu Hause Aufmerksamkeit findet, hat sich Josef Kammermeier an unser Medienhaus gewandt. Im Abstand von etwa zwei Wochen will der Altbürgermeister die großen und kleinen Geschichten unter dem Titel „Eschlkam um 1900“ zusammentragen und für die Leser rund 100 Jahre später wieder erlebbar machen.
Dann könne jeder selbst feststellen, was für eine andere Zeit das Leben damals wirklich gewesen sei. Von Suppenküchen im Ersten Weltkrieg bis hin zum Geistlichen, der von Betrunkenen bei einer Prozession geschlagen wurde – berichtet wurde einfach über alles. Nun sollen die großen und kleinen Geschichten aber auch wieder gelesen werden, viele davon zum ersten Mal seit über 100 Jahren wieder.
Damit können sich die Leser schon jetzt darauf freuen, was Josef Kammermeier alles in den Bänden von Der Bayerische Wald gefunden hat.
Eschlkam um 1900
Josef Kammermeier hat über viele Jahre die Bände von Der Bayerische Wald nicht nur mit Blick auf seine Heimatgemeinde Eschlkam ausgewertet, sondern auch viele der kürzeren und langen Berichte abgeschrieben, um sie leichter lesbar zu machen.
In regelmäßigen Abständen gibt es darum bei uns in der Zeitung Geschichten aus „Der Bayerische Wald“ zu lesen, die Josef Kammermeier zusammengetragen hat.
Themen sind unter anderem der Bau der Eisenbahn (auch von der, die nichts geworden ist), der Bau von Wasserleitungen, aber auch Gerichts-Berichte aus der Zeit um die Jahrhundertwende und jede Menge kuriose Begebenheiten (wie verprügelte Geistliche) oder Nachrufe, die es in dieser Form sicher nicht mehr zu lesen geben würde. a
