Das Vermächtnis der Waldmünchner Ehrenbürgerin Martina Mathes

„In diesem Fall fehlt Martina doppelt und dreifach“ oder „Manchmal denke ich mir, ich müsste sie fragen.“ Solche und ähnliche Sätze waren am Dienstag in der ersten Arbeitskreissitzung zur Städtepartnerschaft mit Combourg seit dem Tod von Martina Mathes öfter zu hören.
Wenig verwunderlich, denn rund 30 Jahre lang hatte sich Mathes um diese Städtepartnerschaft gekümmert und auch finanziell viel dafür geleistet, wie erst jetzt klar wird.
Mathes hatte 2023 ihre Nachfolge im Arbeitskreis Combourg mit Julia Bacherl und Ramona Roßmann-Bierl noch selbst geregelt. Und die Nachfolge ist gut geregelt, wie Sitzungsteilnehmer den beiden Arbeitskreisvorsitzenden bestätigten. Sie berichteten, wie Mathes bis kurz vor ihrem Tod noch Pläne mit ihnen geschmiedet hatte, wie die Städtepartnerschaft weitergeführt werden kann.
Kistenweise Unterlagen
Sehr glücklich sind Bierl und Bacherl, dass ihnen von den Erben erlaubt wurde, die Unterlagen von Mathes zur Städtepartnerschaft zu sichten und zu übernehmen. In der Fülle des in rund 30 Jahren angesammelten Materials zu Combourg liegt aber auch ein Problem. Wo aufbewahren und archivieren? Hinzu kommt Mathes‘ Sammlung von Material über Chateaubriand, dessen Zwangsaufenthalt in Waldmünchen ja der Grund für Städtepartnerschaft war. Es gebe kistenweise Ordner, Bücher, Dokumente und Fotografien, sagte Bacherl, deren Inhalte sicherlich wichtig und interessant sei.
Die beiden Vorsitzenden versprachen, das Material langfristig zu sichten und auszuwerten. Vorerst gehe es aber um eine Unterbringung. Eine Unterbringung im Raum Cobourg im MGH sei nicht sinnvoll, sagte Bacherl. Ihre Vorschläge zur Anfrage bei der Stadtbibliothek oder beim Romanistik-Institut der Uni Regensburg fanden in der Versammlung wenig Resonanz. Ihr Vorschlag, sie dem Trenckmuseum anzubieten, schon eher. Arbeitskreismitglied Karlheinz Schröpfer schlug vor, sie dem städtischen Archiv und/oder dem Museum zur Verwahrung des Nachlasses anzubieten. Schließlich sei Mathes Ehrenbürgerin gewesen , und es gehe um die Städtepartnerschaft. Das Museum wiederum habe sogar eine eigene Abteilung, die sich Chateaubriand widme.
Auch beim nächsten Tagesordnungspunkt wurde Mathes‘ lebenslanger Einsatz für die Städtepartnerschaft sichtbar. Es wurde über den Aufenthalt von drei französischen Jugendlichen von 20. bis 31. Juli in der JuBi Waldmünchen gesprochen. Hier hatten die beiden Vorsitzenden vorab die Finanzierung neu klären müssen. Denn bisher hatte Mathes jedes Jahr den Aufenthalt eines Jugendlichen stillschweigend finanziert. „Nicht einmal die Franzosen wussten das“, sagte Bierl. Die Kosten der beiden anderen Aufenthalte teilten sich Stadt und JuBi. Bierl berichtete, dass auch heuer drei Jugendliche im Alter von 16 (2x) und von 21 Jahren nach Waldmünchen kämen. Stadt und JuBi hätten sich bereit erklärt, jetzt die Kosten für drei Aufenthalte gemeinsam zu tragen.
Einen großen Teil des Treffens nahm die Vorstellung zur Planung der Fahrt nach Combourg von 21. bis 26. August ein. Abfahrt ist am Donnerstag, 21. August. Für die Waldmünchner geht es wie gewohnt die ganze Nacht hindurch bis St. Malo. Dort soll, wenn es die Gezeiten erlauben, die Grabinsel von Chateaubriand besucht werden. Anschließend geht es nach Combourg und, anders als gewohnt, gleich zur Besichtigung des Schlosses und zu einem Willkommensumtrunk. Der Samstag gehört einem Besuch in einer Austernzucht. Mit einem Traktoranhänger geht es hinaus zu den Muschelstationen. Der Abend gehört dem Festzug und einem gemeinsamen Abendessen. Am Sonntag ist der offizielle Empfang am Gedenkstein mit anschließender Messe. Am Montag geht es nach Paris mit der einzigen Hotelübernachtung. Ansonsten sind alle Mitreisenden dem Konzept der Städtepartnerschaft entsprechend bei Gastfamilien untergebracht. Rückkehr wird am Dienstag gegen 20 Uhr sein. Begleitet wird die Reise wie jedes Jahr von einer Musikgruppe. Heuer wird dies ein Teil der Blechapostel sein.
Paris per Bus: ein Problem
Auf ein Problem wiesen die beiden Organisatorin hin. Anders als in den vergangenen Jahren wird es nicht mehr möglich sein, eine Fahrt mit dem eigenen Bus durch Paris zu machen. Wie erst kürzlich gemeldet, haben die Pariser dafür gestimmt, 500 Straßen autofrei zu machen. Mit dem Bus sei da kein Durchkommen mehr möglich. Bacherl und Bierl boten an, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Sie könnten aber auch Kleingruppen führen. Aus der Runde kam der Vorschlag , dies bei genügend Interesse mit professionellen Stadtführern zu organisieren.
Als letzten Tagesordnungspunkt stellte Bierl das geplante offizielle Gastgeschenk vor. Es soll sich um eine Kleinplastik in Gestalt der in Waldmünchen präsenten Scherenschnitte handeln. Sie werde die Stadtsilhouette mit der Postkutsche Chateaubriand davor zeigen.