Voller aktueller Bezüge: Setzwein und Voit lesen Bonhoeffer-Stück

Aktueller als 2025 könnte das Bonhoeffer-Stück des Waldmünchner Autors Bernhard Setzwein kaum sein. Zum einen jährt sich die Ermordung von Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg zum 80. Mal. Zum anderen ist Bonhoeffers aktive Haltung gegen den Faschismus in einer zunehmend autokratischer werdenden Welt ein für viele Menschen wichtiges Beispiel.
Am Sonntag um 18 Uhr werden Bernhard Setzwein und Stefan Voit das Stück „Später Besuch. Dietrich Bonhoeffer redivivus“ im Rahmen des Bürgertreffs am Böhmertor in einer szenischen Lesung vortragen. Dafür hat Setzwein das ursprüngliche Bühnenstück mit vier Darstellern auf zwei Personen umgearbeitet und daraus eine Art Hörspiel gemacht. Voit und Setzwein werden rund zehn wichtige Szenen aus dem Stück vortragen. Dass sie mit ihrer Kleidung dabei in die Rollen der von ihnen präsentierten Charaktere schlüpfen, gehört zum Konzept.
Die szenische Lesung in Waldmünchen findet in Zusammenhang mit einer Lesereise von Setzwein und Voit statt. Erster Veranstaltungsort war dabei Mitte März in der ehemaligen Synagoge Ottensoos zwischen Lauf und Hersbruck. Noch am Sonntag lasen Setzwein und Voit bei einer Vorstellung in Weimar, von der Setzwein immer noch begeistert berichtet. In den Pausen habe ein Chor gesungen, was gut zum Stück gepasst habe.
Spieluhr ersetzt Chor
Schmunzelnd erzählt Setzwein, dass er sonst in Ermangelung eines Chores in den Pausen eine Spieluhr einsetzte, die „Stairway to Heaven“ spiele, was durchaus gut beim Publikum ankäme. Allerdings hätte er lieber ein Spieluhr mit der Melodie des Bonhoeffer-Liedes „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ gefunden. Nur, so eine Spieluhr gebe es auf dem Markt leider nicht.
Die Leseorte von Setzwein und Voit habe im Übrigen durchaus auch etwas mit der Geschichte Bonhoeffers zu tun. So liegt Weimar in der Nähe des KZs Buchenwald, wo Bonhoeffer vor seinem Transport nach Flossenbürg gefangen gehalten wurde. Auch Schönberg im Bayerischen Wald , ein anderer Leseort, gehört zu Bonhoeffers Geschichte. Hier schien eine Befreiung nahe, bevor Bonhoeffer dann doch als Gefangener ins KZ Flossenbürg gebracht wurde, wo er am 9. April auf Befehl Hitlers erhängt wurde. Das KZ wird 14 Tage später, am 23. April, von der US Armee befreit. In der Gedenkstätte Flossenbürg wird vermutlich im Herbst eine szenische Lesung stattfinden.
Die Bonhoeffer-Lesung gehört in eine Reihe von sehr gut besuchten Veranstaltungen im Bürgertreff am Böhmertor. Zuletzt berichtete beispielsweise Markus Gruber über Schicksale in Waldmünchen während der letzten Kriegstage. Beide Themen, so Veranstalter Alois Nock, passten gut zusammen. Bleibt zu hoffen, dass der Setzwein-Lesung ein ähnlicher Publikumsbesuch gelingt, wie den Veranstaltungen bisher. Sollte der Andrang zu groß sein, wäre ein Folgetermin möglich , versprachen Nock und Setzwein. Die Bürgertreff-Termine am Sonntagabend um 18 Uhr haben sich jedenfalls als gut gewählt herausgestellt, sagte Nock. Er freue sich, dass er für Setzwein ein Podium bieten könne. Ähnlich sei dies im Herbst mit der Autorin Gesina Stärz, die in Spielberg bei Waldmünchen wohne.
Doch zurück zur Bonhoeffer-Lesung. Während des Pressegesprächs zur Veranstaltung in Waldmünchen gibt Setzwein einen kleinen Einblick in seine Schriftstellerwerkstatt. Ursprünglich sei das Stück ja 2016 als eine Art Auftragsarbeit für das Landestheater Oberpfalz zur Aufführung in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg entstanden. Weil er nicht das ganze Leben Bonhoeffers in ein Theaterstück erzählen konnte, habe er nach einer Lösung gesucht – und da sei ihm die Irrfahrt Bonhoeffers auf dem Gefangentransport nach Flossenbürg in den Sinn gekommen. Dabei habe es auch eine kurzzeitige Verwechslung Bonhoeffers mit Josef Müller, besser gekannt als „Ochsensepp“, gegeben. Müller war später Mitbegründer der CSU. Und nach so einem Treffen zur Parteigründung, bei der sogar Franz Josef Strauß als Randfigur teilnimmt, lässt Setzwein den Ochsensepp eine Erscheinung haben. Er begegnet seinem ehemaligen Mitgefangenen Dietrich Bonhoeffer wieder. Ein geradezu klassisches literarisches Konzept: Ein Gespräch im Totenreich. Vor der Arbeit an dem Bonhoeffer-Stück habe er wenig über die Geschichte der beiden Hauptpersonen gewusst, berichtet Setzwein. Das habe sich geändert.
Nicht tatenlos Abwarten
Ihn habe die Haltung Bonhoeffers fasziniert. Er habe gewusst, was auf ihn zukommen werde und dennoch Widerstand geleistet. Diese Haltung habe Bonhoeffer so zusammengefasst, zitiert Setzwein aus dem Kopf: „Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen.“
Als Setzwein erzählt, wie Bonhoeffer unmittelbar vor Kriegsbeginn 1939 trotz anderer Möglichkeiten aus den USA nach Deutschland zurückkehrt, um Widerstand zu leisten, meint Nock, dass sei ja so ähnlich wie die Rückkehr von Nawalny nach Russland. Ein Stück voller aktueller Bezüge.