Markus Gruber berichtete über Kriegsschicksale um Waldmünchen

Es war – wieder einmal – ein Abend im Bürgertreff am Böhmertor, der es in sich hatte. Und inzwischen weiß auch jeder, dass sich früh kommen auszahlt: die besten Park- und Sitzplätze sind stets schnell vergeben.
Am Sonntagabend war es Markus Gruber, der bei einem Vortrag, initiiert vom Kulturreferat der Stadt Waldmünchen, die Interessierten anzog. Deshalb ging auch gleich zu Beginn Grubers Dank an Heike Dannerbeck, die sich um die Organisation der Veranstaltung gekümmert hatte.
Gruber ist den Waldmünchnern hinlänglich bekannt. Seine Beiträge zum Beispiel im Heimatboten und seine Vorträge zum Kriegsgeschehen um Waldmünchen sind immer noch interessant und bewegend. Bei seinem neuesten Vortrag ging es um das Thema: „80 Jahre nach Kriegsende: Soldatenschicksale im Böhmerwald“.
Detaillierte Erkenntnisse
Wie man es von Gruber nicht anders kennt, konnte man nur erahnen, welche Arbeit hinter diesen Ausarbeitungen steckte. Viele Bilder veranschaulichten die einzelnen Themen. Kartenskizzen, die die Truppenbewegungen zeigten, aber auch Bilder aus alten Akten oder von Bildern betroffener Soldaten zeigten das ganze Ausmaß der Schicksale. „Es gibt nur noch wenige, die aus eigener Erfahrung aus dieser Zeit berichten können“ begann Gruber seinen Vortrag. Trotzdem solle man die Erinnerung an das damalige Geschehen wachhalten, sagte er.
Eine Aussage von Mitgliedern des Volkssturms zeigte die Einstellung, die die Kämpfenden gegen Kriegsende zu diesem sinnlosen Geschehen hatten, aber nicht laut sagen durften: „Oh, wir dummen alten Affen sind des Führers letzte Waffen“. Diesem Satz ist wohl nicht viel hinzuzufügen.
Dass die Kämpfenden nicht nur gediente (oder sollte man besser sagen erfahrene) Soldaten waren, zeigte sich bei Beispielen zur Panzervernichtungsbrigade der Hitlerjugend. Jugendliche, kampfunerfahrene Burschen zwischen 15 und 18 Jahren, wurden auf das Schlachtfeld geschickt und bezahlten diesen Einsatz oft genug mit dem Tod. Unter anderem diese Schicksale waren es, die Gruber in seinen Recherchen aufgearbeitet hatte.
Durchaus bekannte Namen aus der Waldmünchener Geschichte waren dabei. Zur Aufklärung der Schicksale habe er auch Bilder aus den USA erhalten, erläuterte Gruber weiter. Manche Identitäten konnten anhand von Aufrufen geklärt werden, Recherchen im Bundesarchiv in Berlin gaben ebenfalls Auskünfte. Auch das Stadtarchiv Waldmünchen konnte Informationen beisteuern. Dass einige der genannten Personen wohl auch am Holocaust beteiligt gewesen sein sollten, blieb der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt.
Ein weiteres Thema des Abends waren die sogenannten Umbettungen. Gefallene Soldaten wurden zunächst in Massengräbern beigesetzt und später von Familienangehörigen nach Hause zur Beisetzung geholt. Die Beschreibung zur Identifizierung der Personen – auch hierzu hatte Gruber Abbildungen von Originaldokumenten – waren detailliert. Von Größe, Haarfarbe und Kleidung bis hin zu Zahnstatus war alles erfasst.
Den Angehörigen erkannt
Das Interesse der Zuhörer war groß. Es war wohl auch dem Thema geschuldet, dass eine betroffene Ruhe am Ende des Vortrags herrschte. Die aufgegriffenen Einzelschicksale waren es vor allem, die unter die Haut gingen. Waren doch durchaus Vorfahren bekannter Waldmünchener Familien unter den Opfern zu finden.
Dass sogar eine Dame unter den Zuhörern noch einen Angehörigen auf einem Bild erkannte und einen Namen beisteuern konnte, war nur eine der Reaktionen. Auch Fragen zu weiteren Fakten gab es, die Gruber beantworten konnte. Der Dank, den Gruber aus dem Publikum für seine Ausführungen erhielt, war vielfältig und verdient.
