In Berichten aus „Der Bayerische Wald“ geht es dieses Mal um Verbrechen aus dem 19. Jahrhundert

Dieses Mal wird in einem Bericht aus dem Jahr 1886 in „Der Bayerische Wald“ auch auf ein paar bekannte Räuber hingewiesen. „Darum habe ich vorweg diesbezüglich eine kurze Erläuterung hinzugefügt. Die Nennung des Heigl dürfte ohnehin für regionale Leser interessant sein“, schreibt Eschlkams Altbürgermeister Sepp Kammermeier im nächsten Teil unserer Reihe. „Bei der Themenauswahl hatte ich auch das Ziel, nicht nur Leser aus dem Altlandkreis Kötzing anzusprechen.“
Ferdinand Gump und Eduard Ganswürger waren bekannt als die „Donaumoosräuber“, welche in der Zeit zwischen 1871 und 1873 in mehreren Gerichtsbezirken um Ingolstadt ihr Unwesen trieben.
Michale Heigl war der wohl bekannteste Räuber im Bayerischen Wald. Geboren am 12. Mai 1817 in Ramsried bei Kötzting, hielt er bis zu seiner Verhaftung sowohl Gendarmerie als auch Land und Leute in Atem. Ergriffen am 18. Juni 1853 in der „Räuber-Heigl-Höhle“ am Kaitersberg, wurde er 1854 in Straubing zum Tode verurteilt, später aber zur Kettenstrafe begnadigt. Im Jahre 1857 erschlug ihn in München ein Mithäftling mit der Kugel einer Fußkette.
Ein gefährlicher Verbrecher aus Níederrunding
Einige Jahre später brachte die Ortschaft Niederrunding bei Cham mit Anton Bergmann einen eher unbekannten, aber gefährlichen Verbrecher hervor, dessen Verhaftung unter Bezugnahme auf die Räubergesellen Gump, Ganswürger und Heigl nachfolgend wie folgt geschildert wurde:
„Cham, 28. November 1886
Gump, Gänswürger, Heigl und Compagnie gibt es an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten; aber zum großen Glücke treiben sie ihr Handwerk nicht zu lange. Es ist das weniger ihr Verdienst als das einer tüchtigen Gendarmerie. So gelang es nach langer rastlos fortgesetzter Spähe in verwichener Nacht unserem Herrn Wachtmeister Linz und den Gendarmen Röderl, Lindner und Träger, im Orte Rieding einen gewissen Anton Bergmann von Niederrunding und dessen Zuhälterinnen Katharina und Christiana Haller von Runding festzunehmen und in das hiesige Amtsgericht einzuliefern. Welch gemeingefährlicher Verbrecher Bergmann ist, der erst im heurigen Jahre aus dem Zuchthause entlassen wurde, geht daraus hervor, daß er einmal der Rädelsführer einer 7-köpfigen Diebesbande war, welche in diesem und angrenzenden Amtsbezirken eine Reihe von Einbruchdiebstählen verübte, und ganz besonders daraus, weil er identisch ist mit dem Raubmörder, der vor gar nicht langer Zeit gelegentlich eines nächtlichen Einbruchs in der Nähe von Kötzting den Besitzer des Anwesens durch einen Schuß in den Hals lebensgefährlich verletzte.
Bis auf die Zähne bewaffnet bei der Verhaftung
Bei der Verhaftung war er bis auf die Zähne bewaffnet und wurden ihm ein sechsläufiger Revolver, sowie Messer und verschiedene Diebswerkzeuge abgenommen. Nur dem ebenso raschen als umsichtigen Vorgehen ist es zu verdanken, daß der verwegene Verbrecher nicht von seiner Waffe Gebrauch machte. Die Landbevölkerung kann jetzt, Dank der ausdauernden Energie der Gendarmeriemannschaft wieder sorgenloser schlafen.
Möge es der Umsichtigkeit unserer sehr tätigen Gendarmerie gelingen, auch die Helfer und Helfershelfer des Bergmann zu eruieren, dann dieselben ebenfalls ihrer gerechten Strafe zugeführt werden könnten. Wir wünschen derselben den besten Erfolg.“
Ein Verbrechen anderer Kategorie, aber mit tödlichem Ausgang, ereignete sich nach folgendem Bericht in der Ortschaft Großaign bei Eschlkam. Eine Auseinandersetzung zwischen zwei Brüdern wegen Übernahme eines Anwesens war der Auslöser. Es wird wie folgt geschrieben:
„Schauplatz einer blutigen Tat“
„Furth i. Wald, 22. März 1887. Das von hier anderthalb Stunden gelegene Dorf Großaign war am vergangenen Sonntag Schauplatz einer blutigen Tat. Dortselbst gerieten die beiden Söhne des Häuslers Kerscher wegen Übernahme des Anwesens in Streit, der damit endete, daß der 17-jährige Kerscher seinem 28-jähigem Bruder mit einem Messer den Hals durchschnitt. Der Tod ist infolge dieser fürchterlichen Wunde unmittelbar eingetreten. Der Täter wurde sofort verhaftet und ins Amtsgerichtsgefängnis Neukirchen eingeliefert.“
Sepp Kammermeier
Die Reihe „Eschlkam um 1900“
Sepp Kammermeier, Altbürgermeister von Eschlkam, hat sich durch die Ausgaben von „Der Bayerische Wald“ (erschienen zwischen 1882 und 1935 für Furth im Wald und Umgebung) gearbeitet und stellt an dieser Stelle regelmäßig besondere und außergewöhnliche Berichte aus dieser Zeit um das Jahr 1900 vor.