Drohne mit KI soll Waldbrände im Landkreis Neumarkt verhindern

Von Kilian Graef · 13. Mai 2025 um 05:00

Am Anfang des Jahres hinterließen verheerende Feuer im US-Bundesstaat Kalifornien verwüstetes Land. Und neulich passierte es auch in der Region: Ein Forst bei Erlangen brannte auf einer Fläche von circa 40.000 Quadratmetern und mehrere Feuerwehrleute landeten im Krankenhaus. Wie realistisch in den kommenden Monaten ein ähnliches Szenario im Landkreis Neumarkt ist, weiß Jürgen Kohl.

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Er wurde vor sechs Jahren von den Kommandanten der einzelnen Feuerwehren zum Kreisbrandmeister gewählt und erarbeitet seitdem Konzepte zur Brandbekämpfung in der Region.

Herr Kohl, wird es im Sommer zu einem schlimmeren Waldbrand kommen?

Jürgen Kohl: Realistisch ist das grundsätzlich immer. Kleinere Vegetationsbrände haben wir jedes Jahr. Die entstehen zum Beispiel im Rahmen von Erntearbeiten oder durch Funkenflug der Züge brennt es mal an einem Bahndamm. Richtige Waldbrände, wie man sie vor allem in anderen Ländern gesehen hat, gab es bei uns in den vergangenen Jahren Gott sei Dank nicht. Wir müssen aber jederzeit damit rechnen. Im Wald gibt es immer wieder Feuerstellen, aus denen etwas Gefährliches entstehen kann.

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Wie wird sich die Waldbrandgefahr in der Region in den kommenden Jahren entwickeln?

Kohl: Mit der Trockenheit im Boden steigt auch das Risiko. Das bedeutet für die Bevölkerung, dass sie noch stärker auf ihr Freizeitverhalten achten muss. Man sollte keine Flaschen liegen lassen, keine Zigarettenstummel in den Wald schnipsen und auch kein Lagerfeuer machen. Erst recht nicht bei einer hohen Gefahrenstufe.

Feuerwehr kooperiert mit Landwirten

Wie bereitet sich die Feuerwehr auf Krisenszenarien vor?

Kohl: Es braucht natürlich ein dichtes Netz der Hilfeleistung. Da sind wir im Landkreis mit 153 Feuerwehren sehr gut aufgestellt. Auch viele Landwirte helfen beispielsweise beim Wassertransport mit. Dieses Jahr ist für Einsatzkräfte ein spezieller Schulungstag zur Waldbrandbekämpfung geplant. Ein weiterer Punkt ist die Ausstattung: Wir haben wieder mehr Fahrzeuge mit Löschwassertank, die auch größere Mengen an Wasser transportieren können. Das ist wichtig, weil es im Landkreis in den seltensten Fällen möglich ist, eine Leitung zu einem Gewässer in der Nähe zu legen. Auch Wärmebildkameras sind wichtig, um Feuer zu erkennen, das sich zum Beispiel über die Wurzeln eines Baumes in den Boden gefressen hat.

Wie lange ist die letzte größere Übung her?

Kohl: Vor zwei Jahren haben wir eine Großübung im Bereich Kerkhofen durchgeführt. Etwas Ähnliches steht auch für nächstes Jahr im Raum, um Abläufe zu proben.

Sie haben letztes Jahr über dem Grafenbucher Forst eine KI-Drohne getestet. Wie hilft sie Ihnen bei der Arbeit?

Kohl: Das Programm scannt den Boden und meldet Rauch. Es kann Rauch von normalem Wasserdampf unterscheiden und erkennt, welches Feuer unbedenklich ist, weil es zum Beispiel ein kontrolliertes ist, das Leute überwachen und wobei es sich um ein Schadfeuer handelt.

Der Neumarkter Kreisbrandmeister Jürgen Kohl im Porträt - Foto: Kilian Graef

Wie zuverlässig ist das Gerät im Vergleich zu den erfahrenen Kollegen im Überwachungsflieger?

Kohl: Es ist wie so häufig mit der KI. Je umfangreicher die Datengrundlage wird, auf die sie zugreifen kann, desto effizienter wird das Ganze. Es braucht noch seine Zeit. In Zukunft kann man die ehrenamtlichen Kollegen damit aber stark entlasten. Dadurch, dass es eine Langflugdrohne ist, sind wir auch von der Zeit nicht viel eingeschränkter als bei normalen Überwachungsflügen.

Schwer erreichbare Stellen im Grafenbucher Forst und bei Pyrbaum

Die wird es weiterhin geben?

Kohl: Natürlich. Diese Überwachungsflüge werden ab einer gewissen Gefahrenstufe angeordnet.

Beim jüngsten Brand in Erlangen gab es ein großes Problem, das die Löscharbeiten erschwert hatte. Der Forst ist voller Munition und daher schwer betretbar. Gibt es so ein Gebiet auch bei uns?

Kohl: Munitionsmäßig ist mir nichts Größeres bekannt. Schwierigkeiten macht oft die Topografie, weil man manche Stellen nicht gut erreichen kann. Wenn ich an Bahn-Einschnitte denke, wohin man nur über die Schienen kommt, fallen mir einige Bereiche ein. Auch Stellen in großen Wäldern, wie der Grafenbucher Forst oder Flächen bei Pyrbaum können schwer erreichbar sein. Es ist schwer einzuschätzen, welche Wege für welche Fahrzeuge geeignet sind. Aber dafür erstellen wir seit Winter vergangenen Jahres eine detaillierte Karte, wie es sie auch in anderen Landkreisen gibt. Wir entwickeln uns permanent weiter.

So hoch ist die Waldbrandgefahr aktuell

Waldbrand-Gefahrenindex:

Waldbrand-Gefahrenindex: Im vergangenen Monat hat es sehr wenig geregnet. Auch in dieser Woche soll sich das nicht ändern. Daher prognostiziert der Deutsche Wetterdienst für die nächsten Tage eine mittlere Waldbrandgefahr. Grundlage für die Einordnung in Gefahrenstufe drei von fünf, sind Daten der Messstation Parsberg-Eglwang. Große Teile Bayerns sind aktuell noch bei einer niedrigen Gefahrenstufe.

Luftüberwachung: Sobald der höchste Waldbrand-Gefahrenindex erreicht ist, sind Überwachungsflüge für den Landkreis verpflichtend. Vergangenes Jahr waren es laut Einsatzstatistiken der Luftrettungsstaffel Bayern wesentlich weniger als üblicherweise. Der Grund: Starkregen und Hochwasser. In der Oberpfalz sind die angeforderten Flüge von 169 auf 49 gesunken. Von einer starken Steigerung sei dieses Jahr auszugehen