Im Krisenfall: Wie gut wäre Neumarkt für einen Stromausfall gerüstet?

Von Wolfgang Endlein · 5. Mai 2025 um 11:00

Mehr als einen Tag dauerte der massive Blackout in Spanien und Portugal. Das hat das Thema auch in Deutschland stärker ins Bewusstsein gerückt. Die Stadt Neumarkt hat 2022 für einen solchen Fall ein Notstromkonzept beschlossen. Was davon umgesetzt ist.

Auch wenn es in Deutschland eine große Versorgungssicherheit gebe, sollte man sich nicht zu sicher sein. Das war die Botschaft, die die Stadtverwaltung im Juni 2022 den Stadträten vermittelte. Angesichts der immer stärkeren Schwankungen im öffentlichen Stromnetz und zunehmender extremer Wetterlagen seien künftig vermehrt, wenn auch hoffentlich nur örtlich begrenzte, Ausfälle im Versorgungsnetz zu erwarten. Die Verwaltung skizzierte beispielsweise das Szenario von Sturm- oder Wasserschäden an Umspannwerken, Trafostationen oder Stromleitungen. Die Stadträte stimmten in der Folge zu, ein Notstromkonzept in die Tat umzusetzen.

Das Konzept ist nicht dafür gedacht, die privaten Haushalte und Unternehmen in Neumarkt mit Strom zu versorgen. Vielmehr geht es darum, dass die kritische Infrastruktur der Stadt auch bei Stromausfall weiter funktioniert. Gemeint sind damit Einrichtungen wie die Kläranlage, Abwasserpumpwerke oder die Rathäuser, deren Ausfall für einen Großteil der Bevölkerung negative Auswirkungen hätte. Zudem sollten Anlaufpunkte geschaffen werden, an denen die Bevölkerung Hilfe und vor allem Strom findet.

Feuerwehrhäuser in Neumarkt verfügen alle über Notstrom

Die damals beschlossenen Maßnahmen seien vollständig umgesetzt, erklärt die Stadtverwaltung auf Anfrage. Die Stadt hat demnach inzwischen insbesondere folgende Gebäude so fit gemacht, dass sie mit Notstrom betrieben werden können: die Hauptfeuerwache, alle zehn Feuerwehrhäuser, die Rathäuser I und II, die Mittelschule West (insbesondere die Turnhalle) und die Jurahallen. Dafür beschaffte die Stadt Notstromaggregate. Gerade für die größeren Gebäude wie die Jurahallen braucht es dafür große Modelle, die teils fest verbaut sind, teils per Feuerwehr-LKW mobil sind. Zudem baute die Stadt die Elektroverteilungen der Gebäude entsprechend um. Dass das System funktioniert, habe man mit Testläufen an jedem Gebäude geprüft, erklärt die Stadt.

Derartige große Notstromaggregate hat die Stadt Neumarkt für den Fall eines Stromausfalls angeschafft. - Foto: Daniel Gottschalk/Stadt Neumarkt

Die besagten Gebäude dienen als sogenannte „Leuchttürme“. Gemeint ist damit ein Anlaufpunkt, an dem Menschen einerseits beispielsweise die Akkus lebensnotwendiger medizinischer Geräte wie Beatmungs- oder Dialysegeräte aufladen oder kühlpflichtige Medikamente lagern können. Zudem ist an den Leuchttürmen sichergestellt, dass Hilfesuchende dort selbst bei einem Ausfall des Handynetzes Notrufe absetzen können, beispielsweise über den BOS-Funk.

Tipps: Wie sollten sich private Haushalte auf einen Stromausfall vorbereiten?

• Grundsatz: Unser tägliches Leben hängt in großem Maße von Strom ab. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat Tipps gesammelt, wie man sich für den Ernstfall vorbereiten kann.

• Licht: Kerzen (samt Feuerzeug) und Taschenlampen (Ersatz für Batterien nicht vergessen oder Akku aufgeladen halten)

• Nahrung: Das BBK empfiehlt, immer mindestens einen Vorrat an Nahrungsmitteln im Haus zu haben, der drei Tage reicht. Bei einem Stromausfall ist Essen, das nicht oder nicht lange gekocht werden muss, von Vorteil. Lebensmittel, die gut bevorratet werden können, sind: Trockenfrüchte, Obst/ Gemüse/ Fleisch/ Fisch in Konserven, Trockenfleisch oder –wurst, Nüsse, Zwieback und Müsliriegel. Auf seinerHomepage www.bbk.bunde.de gibt die Behörde weitere Tipps.

• Trinkwasser: Pro Person empfiehlt das BBK 1,5 Liter pro Person und Tag vorzuhalten. Wenn man Kochen möchte, sollte man 0,5 Liter Wasser zusätzlich einplanen.

• Geld: Bargeld vorhalten, denn Geldautomaten und Kartenlesegeräte brauchen auch Strom.

• Nachrichten: Über batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio kann man Informationen der Behörden mitbekommen.

Um die Notstromaggregate betreiben zu können, braucht es Treibstoff. Die Stadt hat nach eigenen Angaben gemeinsam mit einem Tankstellenbetreiber eine Tankstelle im Stadtgebiet so umgerüstet, dass auch sie über Notstrom verfügt. Die Stadt kann daher im Notfall auf deren gesamten Treibstoffreserven zugreifen. Um den Treibstoff verteilen zu können, legte sich die Stadt zudem mobile Tankstellen zu.

Darüber hinaus hat die Stadt diverse Abwasserpumpwerke mit Notstromaggregaten ausgerüstet. Fielen diese länger aus, könnte es nämlich zu negativen Auswirkungen auf die Umwelt kommen. Die Kläranlage ist laut Stadt an sich schon weitgehend autark, was Strom anbelangt. Sie produziert aus Klärgasen die benötigte Energie.