Großflächige Blackouts sind laut Experte für Energiewirtschaft auch in Bayern denkbar

Von Samuel Stanley · 29. April 2025 um 19:00

Auf einen Schlag hat sich das Leben für Millionen Menschen geändert: Ein großflächiger Stromausfall in Spanien und Portugal sorgte am Montag zeitweise für einen Ausnahmezustand. Doch ist ein solches Szenario auch in Bayern denkbar?. Ja, sagt ein Experte der OTH Regensburg.

„Blackouts sind immer möglich, das ist generell so“, sagt Michael Sterner, Professor für Energiespeicher, Energiewirtschaft, Wasserstoff und Erneuerbare Energien an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH), im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. „Wir sind total verwöhnt mit der Stromversorgung.“ Doch auch in Bayern sei dies vorstellbar.

Angekündigte Abschaltungen nicht auszuschließen

„Wir haben eine Wechselstromversorgung“, erklärt Sterner. Dabei müsse der Verbrauch und die Erzeugung von Strom stets ausgewogen sein. Dafür gebe es täglich Prognosen, wie viel Strom die Bevölkerung und Industrie benötigt und wie viel bereitgestellt wird. Wenn diese Balance nicht mehr stimmt, „haut die Frequenz ab“, sagt Sterner. „Alles was nicht über den Handel ausgeglichen ist, wird über die Regelleistung korrigiert.“ Sie wird eingesetzt, wenn unvorhergesehene Leistungsschwankungen im Stromnetz auftreten. Sollte aber diese Regelenergie nicht ausreichen, kann es zum Stromausfall kommen.

Doch in welchen Fällen könnte es dann auch in Bayern einen Blackout geben? „Wenn große Verbraucher oder große Erzeuger ungeplant ausfallen“, sagt Sterner. Wahrscheinlicher sind aber sogenannte „Brownouts“, erklärt er, also regionale Stromausfälle. Und auch angekündigte Abschaltungen in bestimmten Regionen, wie es sie in Frankreich bereits gibt, sind nicht auszuschließen, so Sterner: „So was kann auch mal an einem Sonntagnachmittag in Bayern kommen, weil die Netzbetreiber den Solarstrom nicht mehr wegbringen.“

Mehr Speicher zu Blackout-Vermeidung nötig

Um Blackouts hierzulande zu vermeiden, würde es helfen, die Stromerzeugung kleinteiliger und dezentraler zu gestalten und mehr Speicher zu bauen, sagt Sterner. Das Stromnetz müsse ebenfalls weiter ausgebaut werden, um Schwankungen besser abzufangen – wobei Deutschland auf Grund der zentralen Lage in Europa, anders als Portugal und Spanien, bereits „super vernetzt“ ist. Und zudem würden mehr Wasserkraft, Pumpspeicher sowie Batteriespeicher beim Versorgungswiederaufbau helfen.

Lesen Sie dazu auch: Was tun bei einem Stromausfall? So reagieren Sie richtig bei einem Blackout

Doch insbesondere bei den Großspeichern gibt es in Bayern aus Sicht von Sterner Probleme. „Es gibt ausreichend Standorte und private Investoren“, sagt er. „Die brauchen keine Subventionen, aber bei der Zulassung hakt es zwischen Baurecht und Netzbetreiber.“ Ihm seien viele Fälle bekannt, in denen Netzbetreiber Anträge auf Speicher nur bewilligen, wenn das Landratsamt die Planungsreife festgestellt hat, das Amt dies aber nur macht, wenn alle Unterlagen vom Netzbetreiber vollständig vorliegen. Dies sei „bürokratischer Wahnsinn“, sagt Sterner. „Bayern bremst sich verwaltungstechnisch selbst aus.“

Sterner: AKW bei Blackout keine Hilfe

Atomkraftwerke würden bei einem Blackout hingegen nicht helfen, sagt Sterner. „Die schalten sofort ab, weil ein sicherer Betrieb nicht garantiert werden kann.“ Sie würden in einem solchen Fall frühestens einen Tag später wieder ans Netz gehen. Laut Sterner gelte jedoch: „Ein Atom- und Kohleausstieg bedeutet Speicher-Einstieg. Wind und Sonne reichen nicht, Sicherheit bekommt man nur über Speicher.“

Der Stromausfall auf der iberischen Halbinsel hängt nach Informationen von Sterner mit äußerst seltenen, starken Frequenzschwankungen zusammen, die für Bayern aufgrund der Lage in Mitteleuropa „unwahrscheinlich“ seien. Im Freistaat könne eher bei einem starken Wintereinbruch die Infrastruktur beschädigt werden, wie es in seiner Kindheit im Bayerischen Wald passiert ist, als es dort zwei Wochen lang einen Blackout gab, erzählt er.

Bundesnetzagentur „will Panik vermeiden“

Die Bundesnetzagentur gab bereits am Montag Entwarnung, was hierzulande einen ähnlichen Vorfall wie in Spanien und Portugal anbelangt. „Natürlich will die Bundesnetzagentur Panik vermeiden“, sagt Sterner dazu. „Aber natürlich kann ein Blackout passieren.“

Mehr Batteriespeicher in Bayern fordert Michael Sterner, Professor für Energiewirtschaft an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg.