Mehr als nähen, drucken und verpacken: Einblick in Werkstätten von Regens Wagner Holnstein

Wärmekissen, Wimperntusche, Gesichtscreme: Unter anderem diese Gegenstände haben die Holnsteiner Werkstätten von Regens Wagner durchlaufen, ehe wir sie benutzen. Was die circa 130 Beschäftigten dort seit 40 Jahren leisten und warum der Ort für Menschen mit Behinderung mehr als nur eine Arbeitsstätte ist, erzählen sie selbst.
Wie vielen Beschäftigten, mit denen wir uns unterhalten, macht Lydia Sippl die Arbeit in den Holnsteiner Werkstätten Spaß, wie sie sagt. Die 62-Jährige hat vor 40 Jahren in der Küche angefangen, mittlerweile arbeitet sie in der Wäscherei, in der Berge an Hosen, T-Shirts und Unterwäsche der Bewohner (200 Wohnplätze) gewaschen und sortiert werden.

Regens Wagner Holnstein feiert 40 Jahre Werkstätten
Lydia Sippl erlebte bereits die Anfänge der Werkstätten in Holnstein mit. Vor 40 Jahren wurden die Holnsteiner Werkstätten staatlich anerkannt – als erste Werkstatt von Regens Wagner in ganz Bayern.
Heute arbeiten um die 130 Menschen in den Holnsteiner Werkstätten. Die Arbeitsplätze dort sind vielfältig: Während in einem Raum Beschäftigte Körnerkissen zusammennähen, verpacken andere nebenan eine Gesichtscreme. Zudem gibt es Arbeitsplätze in der Druckerei, Montage, Metallbearbeitung oder Grünpflege.
Regens Wagner: 470 Beschäftigte in Holnstein

Das Einsatzgebiet werde individuell an die Bedürfnisse der Menschen angepasst, sagt Richard Theil, der seit 2011 Regens Wagner Holnstein leitet und dort die Verantwortung für 470 Beschäftigte trägt.
Jobcoach vermittelt Beschäftigte in den ersten Arbeitsmarkt
Eine davon ist Monika Gassner. Die 36-Jährige packt an drei Tagen in der Wäscherei an und hilft im Speisesaal in Holnstein mit. An den anderen beiden Arbeitstagen in der Woche arbeitet Gassner in einem Parsberger Kindergarten. Zuvor hat sie die Altenpfleger im Berchinger Seniorenheim unterstützt.

Gassner ist ein Beispiel dafür, wie Menschen mit Behinderung eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt finden können. Jobcoach Markus Moosburger von den Holnsteiner Werkstätten versucht, Arbeitsplätze zu vermitteln. Er informiert Firmen über Programme und Anreize, wenn sie einen Menschen mit Behinderung anstellen.
Richard Theil ist Gesamtleiter von Regens Wagner Holnstein
Gesamtleiter Theil weiß aber auch, dass der erste Arbeitsmarkt nicht für alle Beschäftigten infrage kommt. Doch auch diese Menschen brauchen eine Arbeit, die ihrem Tag Struktur und ihrem Leben Sinn gibt. Dafür leisten die Werkstätten ihren Beitrag.

Deshalb hält Theil die Werkstätten weiterhin für zeitgemäß, auch wenn es Vorurteile über „billige Arbeitskräfte“ gibt. Dieses Vorurteil entkräften jedoch Werkstattleiter Franz Hausner und Brigitte Pickl, die Vorsitzende des Werkstattrats. Vergangenes Jahr haben Beschäftigte eine finanzielle Prämie erhalten, ab 1. Mai gab es eine Lohnerhöhung, erzählen die beiden.
Doch Geld scheint bei Monika Gassner und Brigitte Pickl nicht an erster Stelle zu stehen. Zumindest reden sie viel mehr über die verschiedenen Freizeitangebote bei Regens Wagner: Qigong, Schwimmen, Basteln, Wandern, Kino, Stockschießen, Ausflüge und Feste.

Die nächste große Feier steht schon bevor: Die Beschäftigten bereiten den Tag der offenen Tür anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Werkstätten vor. Nach dem Festakt für geladene Gäste sind am Freitag, 27. Juni, ab 14 Uhr alle Interessierten eingeladen, sich einen Eindruck vom Arbeitsplatz von Sippl, Gassner und Pickl zu verschaffen. Nicht nur die drei Frauen freuen sich auf viele Gäste.
Tag der offenen Tür: 40 Jahre Holnsteiner Werkstätten
• Regens Wagner: Die Einrichtung in Holnstein bietet neben den Werkstätten unter anderem auch verschiedene Wohnformen, Tagesbetreuung nach dem Arbeitsleben, Offene Hilfen, Seelsorge und begleitende Dienste an.
• Jubiläum: Die Werkstätten feiern heuer 40. Geburtstag. Dieser wird am 27. Juni mit einem Festakt (10 Uhr), einem Mittagessen (12 Uhr) und einem Tag der offenen Tür (von 14 bis 16 Uhr) gefeiert – mit Musik, Tanz, Kunst, Führungen und Mitmachaktionen.
• Zukunft: Gesamtleiter Richard Theil freut sich auf viele Besucher und hofft auf eine rosige Zukunft. „Wir wollen auch weiterhin bedarfsgerechte Arbeitsplätze anbieten und Übergänge in den ersten Arbeitsmarkt schaffen.“