Ausverkaufter Reitstadel: Wie die letzten Proben des Neumarkter Mädchen-Chors liefen

Von Kilian Graef · 8. Mai 2025 um 16:05

Zweieinhalb Stunden üben 90 Schülerinnen der Neumarkter Mädchen-Realschule am Donnerstagmorgen Aufstellung, Einlaufen und Abgang für das große Konzert am Abend. Im Historischen Reitstadel wird der Schulchor zusammen mit der fränkischen A-capella-Band „Viva Voce“ vor 350 Besuchern weltbekannte Lieder, wie „Hallelujah“ von Leonard Cohen oder „Viva la Vida“ von Coldplay singen.

Im Historischen Reitstadel ist es am Donnerstagmorgen still. Das, obwohl gerade 90 Schülerinnen der Mädchenrealschule verteilt auf drei Blöcke auf der großen Bühne stehen. Chorleiterin Susanne Freitag beendet die Ruhe schlagartig mit einem lauten Klatschen: Das große Gewusel geht los. Kurz verliert man den Überblick, was da gerade auf dem Parkett passiert. Einen Moment später stehen die Mädchen in fünf Reihen und wären bereit, das nächste Lied anzustimmen. Doch dazu kommt es nicht.

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Die zweieinhalb Stunden im Reitstadel sind nämlich nur dazu da, die Aufstellung, das Einlaufen und den Abgang für das große Konzert am Abend zu proben. Dann wird der Schulchor zusammen mit der fränkischen A-capella-Band „Viva Voce“ vor 350 Besuchern weltbekannte Lieder wie „Hallelujah“ von Leonard Cohen oder „Viva la Vida“ von Coldplay singen. „Alle Karten gingen schulintern weg. Keine hat es in den freien Verkauf geschafft“, sagt Martin Ehrensberger, der die Konzerte mit Profisängern vor knapp 15 Jahren ins Leben gerufen hatte.

„Ich musste recherchieren“

Für die Schülerinnen ist es etwas Besonderes, mit „Viva Voce“ aufzutreten. Auch, wenn viele das fränkische Ensemble, das schon in etlichen Fernsehformaten aufgetreten ist, vorher noch nicht kannten. „Ich musste recherchieren“, gibt Mia zu, die mit 15 Jahren zu den Ältesten gehört. „Dann habe ich gesehen, wie bekannt die sind, und dachte mir, dass es krass ist, dass sie nach Neumarkt kommen, um mit uns zu singen.“

Andreas Kuch von „Viva Voce“ gibt den Schülerinnen am späten Vormittag einen Workshop. - Foto: Kilian Graef

Für die jungen Sängerinnen ist es das erste Konzert dieser Größe. „Dadurch, dass es die letzten Jahre ausgefallen ist, ist es für alle etwas Neues“, sagt Freitag. Lampenfieber haben Leonie und Conni, die mit zehn und zwölf Jahren zu den Jüngsten gehören, aber nicht. „Kurz davor ist man schon aufgeregt, aber wenn es dann los geht, bin ich entspannt“, sagt Conni, die am Tag des Auftritts ihren zwölften Geburtstag feiert. Leonie schließt sich ihr an: „Ich habe es nicht so mit Lampenfieber.“

Die Schülerinnen proben schon seit Monaten. Freitag möchte nichts dem Zufall überlassen. Alles ist exakt durchgeplant. „Chaos können wir an so einem Abend nicht brauchen“, sagt sie. Die Stücke, die die 90 Mädchen zwei-, drei-, oder sogar vierstimmig aufführen, sind nicht gerade leicht. „Vierstimmig zu singen, ist für jeden Schulchor schwer“, sagt Freitag, die den Chor zusammen mit Albert Papendieck betreut.

Keine tiefen Stimmen

Weil tiefe Stimmen fehlen, muss Freitag die Lieder anpassen. „Und wenn ich Männerstimmen brauche, dann singen Albert Papendieck und Martin Ehrensberger mit.“ Die Gemeinschaft unter den drei Lehrern ist ähnlich, wie die unter den Schülerinnen. „Wir verstehen uns richtig gut untereinander“, sagt Conni. Auch, wenn mal jemand einen Ton nicht trifft, sei das kein Problem. Die anderen zögen die Person dann mit, bis sie wieder im Takt ist. „Bei uns hat niemand Angst, nicht perfekt zu singen“, sagt Conni. Das würden ohnehin nicht mal Profis schaffen.

Nach der Stellprobe am Morgen zeigte der Beat-Boxer von „Viva Voce“, Andreas Kuch, den Schülerinnen in einem zweistündigen Workshop ein paar Tricks und ging die beiden Lieder durch, die Band und Schülerinnen am Abend gemeinsam aufführen. Vielmehr als kleine Anpassungen in der Betonung hatte der Absolvent eines Musikstudiums nicht anzumerken. Perfekte Voraussetzungen für den ausverkauften Auftritt im Historischen Reitstadel.