Polizei nach gewaltsamem Vorfall in Neumarkt: „Es gibt keine Jugend-Gangs“

Von Wolfgang Endlein · 7. Mai 2025 um 19:00

Hat Neumarkt ein Problem mit gewalttätigen Jugendlichen? Nach einer Auseinandersetzung zwischen zwei 16-Jährigen sehen das manche Neumarkter so. Es soll eine Gruppe von Jugendlichen geben, die den LGS-Park und das Umfeld des Neuen Markts unsicher macht. Die Polizei warnt davor, das Problem größer zu machen, als es aus ihrer praktischen Erfahrung ist. Wie schätzen die Jugendarbeiter der Stadt die Lage ein? Derweil hat die Polizei Neues zu einem Tatverdächtigen.

Am Montag hatte sich eine Gruppe Menschen hinter dem Neuen Markt getroffen. Sie wollte auf eine ihrer Ansicht nach Häufung von gewaltsamen Vorfällen im Umfeld des Einkaufszentrums und im LGS-Park aufmerksam machen. Jugendliche, teils mit Migrationshintergrund, sollen die Verursacher sein. Vorwürfe gegen die Polizei wurden laut, nicht genügend zu tun. Auf Facebook hatte es zuvor Diskussionen gegeben, in die sich fremdenfeindliche und gewaltbereite Töne gemischt hatten.

Von derartigen Äußerungen distanziert sich eine Mutter, die mit ihrer Familie nahe des LGS-Parks lebt. Aber auch ihr Sicherheitsgefühl sei seit einem Vorfall gestört, sagt die Frau. Die Mutter erzählt besonnen und betont zuvor: „Ich sage jetzt nicht, dass Neumarkt völlig unsicher ist.“ Aber sie erhoffe sich, dass Polizei und Stadtpolitik genau hinsehen.

Neumarkterin berichtet von Vorfall im LGS-Park

Es sei seit Jahren ein Thema, dass der LGS-Park ein Treffpunkt für Jugendliche sei und es dabei auch zu lautstarken Konfrontationen komme. „Das ist in dem Alter manchmal so. Aber wenn Kinder in die Streitigkeiten reingezogen werden, dann ist eine Grenze überschritten“, sagt die Mutter eines Neunjährigen.

Polizei zeigt PräsenzDer sei am Ostersamstag offenbar in eine Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen geraten. Einer habe ihren Sohn mutmaßlich mit einem Fahrradkettenschloss in der Hand verfolgt. „Wahrscheinlich wollte er ihn nur verjagen“, sagt die Mutter. Der Schreck habe bei ihrem Sohn aber tief gesessen.

Jener Verfolger sei Teil einer größeren Gruppe gewesen und habe ihr sowie einem anderen Jugendlichen gedroht, sie umzubringen, erzählt die Neumarkterin und weiter: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Den Vorfall habe sie bei der Polizei angezeigt. Ihrer Beobachtung nach ist die Polizei in den vergangenen Wochen im LGS-Park präsenter als zuvor. Sie wünscht sich jetzt: „Die Gemüter sollen sich beruhigen.“

Die Polizeiinspektion erklärt auf Anfrage, dass Beamte an besagten Orten regelmäßig unterwegs waren und sind. Eine Dauerpräsenz sei aber nicht möglich. Eines betont Sprecher Martin Meier angesichts der jüngsten Vorgänge: Es gebe kein generelles Problem mit Jugendlichen in Neumarkt und anderen Gemeinden. Gar den Begriff Gangs zu verwenden, wie er ab und an kursiere, sei völlig verfehlt.

Neumarkter Polizei hat Tatverdächtigen ermittelt

Was ist aber mit den Vorgängen, die mehrere Menschen für den LGS-Park und das Umfeld des Neuen Marktes berichtet haben? Es seien bekannte Treffpunkte für Jugendliche, sagt der Polizeisprecher. Dabei komme es auch zu pubertärem Gehabe. Jugendliche testeten Grenzen aus, was ab und an in der Dynamik der Gruppe ausufere. Die Polizei habe deswegen die Präsenz und den Kontrolldruck erhöht. Eines betont Meier: Vorgänge, die strafrechtliche Ermittlungsverfahren zur Folge hätten, hielten sich im sehr geringen Bereich.

Auch auf die Behauptung, die Polizei wisse um das Problem und die Täter, könne aber nichts machen, geht Meier ein. Die Polizei verfolge jede Straftat. „Nur ist es oftmals ein Unterschied zwischen Einzelwahrnehmung und dem Vorliegen relevanter Tatsachen.“

Die gibt es offenbar im Fall des Angriffs vom vergangenen Freitag. Die Polizei hat nach eigenen Angaben einen 16-Jährigen aus einer südlichen Landkreisgemeinde als Tatverdächtigen ermittelt. Die Staatsanwaltschaft habe ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.

Streetworker sehen keine generelle Gewaltproblematik bei Jugendlichen in Neumarkt

Mit Blick auf die vergangenen Tage ruft die Polizei zu mehr Zurückhaltung in den sozialen Netzen auf. In Facebook und Co. verliere die Wahrheit manchmal an Wert, sagt Meier. Digital verbreitete Behauptungen, oft einhergehend mit Fehlinformationen oder bewusster Hetze gegen Personen oder Gruppen, säten Skepsis und Angst. Sie dienten als Brandbeschleuniger, da die vermeintlichen Informationen in der Welt seien und kaum mehr korrigiert werden könnten.

Das sagen die StreetworkerIn der digitalen Welt sind auch die Mitarbeiter des städtischen Jugendamts unterwegs, wie dessen Chef, Oliver Schmidt, erklärt. Auch deswegen seien die Streetworker gut informiert. „Wir erkennen nicht, dass es eine generelle dramatische Verschlechterung in Neumarkt gibt“, sagt Schmidt. „Das heißt aber nicht, dass wir solche Vorfälle nicht ernst nehmen“, sagt er über die gewaltsame Auseinandersetzung am vergangenen Freitag.

Nach Angriff auf Jugendlichen in Neumarkt: Neues Treffen geplant

Er will den Kontakt zur Polizei suchen und mit den Streetworkern noch öfter an entsprechenden Punkten präsent sein. „Wir gehen auf die sehr unterschiedlichen jungen Menschen zu, aber nicht jeder nimmt unser Angebot an“, sagt Schmidt über die Möglichkeiten von Jugendarbeit.

Die im Zuge der letzten Tage geäußerte Kritik, das Angebot der Stadt an Jugendliche sei ausbaufähig, kommentiert der Jugendamtschef so: „Wir sind immer offen für neue Wege.“ Man dürfe gerne Bedarfe melden. Die Jugendarbeit versuche immer, sich an Bedürfnisse von Jugendlichen anzupassen.

Die Initiatorin des Treffens am Montag, Jennifer Schäfer, organisiert derweil ein weiteres Treffen am Freitagabend.