Polizei Neumarkt erklärt, warum sie trotz mehr Straftaten dennoch grundsätzlich zufrieden ist

Die Zahl der Straftaten steigt im Einsatzbereich der Polizei Neumarkt das vierte Jahr in Folge. Ist das ein Grund, um beunruhigt zu sein? Darüber und über die detaillierte Entwicklung bei Gewalt-, Rauschgift-, Diebstahls- und Betrugsdelikten gab die Inspektion Auskunft. Am Freitag stellten die Beamten die Kriminalstatistik 2024 vor.
2931 Straftaten zählten die Polizisten im Bereich der Inspektion, zu der neben Neumarkt elf weitere Gemeinden im Landkreis gehören. Das sind 183 Straftaten mehr als im Jahr 2023 und 500 mehr als noch 2021. Beunruhigt sind die Verantwortlichen deswegen nicht.
Zum einen war 2021 ein Ausnahmejahr, in dem Corona und der Lockdown die Zahlen beeinflussten. Zum anderen geht der Anstieg, den Pressesprecher Martin Meier als konstant aber im minimalen Bereich bezeichnet, mit einem Bevölkerungswachstum im Landkreis einher. Inzwischen nähert sich die Einwohnerzahl der Marke von 140 000. Im Einsatzbereich der Inspektion Neumarkt sind es fast 105 000.
Polizei: Im Landkreis Neumarkt lebt es sich sicher
Hinzukommt, dass der Vergleich mit Bayern bzw. der Oberpfalz nach wie vor sehr günstig für Neumarkt ausfällt. Bei der Häufigkeitszahl, die berechnet, wie viele polizeilich bekannte Straftaten auf 100 000 Menschen kommen, liegt Neumarkt und Umland (2797 Fälle) deutlich unter dem Niveau des Freistaats (4635) und der Oberpfalz (4218).
„Im Landkreis Neumarkt leben, heißt sicher leben“, erklärt Alois Breinbauer, der stellvertretende Inspektionsleiter. Ein Fazit, das seit Jahren zu hören ist. Als Grund dafür macht die Polizei die ländliche Struktur des Landkreises ohne große soziale Brennpunkte und die wirtschaftlich gute Lage mit hoher Beschäftigungsquote verantwortlich.
Die mehrjährige Tendenz ist demnach grundsätzlich eher positiv. Im Blick auf das einzelne Jahr gibt es aber sehr wohl auch Entwicklungen, die negativ auffallen. 2024 stieg die Zahl der Körperverletzungen um 81 Fälle. Einen handfesten Grund dafür kann die Polizei nicht nennen. Das Gefühl der Beamten: Im Anstieg bilde sich ein zunehmend raueres gesellschaftliches Klima ab. Das Positive im Negativen ist die hohe Aufklärungsquote von 97 Prozent bei derartigen Fällen.
Betrug im Internet nimmt immer mehr zu
Einen Anstieg der Fälle verzeichnet die Polizei auch bei den Ladendiebstählen, die mit 213 so hoch wie seit 2015 nicht mehr waren. Generell machen die Diebstähle den größten Anteil an allen Straftaten aus (904, 30,8 Prozent). Ein weiterer Bereich, der wächst, sind die Betrugsfälle im Internet (344). Die Ermittlungsarbeit ist schwierig und langwierig, weil die Betrüger meist weit entfernt sitzen. Deswegen werden viele Fälle aus Neumarkt Teil größerer Ermittlungen von Spezialisten andernorts.
Es gibt aber auch positive Entwicklungen. So sind 2024 weniger Fahrräder gestohlen worden (169 statt 202). Der Rückgang der Wohnungseinbrüche, deren Anstieg in den Jahren 2015 (71) und 2016 (66) besorgt hatte, geht ebenso weiter. 2024 waren es 15, die teils auch beim Versuch blieben.
Die Präventionsarbeit der Polizei habe ein größeres Bewusstsein für Einbruchschutz an Türen und Fenstern gefördert, sagt Meier. Zudem seien die Menschen sensibilisiert, auf verdächtige Geschehnisse zu achten. Zu guter Letzt wirke eine harte Strafverfolgung mit entsprechenden Urteilen abschreckend.
Kokainschwemme: Polizei in Neumarkt ist mit einer Arbeitsgruppe Rauschgift gewappnet
Eine vermeintlich positive Entwicklung gibt es auch beim Rauschgift. 35 Prozent weniger Straftaten verzeichnete die Polizei, was Breinbauer auf den teilweise legalisierten Besitz und Konsum von Cannabis zurückführt. „Wir hätten uns aber noch mehr erwartet“, sagt er. „Es ist erschreckend, dass es immer noch so viele Rauschgiftdelikte sind.“ 108 zählte die Polizei Neumarkt im Jahr 2024.
Und das sind die, die den Polizisten bekannt sind. Hinter dem Hellbereich, wie ihn die Polizei nennt, liegt ein dunkler. „Im Verborgenen läuft vieles ab“, sagt Alois Breinbauer. Den Gang zum Dealer ersetzt zunehmend der Einkauf im Internet. Die Drogen kommen per Post.
Die Kokainschwemme, die aktuell deutschlandweit in den Schlagzeilen ist, werde sich auch in Neumarkt bemerkbar machen, sagt der Erste Polizeihauptkommissar, dessen Inspektion eine eigene Arbeitsgruppe Rauschgift hat. „Wir sind nicht hilflos, aber es braucht viel Energie.“