Alle drei Stunden eine Straftat, fast sieben Unfälle am Tag: Polizei Neumarkt zieht Bilanz

Von Petra Schlierf · 29. März 2024 um 10:14

Mehr Unfälle und mehr geklaute Räder – bei der Polizei Neumarkt wird es den rund 80 Beamten so schnell nicht langweilig. Warum die Zahlen in einigen Bereichen steigen und warum das gar nicht unbedingt unerfreulich sein muss, hat die Neumarkter Polizeiführung im Rahmen des Sicherheitsberichts 2023 erklärt.

Über die Arbeit des vergangenen Jahres haben Dienststellenleiter Wolfgang Schüler und Martin Meier, Leiter des Sachbereichs Einsatz, im Sicherheitsbericht 2023 informiert.

2748 Straftaten verzeichnet die Statistik für das Jahr 2023 im Dienstbereich der Polizei Neumarkt, der etwa den halben Landkreis Neumarkt mit zwölf Städten und Gemeinden umfasst. Das sind gut 200 mehr als im Jahr zuvor. Es handelt sich dabei allerdings lediglich um polizeibekannte Taten, bei denen die Ermittlungen auch 2023 abgeschlossen wurden. Neumarkt liegt damit, hochgerechnet auf die Einwohnerzahl, weit unter dem Oberpfälzer und dem bayerischen Durchschnitt. Die sicherste Landgemeinde war vergangenes Jahr Berngau, am meisten Straftaten gab es – außer in Neumarkt – in Berg.

Aufklärungsquote schwankt je nach Deliktsfeld

62 Prozent der Straftaten konnten die Polizisten aufklären, wobei die Werte je nach Deliktart sehr unterschiedlich ausfallen: bei Kapitaldelikten extrem hoch, bei Diebstählen relativ niedrig. Bemerkenswert allerdings, so Polizeichef Schüler: „Jede neunte Straftat, die wir geklärt haben, ist unter Alkoholeinfluss erfolgt.“

98 Fälle von Gewaltkriminalität gingen in die Statistik ein – Taten, die die Menschen oft am meisten erschüttern. Der Großteil waren gefährliche und schwere Körperverletzungen (83), aber auch zehn Raubdelikte gab es. Auch die blutige Auseinandersetzung auf einem Anwesen bei Lauterhofen zwischen Vater und Sohn im August gehört zu diesen Fällen. Der 70-Jährige starb nach der Tat, bei der er schwere Stichverletzungen erlitten hatte.

Über 200 Fahrräder im Jahr gestohlen

894 Diebstähle gab es vergangenes Jahr, 156 mehr als noch 2022. Damit machen diese Delikte rund ein Drittel aller Straftaten aus, mit der des die Neumarkter Polizisten zu tun hatten. Zwar keine Schwerkriminalität, aber trotzdem alles andere als erfreulich, meinte Martin Meier. Allerdings lasse sich der hohe Wert auch leicht erklären: „Es sind vor allem viele Fahrrad-Diebstähle dabei. Mehr als 200 waren es 2023, der zweithöchste Wert im Zehn-Jahres-Vergleich.“

Woran das liegt? Dafür gebe es mehrere Gründe, so Meier. Einer sei, dass schlichtweg immer mehr Menschen mit dem Rad unterwegs seien. Kriminelle Banden, die in einer Nacht gleich mehrere Räder stehlen, seien aber kein erkennbarer Faktor: „Wir finden nämlich auch viele Räder wieder. Die werden vermutlich aus Bequemlichkeit irgendwo mitgenommen, weil die Leute nicht laufen wollen, und dann wieder zurückgelassen.“

In solchen und anderen Fällen, bei denen kein oder nur ganz geringer Schaden entstanden ist, sei nach Einschätzung der Beamten auch die Hemmschwelle der Bürger gesunken, Anzeige zu erstatten – etwas, das sie durchaus begrüßen.

Viele Einbrecher scheitern beim Versuch

22 Wohnungseinbrüche führt die Statistik an. „Allerdings blieben 16 davon im Versuchsstadium stecken“, betonte Martin Meier. Auf diesen Wert sei man stolz, lagen die Zahlen doch vor einigen Jahren noch bei einem Vielfachen davon. Der starke Rückgang zeige, dass polizeiliche Aufklärung, aber auch bauliche und technische Präventionsmaßnahmen der Bürger, zum Beispiel an Fenstern und Türen, Einbrechern die Arbeit durchaus vermiesen.

178 Mal häufiger als im Jahr zuvor hat es 2023 auf den Straßen in und um Neumarkt gekracht. Insgesamt summiert sich die Zahl der Unfälle damit auf 2511. Unfälle auf der Autobahn sind dabei nicht mit erfasst.

Erfreulicherweise, so Polizeichef Wolfgang Schüler, kam das Plus aber nicht bei den wirklich schweren Verkehrsunfällen mit Verletzten oder Toten zum Tragen, sondern vor allem bei den Sachschäden (insgesamt 514) und Kleinunfällen (1648), zu denen auch die Wildunfälle gehören.

Häufig Alkohol oder zu schnelles Fahren im Spiel

410 Menschen verunglückten auf Neumarkts Straßen. Sechs Menschen starben, darunter ein Fußgänger, ein Radfahrer und ein Motorradfahrer. Einen höheren Wert gab es in den vergangenen zehn Jahren nur ein einziges Mal: 2015 waren es sogar zehn Menschen. 455 Menschen wurden verletzt, davon 82 schwer.

82 Mal waren Alkohol oder zu schnelles Fahren die Ursache von Unfällen. Und oft gehen solche Crashs nicht harmlos aus: Drei Menschen starben wegen Alkohol am Steuer oder zu schnellem Fahren, 46 wurden verletzt.