Wenn jede Sekunde zählt: So gehen Regensburgs Retter mit dem Baustellen-Chaos um

Es scheint der Frühling der Baustellen in Regensburg zu sein: An allen Ecken und Enden der Stadt wird gewerkelt. Die Gesandtenstraße ist noch sechs Wochen gesperrt. Die Arbeiten in der Maxstraße dauern bis Ende Mai. All das führt zu Umwegen für Autofahrer. Aber was ist eigentlich mit den Menschen, für die jede Sekunde zählt – wie gehen Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste mit den Baustellen um?
Am Samstagabend wurde es fast brenzlig. Ein Anwohner am Bismarckplatz vergaß das Essen auf dem Herd, die Feuerwehr rückte an – konnte aber aufgrund der Sperre nicht in die Gesandtenstraße fahren. Die Stadt bestätigt den Einsatz auf MZ-Anfrage. Der Anwohner hatte Glück im Unglück: Die Feuerwehr musste nicht weiter eingreifen. Aber was ist, wenn es wirklich brennt – die Retter aber nicht an der Absperrung vorbeikommen? Die Situation sei bekannt, sagt Stadt-Sprecherin Katrin Butz. Die Berufsfeuerwehr überprüfe die Situation regelmäßig. Das Ergebnis: Die Retter kommen überall durch. Butz betont: „Alle Adressen sind durch die Feuerwehr erreichbar.“
Polizei zu Baustellen in Regensburg: „Im Zweifel müssen wir den Wagen halt stehen lassen“
Und die anderen Mitglieder der Blaulichtfamilie? Die Polizei wird vor Baustellen in die Umleitungskonzepte eingebunden, sagt Sprecher Tobias Spangler von der Polizeiinspektion Regensburg Süd. Zum einen für eine Bewertung der allgemeinen Verkehrssituation – zum anderen aber auch für eigene Einsätze. Für die Beamten seien die Baustellen kein größeres Problem, sagt Spangler. Die Autos seien schmal genug, um durch die Gassen zu fahren – die meisten Gassen zumindest. „Im Zweifel müssen wir den Wagen halt stehen lassen und zu Fuß zum Einsatz laufen.“ Das sei allerdings nichts Ungewöhnliches, betont Spangler mit Blick auf die Gegebenheiten in der Altstadt. Zugespitzt formuliert: Wird das Kuhgässel zum Schauplatz eines Verbrechens, kommt man mit einem fahrbaren Untersatz nicht weit. Aber zurück zu den Baustellen: Auf die bereitet sich die Polizei auch intern vor. „Jede Schicht wird informiert.“
Für den Rettungsdienst RKT stellen die Baustellen eine zusätzliche Belastung dar, sagt Pressesprecher Konstantin Steinhauser. „Für die Fahrer ist das schon mehr Stress.“ Die Sanka passten zwar durch die Gassen, aber: „Es wird schon unübersichtlicher.“ Grundsätzlich gelte: „Je enger es wird, desto größer ist die Gefahr, dass unvermittelt ein Radler aus einer kreuzenden Gasse schießt.“ Aber auch ohne die Baustellen seien Einsätze in der Altstadt stets schwierig. Ein Problem sind beispielsweise Touristen: „Die gehen natürlich schon zur Seite.“ Oft dauere das allerdings einen Moment. In Drucksituationen, wie bei der Fahrt zu einem Kranken, sei das selbstverständlich ein weiterer Stressfaktor.
Baustellen auch außerhalb von Regensburg: Jetzt hilft nur noch Pragmatismus
Dabei seien nicht nur Baustellen in Regensburg ein Problem, sagt RKT-Sprecher Steinhauser. Durch die Sperre der A93 sei mehr Verkehr auf der B16. Auch das bedeutet mehr Stress für die Einsatzkräfte. Die Fahrer reagieren pragmatisch, sagt Steinhauser. „Sie informieren einander über mögliche Hindernisse.“

Neben Pragmatismus schadet eine Prise Gelassenheit auch nicht. „Wir sind Baustellen gewohnt“, sagt etwa Korbinian Oswald, Rettungsdienstleiter der Johanniter. Die Rettungswagen seien trotz ihrer fünf Tonnen Gewicht wendig genug. „Und wenn es wirklich ist, steigen wir aus und gehen die letzten Meter zu Fuß. Wir sind da sehr pragmatisch.“ Grundsätzlich achte die Integrierte Leitstelle bei Einsätzen darauf, einen Wagen zu schicken, der schnellstmöglich vor Ort ist. Bei Baustellen könne es da schon mal passieren, dass die Zuständigkeit wechselt, sagt Oswald. „Die Versorgung ist also definitiv nicht gefährdet.“
Baustellen sind für den Rettungsdienst ganz normal
Bei den Maltesern flimmern die aktuellen Baustellen in der Rettungswache über die Bildschirme, sagt Pressesprecherin Sarah Nerb. „Wir informieren uns natürlich rechtzeitig über die Einschränkungen.“ Generell stellen die Baustellen für die Retter allerdings kein allzu großes Problem dar.

Auch BRK-Sprecherin Melanie Kopp betont: „Baustellen und Verkehrsbehinderungen begleiten uns generell immer wieder bei unserer Arbeit im Rettungsdienst des BRK und gehören somit ein Stück weit auch zum Business unserer Organisation.“ Zum einen informiere man sich über die Baustellen – zum anderen werden die Kräfte aber auch geschult, um mit den Situationen professionell umzugehen. „Hierzu werden sie beispielsweise einer Ortskenntnis-Prüfung unterzogen und können auch ohne Navigationsgeräte schnell und zuverlässig agieren.“