Freiluftfeten in Regensburg: Manche schlagen über die Stränge

Von Heike Haala · 4. Mai 2025 um 19:00

Manche Regensburger lockten schon die ersten Sonnenstrahlen auf einen Drink ins Freie. Andere packten den Partyrucksack erst nach der Zeitumstellung, als es abends länger hell blieb. Spätestens seit dem langen Wochenende mit einem Brückentag aber hat die Saison für die Freiluftfeten definitiv begonnen – mit aller Freude und allem Ärger, der dazugehört.

Am Freitagabend hatten es sich etwa Hannes Posset, Philipp Raab und Peter Ruider am Donauufer bei der Steinernen Brücke mit ein paar Drinks gemütlich gemacht. Sie schätzen diese Treffen, weil sie spontan sind, sie so nicht erst lange nach einem Platz suchen müssen und weil die Altstadt ein schöner Platz dafür ist, erzählen sie. Auf den Lärm und den Müll angesprochen, den manche der Feiernden verursachen, sagen sie, dass es ihnen wichtig ist, dass diese Treffen im Rahmen bleiben. Alkohol gehöre für sie nicht unbedingt dazu, sie seien nicht in zu großen Gruppen unterwegs und nehmen ihren Müll anschließend wieder mit. „Weil es so schön ist in der Altstadt, muss man auch dafür Sorge tragen, dass es so bleibt“, fordert Ruider.

Weil es so schön ist in der Altstadt, muss man auch dafür Sorge tragen, dass es so bleibt“

Peter Ruider, saß am Freitagabend am Donauufer

Dass sich nicht alle Feiernden so vernünftig verhalten, bekommen die Polizei und die Mitarbeiter der Stadt regelmäßig zu spüren. Immerhin: Die Zahl der Ruhestörungen ging zuletzt zurück, wie Markus Reitmeier, Pressesprecher der Polizeiinspektion Süd, Auskunft gibt. Waren es in 2022 noch 1983 Einsätze dieser Art, kam es ein Jahr später noch zu 1903 davon. Im vergangenen Jahr musste die Polizei 1640 mal ausrücken, weil Menschen zu laut warten.

Auch das Donauufer ist ein beliebter Treffpunkt. - Foto: Heike Haala

Zu möglichen Einsatzgründen wegen Feiern im Freien gehören laut Reitmeier aber auch Streitigkeiten, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen. Beim Kommunalen Ordnungsservice (KOS) gelten laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, die Grillplätze im Aberdeen- und im Donaupark als Beschwerde-Hotspots.

Als Polizei wünschen wir uns friedliche Feiern ohne übermäßigen Alkoholkonsum“

Markus Reitmeier, Pressesprecher der Polizeiinspektion Süd

Der Großteil der privaten Feiern im Freien findet Reitmeiers Einschätzung nach in den heimischen Gärten, auf Dachterrassen und Balkonen verteilt über das ganze Stadtgebiet statt. Im öffentlichen Raum seien solche Zusammenkünfte etwa im Stadtpark und im Donaupark festzustellen. Bei der Stadt gelten zudem der Aberdeen-Park, die Jahninsel, die Fürst-Anselm-Allee, der Brückenbasar sowie der Bismarckplatz, der Vier-Eimer-Platz und der Haidplatz als beliebte Treffpunkte für Feiernde.

Die Stadt hat mehr Mültonnen aufgestellt. - Foto: Heike Haala

Rund 110 Mitarbeiter sind laut von Roenne-Styra bei der Stadt unter der Woche im Einsatz, um den Müll, der auch bei den Feiern im öffentlichen Raum entsteht, wieder wegzuräumen. An den Wochenenden kümmern sich immerhin noch zwölf Mitarbeiter um eine grobe Sichtreinigung der Hotspots. Insgesamt räumten sie dabei im vergangenen Jahr während 14 000 Arbeitsstunden 160 Tonnen Müll von den Grünflächen. 2023 waren es noch 144 Tonnen und ein Jahr zuvor 162 Tonnen, zählt die Pressesprecherin auf.

Es gibt spezielle Behälter für Pizzakartons - Foto: Heike Haala

„Als Polizei wünschen wir uns friedliche Feiern ohne übermäßigen Alkoholkonsum“, sagt Reitmeier. Von den Feiernden erhofft er sich vor allem Rücksichtnahme auf ihre Umgebung, dass sie die Grünanlagensatzung der Stadt Regensburg sowie die Nachtruhe beachten und, dass der Müll wieder beseitigt wird. Den Wunsch nach respektvollem Umgang mit der Umwelt und den Mitmenschen äußert auch von Roenne-Styra.

95 Prozent davon benehmen sich“

Gisbert Waldhorst, Anwohner

Dass es reicht, wenn nur wenige der Feiernden diesem Wunsch nicht nachkommen, weiß Anwohner Gisbert Waldhorst. Deswegen wird er im Laufe dieser Woche die Blumentöpfe vor seinem Haus wieder wegräumen: Denn am Freitag beginnt die Dult. Wenn die Festzelte dort schließen, zieht es viele der Gäste noch in die Stadt. „95 Prozent davon benehmen sich“, sagt er. Und die restlichen fünf Prozent? „Sie schreien, kotzen, hinterlassen Scherben oder reißen auch schon einmal Pflanzen aus“, sagt Waldhorst. Es mache keinen Sinn mit Besoffenen zu diskutieren, erklärt er, weswegen er mit Skepsis auf die nächsten Wochen blickt.