Regensburger Jahninsel: Ein Schild löst die Konfliktmanager ab

Die städtischen Konfliktmanager der „Nachtschicht“ in Regensburg hörten 2022 oft: Viele, die auf der Jahninsel feiern, kennen die Regeln dort nicht. Abhilfe sollen jetzt Schilder schaffen.
Aus Sicht der Stadt haben die Konfliktmanager von der „Nachtschicht“ auf der Jahninsel und dem Grieser Spitz ihre Arbeit im Vorjahr so ordentlich erledigt, dass sie jetzt weiterwandern können auf die andere Donauseite. Das kündigten die Bürgermeister Astrid Freudenstein (CSU) und Ludwig Artinger (Freie Wähler) am Mittwoch an. In ihrem bisherigen Haupt-Einsatzgebiet sollen nun Schilder für weniger Lärm und Müll sorgen.
Nachtschicht führte fast 600 Gespräche
Die jungen Honorarkräfte von der Nachtschicht waren 2022 von Juli bis September vor allem auf der Jahninsel, am Grieser Spitz und an der Donau unterwegs, bei gutem Wetter zwischen Donnerstag und Samstag. Ziel war, dass sie locker ins Gespräch kommen mit den Menschen dort, erfahren, was sie sich wünschen – etwa mehr Toiletten oder Mülleimer – und dass nebenbei auch Thema ist, was andere brauchen: etwa ihre Nachtruhe. Jakob Pfreimer vom Amt für Kommunale Jugendarbeit berichtete: „In den Gesprächen kommt man automatisch auf Themen wie Ruhestörung.“ Fast 600 Gespräche hätten die Honorarkräfte 2022 geführt, damit mehr als 1900 Leute erreicht. Laut Freudenstein war eine der häufigsten Rückmeldungen: „Wir wissen ja gar nicht, was erlaubt ist, und was nicht.“
Jetzt soll sich keiner mehr rausreden können. Auf dem Schild neben der Treppe runter auf die Insel heißt es unter dem Gruß „Willkommen auf der Jahninsel“ und der Ermahnung „Damit sich hier alle wohlfühlen, haltet euch bitte an ein paar einfache Regeln“ unter vier Piktogrammen: „Keine Musik ab 22 Uhr“, „Nehmt Rücksicht auf die Nachbarn“, „Hunde sind an der Leine zu führen“ und „Abfall gehört in den vorhergesehenen Behälter“. QR-Codes führen zu einer Karte mit den Toilettenanlagen in der Nähe und Ausführungen in anderen Sprachen. Ein weiteres Schild soll bald der Grieser Spitz bekommen.
Waren die Honorarkräfte erfolgreich?
In der Frage, ob die Mitarbeiter der städtischen Nachtschicht im vergangenen Jahr tatsächlich für mehr Ruhe und Ordnung auf der Jahninsel und dem Grieser Spitz sorgten, gehen die Meinungen weit auseinander. So nennt etwa Liselotte Kunz (69) aus Stadtamhof den Sommer 2022 einen „Albtraum“: „Es war, wie wenn ich in der Disco oder auf der Dult wohnen würde.“ Stefanie Eckl (49), die am Gries wohnt, erzählt dagegen: Sie könne nicht sagen, ob lauter oder leiser gefeiert werde: „Mich stört das einfach nicht.“
Von Stadt und Polizei heißt es, messen lasse sich der Erfolg des Projekts nicht. Umwelt-Bürgermeister Artinger spricht von weniger Müll. Sozial-Bürgermeisterin Freudenstein verweist auf die Einschätzung der Polizei, „dass es letztes Jahr nicht mehr so schlimm war“. Wolfgang Fritsch, Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg-Nord, bestätigt: Die Polizei habe den Eindruck, die nächtliche Lage habe sich „beruhigt“. 2022 sei die Einsatzlast um einen niedrigen zweistelligen Prozentbereich zurückgegangen. Meist war der Einsatzanlass Ruhestörung.
Die Zweier-Teams der Nachtschicht jedenfalls sind ab heute wieder im Einsatz, ihr neuer Schwerpunkt: die Plätze der Regensburger Innenstadt.