Angeklagter begeht Suizid: Mordprozess um tote Bestatterin abgesetzt

Der Mordprozess vor dem Schwurgericht in Amberg um den Tod einer 19-Jährigen, deren Leiche im Mai 2024 in einer Tiefgarage in Regensburg im Kofferraum ihres Opel Corsa entdeckt worden war, ist abgesetzt worden. Der Angeklagte Thomas B. hat sich in der JVA Amberg das Leben genommen.
Es hat sich bereits ein großer Medienpulk vor dem Zugang zum Amberger Schwurgerichtssaal versammelt, als am Freitagmorgen um kurz vor halb neun Uhr die Nachricht durchdringt, dass der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 19-jährigen Bestatterin Marie abgesagt wurde. Kurz darauf bestätigt Gerichtssprecher Uli Hübner: „Der Angeklagte hat sich in seiner Haftzelle suizidiert.“
Beamte der Justizvollzugsanstalt in der Werner-von-Siemens-Straße hatten den 56-Jährigen um 7.12 Uhr tot in seiner Zelle gefunden. Weitere Informationen will das Amberger Landgericht zunächst nicht geben. Auch nicht zu den näheren Umständen des Todes. Zuständig ist nun wieder die Staatsanwaltschaft, die auch im Fall der Toten aus der Tiefgarage, zu dem das Schwurgericht eigentlich ab heute hätte verhandelt wollen, Anklage gegen den Mann erhoben hatte.
Todesermittlungen: Kripo ist in der JVA in Amberg
Nach Informationen der Mediengruppe Bayern haben Beamte der Kriminalpolizei in Amberg nun erneut übernommen. Sie hatten mit Regensburger Kollegen auch zur getöteten Bestatterin ermittelt. Die 19-Jährige war am 4. Mai 2024 tot in einer Tiefgarage in Regensburg gefunden worden. Früh fokussierten sich die Mordermittler auf den Ex-Freund. Blutspuren im Haus und in der Garage des 56-Jährigen brachten ihn in U-Haft. Nachdem der Tatort in Maxhütte-Haidhof (Lkr. Schwandorf) lag, gab Regensburg das Verfahren an die Amberger Staatsanwaltschaft ab.
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Bei genau dieser Behörde läuft nun, wie auch bei Todesfällen in einer JVA üblich, ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren an, bei dem die Umstände genauer überprüft werden. Das bestätigte am späten Vormittag auch der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Carsten Reichel. „Dessen Ausgang bleibt abzuwarten“, betonte er. Weitere Angaben könnten daher momentan nicht gemacht werden. Ermittler des Kriminaldauerdienstes, in der Vilsstadt das Kommissariat 8, untersuchen den Tatort in der JVA.
Das warf die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor
24 Verhandlungstage bis Ende Juli waren angesetzt, um das Verbrechen an einer jungen Frau aufzuklären. Dem Angeklagten warf die Staatsanwaltschaft vor, dass er es nicht verkraften konnte, dass sich das Opfer von ihm getrennt hatte. Er habe mit aller Gewalt sein Lebensglück aufrechterhalten wollen. Als ihm die 19-Jährige, die bereits in einer neuen Beziehung war, unmissverständlich erklärte, dass sie nicht zu ihm zurückkehren werde, soll der Bestatter sie vor fast genau einem Jahr mit einem Gegenstand niedergeschlagen und anschließend in seinem Haus in Maxhütte-Haidhof erwürgt haben.
Todesnachricht kam auch für Anwälte überraschend
Gegenüber den Ermittlern hatte der Tatverdächtige das Verbrechen nie eingeräumt. Seine Anwälte ließen im Vorfeld des Prozesses offen, ob sich ihr Mandant womöglich vor Gericht äußern werde. Die drei Verteidiger Dr. Christian Meisl, Helmut Mörtl und Christian Reiser wurden von der Todesnachricht unmittelbar vor dem Gerichtsgebäude selbst überrascht. Ebenso wie Angehörige und auch Freunde des Opfers, die dort bereits auf Einlass gewartet hatten.
Im Vorfeld des Mordprozesses hatten die Nebenklagevertreter Claudia Schenk und Robert Hankowetz zur Mediengruppe Bayern gesagt, dass es der Familie der 19-Jährigen darum gehe, Antworten zu erhalten. Man werde das Verfahren verfolgen, um Aufklärung zu erhalten, „was damals passiert ist“. Nun wird die Familie wohl damit leben müssen, dass Thomas B. die wahren Gründe für die angeklagte Tat mit ins Grab nimmt.
„Dass es nun doch keine finale Aufklärung mehr geben wird, bedauern wir sehr.
Robert Hankowetz, Anwalt des Vaters der Toten
Für die Justizvollzugsanstalt in Amberg wird der Suizid des Angeklagten weniger als zwei Stunden vor Prozessbeginn eine Untersuchung nach sich ziehen. Dabei dürfte es auch um die Frage gehen, ob die Sicherungsmaßnahmen womöglich nicht ausreichend waren, um einen solchen Vorfall zu verhindern.
In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen oder Suizidversuche - außer die Tat erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Sollten Sie selbst das Gefühl haben, dass Sie Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800/111-0111 oder 0800/111-0222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können. Weitere Hilfsangebote gibt es beim Krisendienst Bayern unter der Telefonnummer 0800/655-3000 sowie der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.