Tote Bestatterin (19) in Regensburg: Offenbart Anklage gegen 56-Jährigen zweiten Mordplan?

In wenigen Tagen startet der Mordprozess gegen einen 56-jährigen Bestatter, der seine 19-jährige Ex-Freundin und Arbeitskollegin getötet haben soll. Dabei dürfte auch ein von Ermittlern bislang geheim gehaltener Verdacht zur Sprache kommen: Es könnte nicht das erste Mal gewesen sein, dass der Angeklagte töten wollte. Es geht um die Ex-Frau des Mannes, ein Stromaggregat und ein Kabel.
Am Freitag startet das Mammutverfahren vor dem Amberger Schwurgericht, für das Vorsitzende Richterin Elke Escher 24 Verhandlungstage bis Ende Juli angesetzt hat. Nach aktueller Planung könnte das Urteil laut Gerichtssprecher Uli Hübner spätestens am 31. Juli fallen.
Dem 56-Jährigen wird vorgeworfen, seine Ex-Lebensgefährtin am Abend des 3. Mai 2024 in seinem Haus in Maxhütte-Haidhof von hinten attackiert und so lange stranguliert zu haben, bis die junge Frau tot war. Es sollte, so die Überzeugung der Ermittler, das letzte klärende Gespräch zwischen dem einstigen Paar sein.
Von der Abschlussfeier direkt zum Ex gefahren
Nur wenige Stunden zuvor hatte die 19-Jährige ihr Abschlusszeugnis als Bestatterin mit sehr guten Noten in Händen gehalten. Von der Feier machte sie sich auf den Weg zum Haus ihres Ex, um noch einmal mit dem Mann zu reden, mit dem sie rund eineinhalb Jahre zusammen war. Und um ihm die Endgültigkeit der Trennung klarzumachen. Einige Wochen zuvor hatte sie ihre Sachen aus dessen Haus geräumt.
Den Ermittlungen zufolge soll der Angeklagte bei dem letzten Treffen versucht haben, die 19-Jährige zurückzugewinnen. Was er offenbar zuvor mehrfach auch über Dritte versucht haben soll. Doch die junge Frau hatte bereits einen neuen Freund, von dem der 56-Jährige wohl auch wusste. Als sie sich im Flur zum Gehen von ihm abwandte, soll er die arglose Frau von hinten niedergeschlagen haben.

Eine Tat im Affekt schließen Kripo und Staatsanwaltschaft aus. Vielmehr soll der Mann bereits beim ersten Schlag das Ziel gehabt haben, die junge Frau zu töten. So wie er es womöglich auch bei der Ex-Frau plante? Das steht zumindest in der Anklage gegen den Mann.
Die inzwischen geschiedene Ehefrau soll nach der Trennung im Jahr 2022, als sich der 56-Jährige schon der Kollegin zugewandt hatte, wohl nicht schnell genug ausgezogen sein. Daher soll er geplant haben, sie per Stromschlag zu töten. Google-Recherchen scheinen den Verdacht offenbar zu erhärten. Das Kabel, dass er ihr an den Rücken gehalten haben soll, war an ein Aggregat angeschlossen. Doch der mutmaßliche Mordplan ging nicht auf: Die Ex-Frau blieb unverletzt, zeigte die Tat aber nicht an.
Mögliche Strom-Attacke bislang nicht angeklagt
Der Vorfall wird in der Anklageschrift zwar mit aufgeführt, allerdings ohne rechtliche Folgen – er ist damit nicht Teil der Vorwürfe, um die es ab 2. Mai vor Gericht gehen wird. Heißt: Nur für den angeklagten Mord an der 19-Jährigen muss der 56-Jährige sich in Amberg bislang verantworten.
Nach Recherchen der Mediengruppe Bayern soll Ermittlern die mögliche Strom-Attacke gegen die Ex-Frau erst durch Dritte bekannt geworden sein. Allerdings dürfte das ein Bild vom Angeklagten zeichnen, das der Amberger Staatsanwaltschaft wichtig zu sein scheint.
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Fakt ist: Schon am Tag nach der angeklagten Tat vom Mai 2024 war die Polizei ihm auf den Fersen. Nur Stunden nach dem Fund der Leiche in Regensburg rückten Ermittler zu einer Hausdurchsuchung an. Im Hausflur in Maxhütte-Haidhof (Landkreis Schwandorf), in der Garage und wohl auch am jetzt Angeklagten selbst sollen dabei Blutspuren sichergestellt worden sein – sie stammten laut DNA-Auswertung vom Opfer.

Der 56-Jährige soll die Tote in den Kofferraum ihres blauen Opel Corsa gepackt und das Auto dann in der Tiefgarage eines Baumarktes an der Frankenstraße in Regensburg abgestellt haben. Ein naher Angehöriger wurde nach dem Fund des Wagens benachrichtigt und war vor Ort, als die Polizei die Leiche im Kofferraum entdeckte. Einen Tag später, spätabends, kam Peter B. wegen dringenden Tatverdachts dann in U-Haft.
Mein Mandant will Aufklärung, was damals warum passiert ist – das erhofft er sich zumindest.
Rechtsanwalt Robert Hankowetz
Die Amberger Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass der Bestatter sein persönliches Lebensglück mit der jungen Frau bedroht sah. Die Trennung sei demnach das alleinige Motiv für den Mord gewesen. Vor Gericht werden dazu rund 50 Zeugen aussagen; zudem kommen zehn Sachverständige zu Wort.
Die Eltern der Toten sind im Prozess als Nebenkläger zugelassen. Deren Anwälte, Claudia Schenk und Robert Hankowetz aus Regensburg, bestätigten das. Der Vater werde den Prozess komplett verfolgen. „Mein Mandant will Aufklärung, was damals warum passiert ist – das erhofft er sich zumindest“, sagte Rechtsanwalt Hankowetz.
Verteidiger des Mannes äußern sich nicht
Der Angeklagte selbst wird von den drei Regensburger Strafverteidigern Dr. Christian Meisl, Helmut Mörtl und Christian Reiser vertreten. „Wir werden uns vor Prozessstart nicht zu Details äußern“, teilten sie auf aktuelle Nachfrage mit. Ob sich ihr Mandant vor Gericht doch noch zur Sache einlassen will, ließen die Anwälte ebenfalls offen. Jede Beteiligung am Tod der jungen Frau soll er bislang bestritten haben.
Das Opfer der Tat, das ihren Beruf als Bestatterin mit großer Leidenschaft lebte, wurde in ihrem Heimatort im Landkreis Cham so beigesetzt, wie sie es sich selbst gewünscht hatte: in einem weißen Sarg inmitten eines Meeres aus dunkelblauen Blumen. „Ein einziger Mensch fehlt und die ganze Welt ist leer“, ließ ihre Familie damals auf das Sterbebild drucken.