Letzte Hürde genommen: Continental-Abspaltung in trockenen Tüchern – trotz Kritik

Continental will sein Reifen- und Zulieferergeschäft voneinander trennen. Nachdem Vorstand und Aufsichtsrat sich bereits für die Abspaltung der Automotive-Sparte, zu der auch die Werke in Regensburg und Ingolstadt gehören, entschieden hatten, gab nun auch die Hauptversammlung mit großer Mehrheit grünes Licht. Aktionäre äußerten aber auch scharfe Kritik an dem Vorhaben. So war beispielsweise von einer „Notschlachtung“ die Rede.
Continental-Chef Nikolai Setzer und dessen Vorstandskollege Philipp von Hirschheydt haben sich bei der Hauptversammlung des Konzerns am Freitag alle Mühe gegeben: „Top-Technologien“, „begeisternde Lösungen“ oder „Champion für Mobilität“ waren drei der Stichworte, mit denen die beiden Manager die vor der Eigenständigkeit stehende Continental-Zulieferersparte beschrieben. Das Ziel: Die Aktionäre sollten von der Abspaltung des Geschäftsbereichs Automotive überzeugt werden. Am Nachmittag war klar: Die Anleger gehen den Weg von Continental wie erwartet mit.
Das verwundert wenig – schließlich ist die Familie Schaeffler hinter dem gleichnamigen Autozulieferer aus Herzogenaurach mit einem Anteil von 46 Prozent größter Einzelaktionär der Continental AG. Georg Schaeffler sitzt auch im Aufsichtsrat des Hannoveraner Konzerns, der der Abspaltung bereits zugestimmt hat. Ob Schaeffler auch Teil des Aufsichtsrats des neuen Zuliefererunternehmens sein wird, war am Freitag noch nicht klar.
Neuer Name für Unternehmen mit Werken in Ingolstadt und Regensburg: Aumovio
Insgesamt stimmten in der Abstimmung am Freitag die Inhaber von 99,95 Prozent der Continental-Anteile für die Spin-off-Pläne des Konzerns. 0,05 Prozent waren dagegen. Die anwesenden Inhaber (die Präsenz lag bei etwa 82 Prozent des eingetragenen Grundkapitals) machten damit den Weg für die Eigenständigkeit des Zulieferergeschäfts frei. Im September soll Aumovio – den Namen hatte der aktuelle Automotive-Leiter und künftige Chef des neuen Unternehmens, Philipp von Hirschheydt, bereits am Mittwoch vorgestellt – an die Börse gehen. Große Werke hat das Unternehmen dann unter anderem in Regensburg und Ingolstadt.

Dort stellt Continental unter anderem Hochleistungsrechner und verschiedene Arten von Steuergeräten für Fahrzeuge her. Außerdem sind die Standorte im Bereich der Sensortechnologie aktiv. So kommen aus den beiden bayerischen Werken beispielsweise Kamera- und Radarsensoren sowie Beschleunigungssatelliten, die Crashs erkennen und so unter anderem Airbags auslösen.
Das Portfolio, das Aumovio auszeichnen soll, beschrieb von Hirschheydt am Freitag als „Top-Technologien rund um die softwarebasierte Mobilität“. 2024 seien Bestellungen von „nahezu allen wichtigen Autoherstellern“ gekommen, sagte der zukünftige Unternehmenschef. Mit der bevorstehenden Eigenständigkeit wolle man „Entscheidungen schneller treffen“, sich „an regionale Märkte agiler anpassen“ sowie „Kapitalmittel noch gezielter einsetzen“.
Continental will drei fokussierte Unternehmen schaffen
Damit verwies von Hirschheydt auf den Aspekt, den Continental bereits seit mehreren Monaten als Grund für die Abspaltung der Automotivesparte nennt und den der Aufsichtsratsvorsitzende des Konzerns, Wolfgang Reitzle, am Freitag auch noch einmal wiederholte: Um in der aktuellen schnelllebigen Zeit den Wert steigern zu können, müssten Firmen „vollständig fokussiert“ sein. Auch Conti-Vorstandschef Nikolai Setzer betonte das in seiner Rede: „Flexible und fokussierte Unternehmen nutzen Chancen besser als komplexe Organisationen.“

Die Continental-Verantwortlichen auf dem Podium in Hannover ernteten für ihre Ausführungen aber auch harsche Kritik von einzelnen Aktionären. So meldete sich in der Generaldebatte beispielsweise Erwin Wörle, früherer Betriebsratsvorsitzender von Continental in Ingolstadt sowie Ex-Aufsichtsrat, zu Wort. Mit Blick auf die in der Vergangenheit schwachen Zahlen der Zulieferersparte nannte er die geplante Abspaltung eine „Notschlachtung“. Er kritisierte, dass Continental den Bereich nicht verkaufe, sondern sich davon „zum Nulltarif“ trenne. Ein weiterer Aktionär bezog sich in seiner scharfen Kritik auf die lobenden Worte Setzers und von Hirschheydts: „Warum wollt ihr’s denn loswerden, wenn das alles so wunderbar ist?“, wetterte er am Rednerpult. Man wolle „überhaupt nichts loswerden“, antwortete Setzer. Man sei aber überzeugt davon, dass die Aufteilung des Konzerns für die Weiterentwicklung der Sparten die beste Lösung sei.
Tatsächlich sollen aus Continental nach Worten Setzers „drei Champions“ werden. Neben Aumovio und der bisherigen AG mit dem Reifengeschäft soll auch die Sparte Contitech eigenständig werden. In dem Bereich bietet das Unternehmen Kunststoff- und Kautschuklösungen für die Industrie, unter anderem Schläuche, an. Setzer zufolge ist im Moment ein Verkauf von Contitech am wahrscheinlichsten.