Aus Continental wird Aumovio: Wann werden die Werke in der Region umgestaltet?

Von Lorenz Nix · 23. April 2025 um 13:30

Continental hat den Namen für seinen durch Abspaltung entstehenden Zulieferer vorgestellt: Aumovio wird auch Werke in Regensburg und Ingolstadt haben. Am Mittwoch präsentierte der Konzern weitere Details zu dem neuen Unternehmen. Die Mediengruppe Bayern hat zudem nachgefragt, wann die Standorte in der Region entsprechend umgestaltet werden.

Lange wurde spekuliert, jetzt hat Continental Fakten geschaffen: Der neue Automobilzulieferer, der durch die Abspaltung des Geschäftsbereich Automotive entstehen soll, wird Aumovio heißen. Das hat der Konzern aus Hannover am Mittwoch in Shanghai mitgeteilt. Man wolle ein agiles „Powerhouse“, auf deutsch Kraftpaket, schaffen, sagte der jetzige Conti-Automotive- und künftige Aumovio-Chef Philipp von Hirschheydt bei der Pressekonferenz im Rahmen der Messe „Auto Shanghai“.

Verhaltener Applaus für Aumovio in Shanghai

Die Präsentation der Marke verlief dabei relativ schmucklos. Ein kurzes Filmchen wurde abgespielt und daraufhin der neue Name an die Wand projiziert. Es folgten vereinzelter kurzer Jubel und verhaltener Applaus. Aumovio sei eine Zusammensetzung aus „Au“ für Automotive, „mov“ für „move forward“ – also „sich nach vorne bewegen“ – und „io“ für Innovation, sagte von Hirschheydt. „Der Name des neuen Unternehmens verbindet die starke Marktposition, Tradition und technologische Expertise in der Automobilindustrie mit dem Anspruch, die Mobilität der Zukunft mit Innovationen zu gestalten“, heißt es in einer zeitgleich zur Pressekonferenz veröffentlichten Mitteilung von Continental.

Demnach wird Aumovio Elektronikprodukte und Mobilitätslösungen für „das software-definierte Fahrzeug“ anbieten. „Unser Anspruch ist es, unsere Position in den Zukunftsfeldern und Wachstumsmärkten der Mobilität weiter auszubauen“, sagte von Hirschheydt in Shanghai. Gerade in China werde diese Strategie deutlich: „Hier setzen wir unter anderem auf unsere starke lokale Präsenz, indem wir vor Ort für den chinesischen Markt produzieren und entwickeln.“

Die Zulieferersparte von Continental ist eigenen Angaben zufolge seit 30 Jahren in China präsent. Rund 10 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt der Geschäftsbereich in dem Land. 2024 habe man 14 Prozent des weltweiten Umsatzes von Automotive in China erzielt, teilte das Unternehmen mit.

Automesse: Continental stellt neue Fahrassistenzsysteme vor

Die Vorstellung der neuen Marke in Shanghai zeigt, dass Continental Fernost offenbar als besonders wichtig für Aumovio erachtet. Das kommt auch in der Pressemitteilung des Unternehmens zum Ausdruck: „Der chinesische Markt ist der weltweit größte Automobilmarkt und wird gemäß internen Prognosen und Einschätzungen von Marktforschungsunternehmen in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich schneller als der globale Markt wachsen.“ Um dem gerecht zu werden, habe die Sparte Automotive ihre Wertschöpfungskette in dem Land in den vergangenen Jahren lokal ausgebaut. Am Mittwoch stellte Continental auf der „Auto Shanghai“ unter anderem die Fahrassistenzsysteme Luna und Astra vor, die speziell für den chinesischen Markt entwickelt wurden.

„Wir sind gut vorbereitet für die Zukunft – in China und im Rest der Welt“, sagte der künftige Aumovio-Chef von Hirschheydt am Mittwoch. Zu letzterem gehört dann wohl auch Deutschland, wo der neue Zulieferer in Frankfurt am Main seinen Sitz haben wird. In Bayern gehören die großen Continental-Werke in Ingolstadt und Regensburg zum Unternehmensbereich Automotive.

Wann werden Regensburg und Ingolstadt umgestaltet?

Die Mitarbeiter dort müssen sich nun auf einige Änderungen einstellen: Aus dem Gelb des Reifenkonzerns wird Orange. Zahlreiche Beschilderungen müssen an den Standorten ausgetauscht werden. Bis es soweit ist, vergehen aber noch einige Wochen. „Wir werden als Aumovio auftreten, wenn die Abspaltung vollzogen ist“, sagte Sprecher Sebastian Fillenberg am Mittwoch der Mediengruppe Bayern. Nach aktuellem Plan soll die Sparte im September in die Eigenständigkeit wechseln. Dass vorher bereits die Continental-Schriftzüge in Regensburg und Ingolstadt abgeschraubt werden, ist unwahrscheinlich. Die Standorte werde man erst ab dem Zeitpunkt der Eigenständigkeit umgestalten, so Fillenberg.

Continental-Hauptversammlung muss noch zustimmen

Insgesamt beschäftigt die Automotive-Sparte mit etwa 92.000 Mitarbeitern fast die Hälfte der Continental-Angestellten. In Regensburg waren es Ende 2024 rund 4100 Beschäftigte, in Ingolstadt 1550. Man erwarte dort keine wesentlichen Auswirkungen auf die Beschäftigung durch die Abspaltung, hatte der Konzern in der Vergangenheit mehrfach auf Anfrage mitgeteilt.

Noch ist die Eigenständigkeit des Zulieferergeschäfts allerdings nicht in trockenen Tüchern. Am Freitag muss noch die Hauptversammlung von Continental den Plänen zustimmen. Das gilt allerdings als Formsache. Zurückbleiben beim Mutterkonzern wird in Zukunft wohl nur die Reifensparte. Denn kürzlich wurde bekannt, dass Continental auch sein Industriegeschäft abspalten will.

Übrig bleibt nur Siemens: Die Marke Vitesco ist seit vergangenem Jahr bereits Geschichte – noch findet sich der Schriftzug aber an zahlreichen Stellen im Regensburger Osten. Seit gestern ist nun auch klar, welchen Namen das Continental-Werk in Zukunft haben soll. Foto: Lorenz Nix
Orange ist offenbar die Markenfarbe für das neue Zuliefererunternehmen Aumovio. Foto: Continental AG