3D-Ultraschall für die Schilddrüse: Regensburger Mediziner erklärt die Vorteile

Von Marion Neumann · 25. April 2025 um 09:00

Eine neue Sensortechnologie am Ultraschallgerät ermöglicht Dr. Max Puille, Facharzt für Nuklearmedizin, seit kurzem umfangreiche Einblicke: Aufnahmen der Schilddrüse sieht er damit dreidimensional.

Warum die 3D-Bildgebung gerade in diesem Bereich sinnvoll ist und weshalb es sich bei einem Knoten in der Schilddrüse nicht direkt um eine bösartige Erkrankung handeln muss, erklärt der ärztliche Leiter der Nuklearmedizin am MVZ Dr. Neumaier & Kollegen – einem Unternehmen der Quartz HealthCare – im Facharztzentrum in der Hildegard-von-Bingen-Straße in Regensburg im Interview.

Herr Dr. Puille, was ist Ihr Tätigkeitsbereich als Nuklearmediziner?

Dr. Max Puille: In erster Linie kommen Patienten zu uns für die Diagnostik. Die Nuklearmedizin ist ein breites Fach mit unterschiedlichsten diagnostischen Möglichkeiten, aber einen großen Teil machen Herzuntersuchungen, Untersuchungen bei Krebserkrankungen und eben Untersuchungen der Schilddrüse aus.

Welche Methoden gibt es, um die Schilddrüse zu untersuchen?

Puille: Ultraschall, Labor und gegebenenfalls Szintigraphie. Eines der wesentlichen Verfahren in der Nuklearmedizin ist die sogenannte Schilddrüsenszintigraphie. Dabei verwendet man eine radioaktive Substanz, um die Funktion der Schilddrüse darzustellen. Noch viel häufiger ist aber die Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse. Dazu haben wir jetzt die neue 3D-Diagnostik, die dreidimensionale Bilder liefert.

Was ist der Vorteil an dieser Technik?

Puille: An sich liefert der Ultraschall ein zweidimensionales Schnittbild. Es zeigt nur eine Ebene der Aufnahme. Mit der tomographischen 3D-Bildgebung wird aus den einzelnen Bildern ein Volumendatensatz erzeugt, den man anschauen, automatisch analysieren und vermessen lassen kann. Ein großer Vorteil daran ist, dass sich Untersuchungsergebnisse viel besser reproduzieren lassen. Wenn ich einen Patienten vor einem Jahr untersucht habe und im Folgejahr wieder, habe ich von seiner Schilddrüse nicht nur einzelne Bilder zum Vergleich, sondern einen vollständigen 3D- Datensatz. Entdecke ich auf den neuen Bildern eine Auffälligkeit, kann ich die alten Aufnahmen überprüfen: War diese Struktur wirklich noch nicht vorhanden, oder wurde es nur nicht dokumentiert? Die bessere Vergleichbarkeit ist bei Schilddrüsenerkrankungen ein wichtiger Punkt.

Warum ist Vergleichbarkeit gerade in diesem Bereich so wichtig?

Puille: Knoten in der Schilddrüse sind speziell in Jodmangelgebieten wie Bayern sehr häufig. Man schätzt, dass in Deutschland etwa 30 Millionen Menschen betroffen sind. Einen Schilddrüsenknoten zu haben ist in den allermeisten Fällen aber glücklicherweise nichts, was unmittelbar relevant ist. Trotzdem gibt es unter den 30 Millionen Betroffenen dann eben doch jedes Jahr etwa 6000 Fälle, die einen bösartigen Knoten haben. Das ist ein sehr kleiner Anteil, weniger als ein Prozent – aber genau diese Fälle zu finden, ist nicht einfach.

Abgesehen von einer Krebserkrankung: Worauf kann ein Knoten in der Schilddrüse noch hindeuten?

Puille: In manchen Fällen kann ein Schilddrüsenknoten auch eine Schilddrüsenüberfunktion verursachen. Auch Entzündungen mit knotigen Veränderungen der Schilddrüse sind nicht ungewöhnlich und spielen gerade bei Patienten mit Kinderwunsch eine große Rolle. Eine gut funktionierende Schilddrüse ist Voraussetzung für eine intakte Schwangerschaft.

Eine neue Sensortechnologie am Ultraschallgerät ermöglicht dreidimensionale Aufnahmen der Schilddrüse. - Foto: PIUR IMAGING GmbH

Wie fällt ansonsten auf, dass ich ein Problem mit der Schilddrüse habe?

Puille: Das ist tatsächlich knifflig, denn Schilddrüsensymptome sind sehr unspezifisch. In der Theorie ist es so, dass zu viele Schilddrüsen-Hormone nervös und unruhig machen, Herzklopfen verursachen und zu Gewichtsverlust führen. In etwa die gleichen Anzeichen wie bei Prüfungsangst, sagt man. Je nach Patient können sich die Symptome allerdings stark unterscheiden. Was Betroffene am häufigsten bemerken, sind Stimmungsschwankungen, Haarausfall oder starkes Schwitzen. Auch das kann andere Ursachen haben – aber in solchen Fällen lohnt es sich, einen Blick auf die Schilddrüse zu werfen.

Vermutlich führt der Weg dann erst einmal zum Hausarzt.

Puille: Ja, das wäre der erste Schritt. Dort wird wahrscheinlich schon einmal ein Ultraschall gemacht und die Blutwerte werden gecheckt. Besteht der Verdacht auf eine Funktionsstörung, wird der Patient weiter zu uns in die Nuklearmedizin geschickt, um zu klären, was genau dahintersteckt.

Kommt dann bei allen Ihren Patienten die neue Technik zum Einsatz?

Puille: Derzeit nicht, denn die Kosten für die 3D-Ultraschalldiagnostik der Schilddrüse werden nur von privaten Krankenkassen übernommen. Für gesetzlich Versicherte kann die Untersuchung als IGeL-Leistung (Anmerkung der Redaktion: Individuelle Gesundheitsleistung, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehört) angeboten werden. Für einen Teil der Untersuchungen ist ein zweidimensionales Bild auch ausreichend. Aber zum Beispiel bei einem Patienten, der nicht nur einen, sondern mehrere Knoten in der Schilddrüse hat, würde ich die 3D-Bildgebung empfehlen.