Zeitzeugen erinnern sich: Die Angst vor Denunziation und tödlichen Angriffen war allgegenwärtig

„Auch wir Kinder wussten damals, dass Neumarkt völlig zerbombt war“, berichtet Franziska Schneider bei einer Gesprächsrunde im Berchinger Caritas-Seniorenheim St. Franziskus. Niemand habe in die Stadt gedurft. Dennoch: „Dass die Amerikaner gekommen sind, war unser Glück“, findet Anni Hlawatsch.
Die 93-Jährige stammt aus Plankstetten und kann sich noch gut an das furchtbare Inferno am dortigen Bahnhof erinnern, als amerikanische Bomber am 28. Februar 1945 einen Rot-Kreuz-Zug angriffen. Die Schmerzensschreie der verletzten hallen ihr immer noch in den Ohren.
Als 13-Jährige half sie damals mit, die Verwundeten mit einem Schubkarren in das Lazarett zu transportieren. Auch die anderen in der Seniorenrunde, Maria Pickel, Lidwina Rohmüller und Johann Richter, haben schlimme Erinnerungen an die Kriegszeit: Hunger sei ein steter Begleiter gewesen, weil es Lebensmittel nur auf Marken und zum Ende gar nicht mehr gab. Auf den Bauernhöfen mussten die Kinder mithelfen und schwer arbeiten, weil die meisten Männer im Krieg waren.
Wertvolles gegen Essbares getauscht
Aus den Großstädten wie Nürnberg seien die Menschen aufs Land gekommen und hätten Wertvolles gegen Essbares eingetauscht, berichten auch die Teilnehmer eines weiteren Gesprächs im Caritas-Seniorenheim St. Johannes in Neumarkt. Weil alle Tiere auf den Bauernhöfen vom Nazi-Regime penibel aufgelistet wurden, seien bei solchen Zählungen in der Regel welche versteckt „und schwarz geschlachtet worden“, um so die Versorgung der Familien etwas aufzubessern.
Permanent im Hintergrund sei die Angst vor Denunziation gewesen, erzählen die Zeitzeugen, und auch, dass viele Frauen ihren Kindern aus Betttüchern Kleidung nähten, weil es an Stoff mangelte.
Die 90-jährige Edelharda Wagner hat noch heute vor Augen, wie die Amerikaner im April 1945 in Pelchenhofen einmarschierten. Auch dort hätten viele Neumarkter Zuflucht gesucht. Viele Familien, die nach der Zerstörung überhaupt noch ein Dach über dem Kopf hatten, hätten dann ihre Häuser für die Amerikaner räumen müssen, schildert sie.
Jeden Tag einen Rosenkranz für den Frieden
„Das sind wirklich schlimme Zeiten gewesen damals“, sagt Johann Richter, der ursprünglich aus dem Sudetenland stammt, 1946 dort ausgewiesen wurde und jetzt im Alter im Berchinger Seniorenheim lebt.
„Mir setzt das schon zu, dass jetzt wieder Krieg in Europa gibt.“ Auch seine Mitbewohnerin Lidwina Rohmüller unterstreicht: „Der Krieg war furchtbar.“ Franziska Schneider lässt wissen: „Ich bete jeden Tag einen Rosenkranz, dass es keinen Krieg bei uns mehr gibt.“