Zeitzeugin erinnert sich: Vor 80 Jahren bombardierten amerikanische Flugzeuge den Bahnhof Plankstetten

Von Franz Guttenberger · 28. Februar 2025 um 05:00

Was sich am 28. Februar 1945 in Plankstetten ereignet hat, ist unfassbar. „Ich höre noch immer die Schmerzensschreie der ungarischen Soldaten, als wäre es gestern gewesen“, blickt Anni Hlawatsch auf diesen Tag vor 80 Jahren zurück. Sie half mit, als Verwundete mit Schubkarren in das Lazarett im Kloster Plankstetten gekarrt wurden.

Die 93-Jährige erinnert sich noch gut an das schreckliche Inferno am Bahnhof in Plankstetten. Sie war damals 13 Jahre jung und hieß Anni Guth, als am 28. Februar 1945 amerikanische Flieger einen Rot- Kreuz-Zug am Bahnhof in Plankstetten bombardierten.

Anni wohnte mit ihrer Familie nur 300 Meter vom Ort des Geschehens entfernt, als der Zug bombardiert worden war. Zur Mittagszeit, am 28. Februar 1945 näherten sich mehrere amerikanische Tiefflieger dem Bahnhof Plankstetten. In dem Zug befanden sich viele verwundete Soldaten aus Ungarn.

Bei der Bombardierung wurden viele Menschen verletzt, 14 getötet, einige Soldaten verbrannten am lebendigen Leib, erzählt Hlawatsch. Die meisten Männer aus Plankstetten waren damals im Krieg. Die Frauen und Kinder im Ort eilten sofort herbei und leisteten Hilfe: „Das ganze Dorf half mit, den Verwundeten zu helfen und sie mit Schubkarren und Leiterwagen ins Kloster zu transportieren“, erzählt Hlawatsch. Autos gab es damals keine in Plankstetten. Der steile Weg zum Kloster war zudem noch nicht geteert und daher sehr holprig, was den Transport noch erschwerte, berichtet die Augenzeugin.

Zweiter Weltkrieg: Berchinger erinnert sich

Michael Kovacs aus Berching, der inzwischen schon verstorben ist, saß in dem bombardierten Zug. Er hatte Verletzungen am Knie und kam ins Lazarett in das Kloster Plankstetten. Er erzählte vor einigen Jahren, dass bereits an Weihnachten 1944 schwer verwundete ungarische Soldaten aus der Umgebung von Budapest vom Ungarischen Roten Kreuz mit dem Zug aus Ungarn evakuiert und über Wien, dem heutigen Bratislava und Prag nach Böhmisch Leipa nahe Dresden gebracht worden sind.

Von der Silvesternacht 1944 bis zum 21. Februar 1945 waren die verletzten ungarischen Soldaten dort in einer zum Lazarett umfunktionierten Schule untergebracht.

Die Russen rückten südlich immer mehr vor, so Kovacs. Die Entscheidung, die Verletzten weit weg ins Innere des Deutschen Reiches zu verlegen, fiel nach den schweren Bombenangriffen auf Dresden (12. und 13. Februar). Am 21. Februar ging die Fahrt per Eisenbahn los. Gefahren wurde wegen der ständigen Luftangriffe nur während der Nacht. Das Ziel des von Kovacs damals bezeichneten ,,Geisterzugs“ war ein Landstrich in Bayern, wohin bevorzugt die Verletzten gebracht wurden: das Kloster Plankstetten und Schloss Hirschberg. Beide waren gegen Ende des Krieges in Lazarette umfunktioniert worden.

Nach Angaben von Kovacs traf der Zug am 28. Februar 1945 gegen 3.30 Uhr in Plankstetten ein. Viel zu früh, denn eigentlich war die Ankunft erst gegen 11 Uhr geplant. So fehlten dann auch am Plankstettener Bahnhof die Viehgespanne, auf denen die Verwundeten ins Kloster Plankstetten gebracht werden sollten. So fuhr der Zug weiter nach Beilngries. Dort wurde zunächst die eine Hälfte ausgeladen. Es waren ungarische Soldaten, die innere Verletzungen hatten. Sie wurden nach Hirschberg gebracht. Gegen halb zwölf Uhr fuhr der Zug mit den restlichen Verletzten nach Plankstetten. Diese brauchten eine schnelle Operation, die im Kloster Plankstetten erledigt werden sollte.

Vier Bomben abgeworfen

Die ersten Verwundeten waren gerade erst auf zwei Pferdetransporte gelegt worden, als vier amerikanische Tiefflieger am Horizont aus Richtung Neumarkt auftauchten. Ein Großteil der Verwundeten lag schon am Bahnsteig neben dem Zug, als sich die vier Flugzeuge näherten. Die Flieger machten einen Bogen über den Bahnhof hinweg und verschwanden in Richtung Fribertshofen.

Dann steuerten sie erneut den Bahnhof Plankstetten an. Binnen weniger Sekunden wurde der Bahnhof zum flammenden Inferno, erzählte Kovacs vor einigen Jahren. Die Amerikaner deckten das Bahnhofsgelände mit Maschinengewehrfeuer ein. Über dem Bahnhof warfen sie Phosphorbomben ab.

Während zwei Bomben den Bahnhof verfehlten und im freien Gelände einschlugen, traf eine weitere Bombe den Zug. Eine vierte schlug dort auf, wo die Verwundeten lagen. Durch den Phosphor fingen viele an zu brennen.

Als die Flieger weg waren, liefen die Frauen und Kinder aus Plankstetten mit Decken zu den Verwundeten und löschten zunächst die Brennenden. Dann legten sie Verbände an und trugen die weniger schwer Verwundeten in ihre Häuser, um sie dort weiter zu versorgen, erinnern sich die Augenzeugen. Der Angriff forderte viele Schwerverwundete. Diese wurden so schnell wie möglich ins Kloster zur ärztlichen Versorgung gebracht.

„Warum musste diese schreckliche Tat sein, da der Zug ausreichend mit Rot-Kreuz-Fähnchen gekennzeichnet war?“, fragten sich viele, und auch Anni Hlawatsch heute noch. Zur Erinnerung an den schrecklichen Tag vor 80 Jahren wurde auf Initiative von Michael Kovacs mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters der Stadt Berching, Albert Löhner, am 28. Februar 1995 in der Abteikirche in Plankstetten eine Gedenktafel zur Erinnerung an die gefallenen ungarischen Soldaten errichtet. Diese hängt auch heute noch dort.