Rudner soll OB-Kandidat werden: Sind die Chaostage in der Regensburger SPD nun vorbei?

Von Philip Hell · 15. April 2025 um 16:34

Das Regensburger Gewerkschaftshaus wird auch Paradiesgarten genannt – ein Name, der für den Zustand der SPD in der Domstadt im Moment alles andere als zutreffend ist. Dennoch wählten die von innerparteilichem Streit gebeutelten Genossen am Dienstag diesen Ort, um ihren designierten Oberbürgermeister-Kandidaten Thomas Rudner zu präsentieren. Dem Termin waren massive Spannungen bei den Sozialdemokraten vorausgegangen. Und einiges bleibt auch jetzt noch offen.

Rückblick: Am Dienstag vergangener Woche war bekannt geworden, dass Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer nicht mehr zur Wahl antritt und der geschäftsführende Regensburger Stadtverband den Ex-Europaabgeordneten Thomas Rudner für den Posten des OB-Kandidaten favorisiert. Der Fraktionsvorsitzende der Genossen im Stadtrat, Thomas Burger, gab zugleich bekannt, sich aus der Politik zurückzuziehen. Er selbst habe OB-Kandidat werden wollen, das habe der Vorstand allerdings abgelehnt. Am Tag darauf machte Burger einen Rückzieher vom Rückzieher und kündigte im MZ-Gespräch an, doch zu einer Kandidatur bereit zu sein, sollte der Gesamt-Vorstand hinter ihm stehen.

Knappes Votum bei der Regensburger SPD

Nach der Tagung am Montagabend war klar: Das ist nicht der Fall. Der Vorstand sprach sich für Rudner aus. Das gab Stadtverbandsvorsitzende Claudia Neumaier am Dienstag bekannt. Parteiintern rumort es bei der SPD seit einigen Tagen massiv. Einige Genossen hätten gern Burger als OB-Kandidat gesehen – darunter auch OB Maltz-Schwarzfischer. Die Vermutung liegt nahe, dass das Votum knapp war. Wie knapp, wollten die Genossen nicht verraten. Rudner: „Es ist wie beim Schafkopfen. Da gewinnt man mit 61, oder wenn man nicht Spieler ist, mit 60. Und wir haben gestern auch gewonnen.“ Für Karten-Laien: Es war knapp. Verdammt knapp.

Die OB fehlte bei dem Termin am Dienstag. Das habe allerdings nichts damit zu tun, dass sie sich für Burger ausgesprochen hatte, betonten die Genossen. Sie habe schlichtweg andere Termine gehabt. Maltz-Schwarzfischer nahm an der Vorstandssitzung am Montagabend teil, äußerte sich allerdings nicht zur Kandidatenfrage, sagte Neumaier.

OB Maltz-Schwarzfischer hat sich hinter Thomas Burger gestellt. - Foto: Daniel Pfeifer, Archiv

SPD-Chefin Neumaier betonte zugleich, dass sich die Sozialdemokraten nicht gegen einen Kandidaten entschieden haben – sondern für einen anderen. Sicherlich seien einige in der Partei überrascht, sagte Rudner. „Ich glaube, dass ich viele der Anforderungen, die an einen OB gestellt werden, erfüllen kann.“

Ein „unverbrauchtes Gesicht“ als Regensburger OB-Kandidat

Er sei ein „unverbrauchtes Gesicht“, sagte Rudner, der zwischen 2023 und 2024 im Europaparlament saß. Er sei nicht Teil der Rathaus-Koalition gewesen, weshalb er der Meinung sei, viele Lager zusammenführen zu können. „Weil ich in bisherigen Auseinandersetzungen nicht Position beziehen musste.“ Neumaier ergänzte: „Thomas kann frisch ans Werk gehen, ohne die Last aus alten Streitigkeiten.“ Burger hatte das Koalitions-Aus seinerzeit allerdings nie forciert. Das stellten die SPD-Spitzen am Dienstag auch nicht in Abrede. „Es geht nicht darum, Herrn Burger etwas vorzuwerfen“, sagte Rudner. Er werde kein schlechtes Wort über ihn verlieren, betonte er mehrfach.

Und Burger? Auf MZ-Anfrage wollte sich der Fraktionsvorsitzende bislang nicht äußern. Wie es nun weitergeht, hängt auch stark von ihm ab. Rudner ist zwar Favorit des Parteivorstands, endgültig gewählt wird allerdings erst am 25. Mai im Rahmen eines Nominierungsparteitags. Theoretisch könnten sich dort mehrere Kandidaten zur Wahl stellen. Die SPD-Vertreter betonten gestern indes mehrfach, nun geschlossen auftreten zu wollen. Ihm hätten Leute aus dem Burger-Lager zugesichert, hinter ihm zu stehen, sagte Rudner.

Infos durchgestochen: Wer ist der Maulwurf bei der Regensburger SPD?

Das die letzten Tage turbulent waren, liegt auch an der Partei selbst – respektive an einzelnen Genossen. Die Information über das Votum für Rudner und das Aus von Maltz-Schwarzfischer wurde sehr schnell an die Medien durchgestochen. Der OB blieb nicht die Chance, das Ende ihrer politischen Karriere selbst zu verkünden. Den Maulwurf bei den Genossen kenne man nicht, versicherten die SPD-Vertreter am Dienstag. Wie kam es soweit? „Ich finde es nicht lustig, wenn wir Ihnen Schlagzeilen liefern“, sagte Rudner an die Reporter gerichtet. Er sei erschrocken, dass das so schnell durchgestochen wurde, sagte der 63-Jährige. „Wir wollten nicht, dass das die Genossen aus der Zeitung erfahren.“

Und damit zu den Inhalten: Neumaier lobte Rudner als „einen, der zuhört, der verbindet – aber auch weiß, wohin es gehen soll.“ Er stehe für Zukunft und Zusammenhalt. Der designierte OB-Kandidat selbst betonte, wie sehr er Regensburg schätze. Aber: „Regensburg ist kein Museum. Wir müssen entschlossen nach vorne gehen – uns etwas zutrauen.“ Er wolle fruchtbaren Boden für die Wirtschaft schaffen und weiter für saubere und sichere Straßen sorgen. Außerdem wolle er Kitas und Schulen fit machen. Seine Vision sei ein Regensburg als Stadt der Nachbarn. Das alles klingt noch reichlich unkonkret. Die Partei sei gerade dabei, ein Programm zu erarbeiten, sagte Rudner. Am Rande setzte sich der designierte SPD-Kandidat sogar mit anderen Parteien auseinander. Die Forderung der CSU, den Durchgangsverkehr am Bahnhof wieder zu erlauben, bezeichnete er als „absurd“.

Rudner gilt vielen als Überraschungskandidat. Der 63-Jährige betonte allerdings, schon bei den vergangenen zwei Kommunalwahlen angetreten zu sein. Darüber hinaus sei er vor der Europawahl im vergangenen Jahr mit Plakaten in der ganzen Oberpfalz präsent gewesen. „Wenn ich wieder auftauche, wird es bei den Leuten schon Klick machen.“ Rudner ist sich jedenfalls sicher, Oberbürgermeister zu werden, sagte er am Dienstag. „Sonst säße ich ja nicht hier.“