Wie geht es den Seitengassen in Neumarkts Altstadt? – Was Geschäftsleute sagen

Wenn es um die Altstadt in Neumarkt geht, dann meist um die Marktstraße und die Klostergasse. Sie werden von Politik und Bürgern besonders stark wahrgenommen. Das zeigt die Diskussion um das Pflaster in der Marktstraße. Die Hallertorstraße und andere Nebengassen geraten dabei etwas aus dem Blickfeld. Die stilleren Ecken der Innenstadt haben aber auch ihre Qualitäten, sind jedoch im Wandel.
„Ich bin zufrieden“, sagt Ehlers über ihren Stoffladen in der Hallertorstraße. „Wir haben viele Stammkunden. Uns sucht man gezielt.“ Dass es so gut wie keine Laufkundschaft in der Hallertorstraße gibt, ist für sie kein großer Nachteil.
Ehlers Stoffladen ist die Regel. Meist sind die Geschäfte in den Seitengassen auf Stammkunden angewiesen. Sonst ließe es sich nur schwer durchhalten. Bei einem Stoffladen ist das schon allein wegen des speziellen Sortiments so.
Seitengassen in der Neumarkter Altstadt haben auch Vorteile
Einen Feinkostladen wie den von Florian Fleischmann könnte man sich aber auch gut in der Marktstraße vorstellen. Edler Käse oder edle Wurst könnten Passanten zum Spontankauf anregen. Doch Fleischmann, der Floris Genusstheke betreibt, winkt ab. In der Marktstraße müsse er mindestens das Doppelte an Miete bezahlen. Der Standort am Viehmarkt habe seine Vorteile.
Dafür müsse er jedoch mehr Aufwand betreiben und einen langen Atem haben, sagt Fleischmann über den Aufbau einer Stammkundschaft. „Es läuft insgesamt nicht schlecht“, sagt er nach acht Jahren.
Das gilt auch für Vittorio Ceffalia, obwohl er seine Kaffeerösterei Nerakka nur freitags und samstags aufsperrt. „Das hat alles seine Vor- und Nachteile“, sagt er über den Vergleich Marktstraße und Nebengassen und verweist ebenfalls auf die niedrigeren Mieten. So kann er sich seine Leidenschaft – das ist die Rösterei vor allem – eher leisten. „Ich bin wirklich stolz darauf, dass die Leute extra zu mir kommen.“ Der ein oder andere neue Kunde finde ab und an in seinen Laden. Aber Cefalia baut ebenfalls vor allem auf Stammkunden.
Also alles bestens in den Seitengassen? Tanja Graf, die das gleichnamige Schuhgeschäft in der Kirchengasse betreibt, formuliert es zurückhaltender. Die Entwicklung der Altstadt sei im Großen und Ganzen nicht negativ. Besser gehe immer, sagt Fleischmann. Aber allzu großes Jammern erachtet er als unangebracht. Man müsse nur in andere Städte schauen, sagt Graf.
Neuer Markt eröffnete in Neumarkt vor zehn Jahren
Als vor zehn Jahren der Neue Markt eröffnete, war die Stimmung nicht so entspannt. Mancher fürchtete das Aussterben der Altstadt. Mit Leerständen kommt diese Annahme auch heute immer mal wieder hoch. Einen großen Gewerbeleerstand gebe es aber nicht, sagt Christian Eisner, Geschäftsführer von Aktives Neumarkt.
Grundsätzlich hat Neumarkt aus Eisners Sicht ein solides Innenstadtgefüge. „In keiner Straße denkt man sich: ,Oh Gott!‘.“ Die Innenstadt verändere sich aber zweifellos. „Das ist, was Altstädte seit Jahrhunderten tun“, sagt Eisner.
Das veränderte Konsumverhalten infolge insbesondere des Online-Handels führt verkürzt gesagt dazu, dass die Geschäfte in Innenstädten weniger werden. Stattdessen gewinnen Wohnen, Gastro und andere Dienstleistungen vor allem in den Nebengassen an Bedeutung. Das fülle durch den Schwund bei Geschäften entstehende Lücken, sagt Eisner.
Das Pflaster in der Marktstraße in Neumarkt ist ein Dauerthema
Die Altstadt verändert sich. Stadtmarketing und Stadtpolitik können das nicht ändern, sondern nur reagieren. Aber auch hier seien die Stellschrauben, an denen Aktives Neumarkt drehen könne, begrenzt, sagt Eisner. Etwa mit Aktionen wie dem Altstadtsommer. Die Stadt selbst kann baulich aktiv werden. Aber das sei oftmals nicht der Grund, warum etwas nicht funktioniere.
Ein neues Pflaster in der Marktstraße allein locke nicht mehr Menschen an, betont deswegen Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn immer wieder. Gemacht werden soll es trotzdem als Teil eines größeren Maßnahmenbündels, um die Innenstadt attraktiv für den Besuch zu halten.
Um den Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit weiß auch Florian Fleischmann. Zwei, drei gut gehende Kleidungsgeschäfte am Viehmarkt brächten mehr Laufkundschaft. Aber realistisch sei das natürlich nicht. Den Geschäftsleuten wie Fleischmann geht es daher eher um kleine Ideen. Das Altstadtfest auf den Viehmarkt auszuweiten, wäre so eine. „Bei der Nacht der Sinne funktioniert es ja auch.“
Sabine Ehlers wünscht sich, die Hallertorstraße freundlicher zu gestalten. Ihrer Meinung nach würde es schon helfen, große Blumen oder andere Dekoration über der Straße aufzuhängen. In der Weihnachtszeit böte sich auch in den größeren Nebengassen eine Beleuchtung an.
Und was sagt Neumarkts Rathauschef zur Lage in den Seitengassen? „Mir ist nicht angst und bange“, sagt Ochsenkühn. Mal schließe etwas, es entwickle sich aber auch wieder etwas. „Wir haben die Nebengassen im Blick und sehen, wenn etwas zu tun ist.“