Sitzen statt parken: Zwölf Parkplätze verwandeln sich in Neumarkts Innenstadt in grüne „Parklets“

Vor dem Rathaus und auf dem Residenzplatz dürfen sich die Neumarkter bald auf lauschige Plätzchen im Grünen freuen. Was die Stadt aus den ersten Versuchen mit Rollrasen in der Altstadt dieses Jahr entwickelt hat.
„Altstadtsommer“ hieß das Experiment von Aktives Neumarkt und Citymanager Christian Eisner, das sowohl bei den Neumarktern als auch bei Gästen sehr gut angekommen ist. „Ich bin froh, dass wir uns getraut haben“, sagte Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn. Denn das Projekt hätte ja auch ein Flop werden können.
Mehr Grün und mehr Schatten in Neumarkts Marktstraße
Die Premiere konnte man im vergangenen Jahr bewerten – und das Feedback fiel äußerst positiv aus, sagte Lutz Worthmann vom Umweltamt. Die Bürger hätten ihre Wünsche klar formuliert: mehr Grün und mehr Schatten in der Altstadt und vor allem mehr Sitzplätze an Stellen, an denen man nicht verpflichtet ist, etwas zu verzehren.
Dem kommt die Stadt nun nach – und weitet das Konzept sogar noch aus. Zwölf Parkplätze an der Oberen und Unteren Marktstraße werden in sogenannte vier „Parklets“ umgewandelt. Sie entstehen nahe der Eisboutique und der Bäckerei Sipl jeweils auf beiden Straßenseiten.
Das Wort, das sich aus Park und Palette zusammensetzt, beschreibt mobile Grünflächen mit Rollrasen, großen Pflanztrögen samt Sitzflächen. Da die Hecken und Bäume zwar durchaus schon Schatten spenden, aber nicht über weite Flächen, spannt die Stadt zusätzlich Sonnensegel auf.
Rautenförmig würden diese 30 bis 40 Quadratmeter großen Stoffbahnen an zwei Stellen aufgespannt, führte Worthmann weiter aus: Zum einen ermöglichen sie Passanten und Kindern am Brunnenrand vor dem Rathaus Spielen und Ruhepausen im Schatten. Zum anderen können sich nicht nur Fahrgäste an der Bushaltestelle bei der Litfaßsäule gegenüber sonnengeschützt aufhalten. Auch der Fotopoint mit dem großen Schmetterling sowie die Liegestühle sollen wieder aufgestellt werden.
Philip Köhler, seines Zeichens Klimaanpassungsmanager der Stadt Neumarkt, kündigte noch eine weitere Neuigkeit an: „grüne Zimmer“. Dahinter verbergen sich die bereits erwähnten lauschigen Winkel, die durch große Pflanztröge mit Hecken entstehen. „Sie sollen vor allem in der heißen Zeit zwischen 11 und 18 Uhr für Schattensorgen“, sagte Köhler.
Installiert werden sie bei den Fahnenmasten auf dem Rathausplatz sowie im Dreieck zwischen Hochschule, Brunnen und Reitstadel auf dem Residenzplatz. Denn dort befänden sich besonders große versiegelte Flächen, die bei hohen Temperaturen die Hitze speichern. Wenn die Lieferanten mitspielen, soll alles bis Ostern aufgestellt sein.
Die Plätze für die mobilen Grünanlagen haben die Mitglieder des Arbeitskreises Innenstadtentwicklung bewusst ausgewählt. Denn es sollten weder die Marktleute beeinträchtigt noch Parkplätze vor einem Arzt oder einer Apotheke wegfallen. Etwas eingeschränkt wird indessen der Verkehr, denn neben den Rasenflächen werden große Sitzsteine aus Dolomit aufgestellt, kleine rot-weiße Fahrbahnteiler verschmälern die Fahrbahn, so dass sich jeder sicher fühlen kann, der sich dort niederlässt.
Attraktionen sollen mehr Besucher nach Neumarkt locken
Trotzdem rechnet die Innenstadtreferentin des Stadtrats, Gerlinde Wanke, mit dem einen oder anderen kritischen Wort von Einzelhändlern. „Aber wir haben sehr viele Parkplätze in der Innenstadt. Durch solche Angebote wird die Innenstadt attraktiver und das bringt wiederum mehr Frequenz für die Geschäfte.“
„Wir haben noch immer über 1000 Parkplätze in der Innenstadt“, bestätigte der OB. Zudem sei ein Pendelbus zwischen Volksfestplatz und Innenstadt geplant. „Auf zwölf Parkplätze zu verzichten, ist verkraftbar. Und wir müssen etwas tun.“ Und Eisner ergänzte: „Die Leute müssen heute nicht mehr in die Innenstadt kommen – sie wollen“.

