Kaffee wird immer teurer: Ungewissheit plagt Röstereien im Landkreis Neumarkt

Von Theresa Baumann · 3. März 2025 um 05:00

Eine Tasse Kaffee ist für viele Erwachsene fester Bestandteil ihres Alltags – einige Faktoren lassen jedoch den Preis in die Höhe schnellen. Inhaber von Kaffeeröstereien aus dem Landkreis Neumarkt schildern, wie sie damit umgehen.

Vor neun Jahren hat Bernhard Burnickl seine Kaffeerösterei Basilius im Gewerbepark in Parsberg eröffnet. Seither habe es nur ein einziges Jahr ohne Krise gegeben. Aktuell kämpften er und seine Mitstreiter gegen die „Rohstoffkrise“ an, wie er es nennt.

„Kaffee ist nach Rohöl der meistgehandelte Rohstoff auf der Welt“, sagt Burnickl. Nun hätten die Bohnen – die Samen der Kaffeebeere – allerdings das höchste Preisniveau seit 1977 erreicht. In nur einem Jahr sei der Preis um 118 Prozent gestiegen, geradezu „explodiert“, berichtet Burnickl spürbar aufgelöst.

Täglich neue Preise in der Kaffeebranche

Vorgeben würde die Preise die Börse und das täglich neu, fügt Eva Zitzelsberger, Inhaberin der Kaffeerösterei Parsberg, an. Händler seien davon abhängig. Auch Zitzelsberger wäge bei jedem Einkauf neu ab: „Was bestelle ich und was kostet das heute?“

Die Preise schwankten jeden Tag um zehn Prozent, bestätigt Burnickl. Aktuell sei der Kaffee im Einkauf etwa um vier Euro teurer geworden. Kleine Röstereien hätten keine andere Möglichkeit, als die Preise weiterzugeben: „Sonst bist du ganz schnell weg vom Fenster“, macht Burnickl klar.

Das sei aber gar nicht so leicht, wie Burnickl und Zitzelsberger wissen. „Der Endverbraucher fährt zurzeit einen Sparkurs“, bemerkt Burnickl. Auch Zitzelsberger stelle fest, dass Kunden noch mehr auf Preise achteten. Deshalb sei es besonders wichtig, damit transparent umzugehen und den Kunden „die Preise peu a peu zu kommunizieren“, findet Burnickl. Mittels Vorankündigungen versucht er Verständnis zu wecken. Er wolle zeigen: „Wir heben die Preise nicht an, um mehr Geld zu verdienen.“

Preisgestaltung: Fingerspitzengefühl ist gefragt

Bisher funktioniere das noch, aber eine gewisse Gefahr schwinge immer mit. „Von 100 Kunden verlierst du bei einer Preiserhöhung auf jeden Fall fünf bis zehn“, stellt er klar. Glücklicherweise kämen manche wieder zurück, wenn sie merkten, dass der Kaffee anderswo auch teurer werde.

Die hohen Beträge hätten Zitzelsberger und Burnickl noch nicht vollständig weitergegeben. Da brauche es Fingerspitzengefühl, stellt Burnickl klar: „Wir haben drei Monate Kosten geschluckt. Wir sind an der Grenze.“ Trotz einer Preisanhebung von zwei Euro, büße seine Kaffeerösterei im Jahr etwa 100 000 bis 120 000 Euro ein. Ähnlich ergehe es der Kaffeerösterei Parsberg, bestätigt die Inhaberin.

„Die allgemeine Lage ist halt angespannt. Das bleibt bei uns nicht aus“, stellt Zitzelsberger klar. Dass ihre Preise auch keine „Traumpreise“ seien, sei ihr bewusst. Wenigstens seien diese realistisch, findet sie. An der Qualität will sie jedoch keinesfalls etwas ändern. Dennoch muss auch sie sich zugestehen, dass es langfristig eng werden könnte. Das schüchtert sie allerdings nicht ein: „Wir machen weiter wie bisher und finden einen Weg.“

Burnickl unterstreicht: „Man muss kreativ bleiben. Du kannst nicht den Kopf in den Sand stecken.“ Er setzt hoffnungsvoll auf neue Umsatzquellen. Seit November biete seine Kaffeerösterei auch Frühstück und Kaffeemaschinen an. Er bleibt positiv gestimmt: „Aufhören ist für uns keine Option. Durchhalten ist die Devise. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir bis Mitte oder Ende 2026 wieder reguläre Preise haben.“

„Neue Realität“ für Kaffeeröstereien im Landkreis Neumarkt

Vittorio Ceffalia, Inhaber der Kaffeerösterei Nerakka in Neumarkt, ist da anderer Meinung. Er spricht von einer „neuen Realität“ mit der wir nun vorliebnehmen müssten. Er gibt zu: „Das ist auch für mich nicht mehr witzig. Wir müssen alle gucken, dass wir überleben.“ Die Preise könne er nicht mehr länger abfedern. Jedoch sieht er seinen Vorteil darin, dass seine Kunden gut informiert seien und die Zahlungsbereitschaft für seinen „Speciality coffee“ höher sei. Dennoch werden manche auf billigere Angebote umschwenken. Er müsse, wie die anderen auch, einen langen Atem haben.

Seine Überzeugung ändert das aber nicht: „Wir werden weiter Kaffee trinken. Ich glaub‘ das ist der schönste Luxus, den man sich leisten kann.“ Deshalb appelliert er auch an Verbraucher, ihr Konsumverhalten zu überdenken: „Wir müssen uns bewusst werden: Kaffee ist ein Genussmittel. Dementsprechend sollten wir bewusster trinken und wertschätzender damit umgehen.“