Wirtschafts-Staatssekretär Gotthardt steht beim Unternehmertreff in Roding Rede und Antwort

Von Mittelbayerische Zeitung · 16. April 2025 um 05:00

Schon lange ist es Rodings Bürgermeisterin Alexandra Riedl ein Anliegen gewesen, ihren in ihrer Amtszeit ersten Unternehmertreff wieder ins Leben zu rufen. Erfreulich viele Unternehmer aus allen Branchen waren der Einladung in die urige Hütte der RODwuid-OASE in der Stadthalle Roding gefolgt.

Als Gäste hieß die Bürgermeisterin unter anderem den Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Tobias Gotthardt, und Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler willkommen. Auch die Landtagsabgeordneten Dr. Gerhard Hopp und Julian Preidl sowie der Leiter der IHK-Geschäftsstelle Cham, Richard Brunner, und Siegfried Bäumler von der Agentur für Arbeit in Schwandorf wohnten der interessanten und informativen Veranstaltung bei.

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Großes Lob zollte Alexandra Riedl zu Beginn den Rodinger Unternehmern, die trotz der aktuell widrigen Zeiten und der momentan instabilen Wirtschaft Großartiges leisten. Nur durch deren hervorragende Arbeit und der daraus resultierenden Steuereinnahmen könnten in Roding die dringend notwendigen Pflichtaufgaben erfüllt werden. Die Stadt Roding setze alles daran, die ansässigen Firmen zu unterstützen und ihnen die bestmöglichen Voraussetzungen zu bieten. Dazu gehören unter anderem die Infrastruktur mit dem Ausbau der B85, der Ausbau der digitalen Infrastruktur durch den Eigenbetrieb des Landkreises und die Bereitstellung notwendiger Flächen.

Bürgermeisterin zitiert Altkanzler Helmut Kohl

Die Bürgermeisterin zitierte den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, dessen vor Jahren getätigte Ausspruch nicht besser in unsere Zeit hätte passen können: „Von zentraler Bedeutung für unternehmerisches Risiko und Risikobereitschaft sind vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen. Leistung darf nicht länger bestraft werden. In einer freien Gesellschaft hat derjenige, der aus freien Stücken fleißiger ist als andere, der mehr arbeitet, der mehr riskiert und sich mehr engagiert, einen – auch moralisch begründeten – Anspruch auf höheren Lohn und auf höheren Gewinn. Leistung muss sich wieder lohnen.“

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Landrat Franz Löffler begrüßte den guten und wichtigen Dialog beim Unternehmertreff, denn ohne Wirtschaft sei alles nichts, umso mehr in diesen sehr bewegten Zeiten. Großes Lob sprach er der Unternehmerschaft für die vielen und hochwertigen Arbeitsplätze in unserer Region aus, mit einer sensationellen Vollbeschäftigung (im Sommer 2024 über 97 Prozent) und mit weltweit konkurrenzfähigen Produkten. Sorgenfalten bereite ihm aktuell ein einzelner Mann in den USA, „der die ganze Welt durcheinander bringt“ in einer ungeahnten Dimension. Deshalb müsse sich unser Land sicherheitspolitisch und wirtschaftlich neu orientieren, so der Landrat. Neue Märkte gelte es zu erschließen mit neuen Chancen für die Unternehmer. Wichtig dabei sei eine stabile Regierung, die möglichst gute Rahmenbedingungen für die heimischen Unternehmer schaffe. Auf Wunsch ging der Landrat in kurzen Zügen auf einzelne Punkte des neuen Koalitionsvertrags ein. Nach seiner Einschätzung wird sich beim Thema Migration etwas ändern. Bei der Unternehmenssteuer bedürfe es einer Reform und Anreizen für mehr Investitionen. Die Stromsteuer müsse sofort gesenkt werden, und zwar auf das europäische Mindestmaß, die E-Mobilität müsse gefördert werden, gleichzeitig dürfe der Verbrenner aber nicht degradiert werden, die Hightech Agenda verlange mehr Engagement für die Technologieoffensive, und ein massiver Bürokratieabbau sei enorm wichtig. Der Straßenbau in unserer Region, hier vor allem die B85 zwischen Roding und Altenkreith, und die infrastrukturellen Strukturen, hier der Eigenbetrieb digitale Infrastruktur, seien enorm wichtig und würden das Land nach vorne bringen.

Herausfordernden Rahmenbedingungen für die Wirtschaft

Staatssekretär Tobias Gotthardt sprach von herausfordernden Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, denn „wenn der Weltmarkt nicht mehr läuft, geht's auch im eigenen Land nicht mehr gut!“ Aber der neue Koalitionsvertrag mache Hoffnung. Es wurden viele angemahnte Veränderungen berücksichtigt, es stecken viele Ideen darin, und Reformen müssten schnell angegangen werden. Schlagworte wie Simplification, Diversification, Mindset, Innovation und Transformation wurden jeweils mit Beispielen erläutert. Gerade für Bayern sei eine Entbürokratisierung, die Vereinfachung von Verwaltungsprozessen mit der Abschaffung von unnötigen Gesetzen, wichtig. Deutschland müsse wieder wettbewerbsfähig werden und die deutschen Interessen müssen in Brüssel wieder besser vertreten werden. Neue Märkte müssen erschlossen werden und Genehmigungsprozesse müssen verkürzt bzw. beschleunigt werden.

„Die Politik kann die Ziele vorgeben, aber den Weg dahin müssen die Unternehmen machen.“

Staatssekretär Tobias Gotthardt

Ein Merkmal für Bayern und „besser als überall anders auf der Welt“ seien die Innovationen, die es gelte, direkt zu fördern. Es muss eine Rückkehr zur Förderung der E-Mobilität geben und die Technologieoffenheit muss weiterhin zugelassen werden. „Die Politik kann die Ziele vorgeben, aber den Weg dahin müssen die Unternehmen machen“, so Tobias Gotthardt, und weiter: „Wir müssen aus dem Ganzen für Bayern eine Politik machen, die alles zulässt, denn Bayern ist stark, weil wir alles haben!“ Der Staatssekretär sprach den Rodinger Unternehmern Mut zu und versprach, bei allen Problemen eine Lösung für das Unternehmen zu finden. Im Anschluss standen die Politiker für Fragen und Anregungen zur Verfügung. Hier wurden vor allem die komplizierten Steuergesetze moniert oder auch zu lange dauernde Genehmigungsverfahren.

Abschließend dankte Bürgermeisterin Riedl allen für den konstruktiven Austausch und machte noch Werbung für den Tag der offenen Stadt am 19. Oktober 2025, bei dem alle Firmen und Geschäfte die Möglichkeit haben, sich der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Gerne werde sie auch Einladungen zu Firmenbesichtigungen nachkommen, wenn diese gewünscht werden.

Zahlen und Fakten

Roding: 1355 gemeldete Gewerbebetriebe, darunter 470 umsatzsteuerpflichtige Unternehmen, 12,43 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen im Jahr 2024, 8100 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, 1400 geringfügig Beschäftigte, 251 Arbeitslose (Stand 30. Juni 2024)

Mit einem gemütlichen Weißwurstfrühstück an „branchenübergreifenden Tischen“ klang der Unternehmertreff aus.
„Bayern ist stark, weil wir alles haben“, so Staatssekretär Tobias Gotthardt.
Erfreut zeigte sich Bürgermeisterin Alexandra Riedl über die große Resonanz beim Unternehmertreff.