Nach Brand und Evakuierung im Kloster Strahlfeld: „Schützende Hand war mit im Spiel“

Von Oliver Hausladen · 14. April 2025 um 19:00

Fast 300 Einsatzkräfte waren bei Brand und Evakuierung des Klosters Strahlfeld im Landkreis Cham gefordert. Ihrem Einsatz und dem von Schwestern, welche die Flammen gleich bekämpften, sei es zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passiert sei, ist die Klosterleitung sicher. Trotzdem wird es noch eine Weile dauern, bis alles wieder normal läuft.

Das beherzte Eingreifen von Schwestern und den schnell herbeigeeilten Hilfskräften habe dazu maßgeblich beigetragen, dass niemand ernsthaft verletzt wurde und die Flammen nicht etwa auf das Dach übergriffen. „Und es war auch eine schützende Hand mit im Spiel“, sind sich Spagl und die Klosterleitung sicher.

Brennende Kerze war der Auslöser

Kleiner Auslöser des großen Einsatzes mit fast 300 Einsatzkräften vor Ort war eine Kerze, die einer älteren Bewohnerin wohl heruntergefallen ist und wahrscheinlich einen Läufer im Zimmer anzündete. Schlimmeres verhindert haben einige der afrikanischen Schwestern, die im Kloster leben. Eine von ihnen bemerkte in ihrem Nachtdienst Rauch und informierte sofort andere Schwestern. Diese reagierten schnell und schafften es, das Feuer zu löschen, bevor die Feuerwehr eingreifen musste.

Mutig, ruhig und schnell sei gehandelt worden, unterstreicht die Klosterleitung. „Während des Löschens wurde die betreffende Schwester, die sich zum Glück nicht in ihrem Bett, sondern in der Nasszelle befand, aus dem Zimmer geholt und dadurch vor schwersten Verletzungen oder gar dem Tod bewahrt“, so Schwester Geraldine. Acht Bewohnerinnen mussten kurzzeitig wegen Rauchvergiftungen in Krankenhäuser gebracht werden, mittlerweile sind aber alle wohlbehalten zurück.

Strukturierung des Einsatzes beeindruckte

Beeindruckt haben die Schwestern die „hervorragende Strukturierung“ von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Notfallseelsorge. Die Helfer seien in kürzester Zeit vor Ort gewesen. So hätten der Abend und die frühen Morgenstunden nach der Evakuierung von 66 Personen aus dem Schwestern-Seniorenheim ruhig und geordnet über die Bühne gehen können.

Die Kloster- und Geschäftsleitung loben dabei die einfühlsame Behandlung der teils sehr betagten Bewohner durch die verschiedenen Hilfsorganisationen. Die Helfer hätten die Lage schnell erkannt und verhindern können, dass das Feuer etwa auf das Dach des denkmalgeschützten Gebäudes übergriff, was weit schwerwiegendere Konsequenzen nach sich gezogen hätte. Auch schafften sie es, den Rauch aus dem Gebäude zu bringen. „Das ist sehr professionell abgelaufen“, berichtet Spagl.

Dachten viele nach der Brandnacht, die Aufregung sei vorbei und es könne wieder Ruhe einkehren, so sahen sich die Schwestern getäuscht und vor große Herausforderungen gestellt: Die Zimmer in Nähe der Brandursache und die darüber im zweiten Stockwerk mussten für eine umfangreiche Brandsanierung komplett geräumt werden. Alle Schwestern müssen zeitweise in ein anderes Zimmer umziehen und diese Strapazen in hohem Alter und oft pflegebedürftigen Zustand auf sich nehmen. „Aber sie tun das gern, da alle dankbar für den guten Ausgang des Brandes sind“, betont Schwester Geraldine. Außerdem packten alle Mitarbeiter des Klosters kräftig an, wo es nötig sei.

Spezialfirmen sind im Einsatz

Bis wieder komplett Normalität einzieht wird es noch dauern, berichtet Spagl. So mussten etwa alle Medikamente und elektronischen Geräte im betroffenen Bereich entsorgt werden, da sie mit Rußpartikeln kontaminiert waren. „Das muss jetzt alles wieder neu organisiert werden“, erläutert der Abteilungsleiter. Auch müssen sämtliche Vorhänge, Kleidung, Bettlaken, Kissen und so weiter von Spezialfirmen gereinigt werden. Sechs bis acht Wochen werde dies noch in Anspruch nehmen. „Wenn man den ganzen Aufwand sieht, der nötig ist, versteht man auch die geschätzte Schadenssumme von 400 000 Euro“, so Spagl.

Künftig werde man weitere Verbesserungen im Brandschutz anstreben, kündigt der Abteilungsleiter an, so sollen etwa noch zusätzliche Rauchmelder installiert werden. „Wir halten die Vorschriften jetzt schon ein, werden aber versuchen, das Risiko weiter zu minimieren“, sagt Spagl – eine weitere Brandnacht wollen er und die Schwestern nicht erleben müssen.

Gästebereich läuft normal

Für den Rest des Klosterbetriebs habe der Brand keinerlei Auswirkungen, betont Spagl: „Der Gästebereich ist nicht tangiert. Übernachtungen, Kurse und Seminare laufen ganz normal weiter.“

Freude über große Anteilnahme

Besuch am Tag nach dem Brand: Ein berührendes Ereignis der Anteilnahme erfuhren die Schwestern des Klosters Strahlfeld bereits am Tag nach dem Brand.

Regelmäßiger Kontakt: Kinder aus dem Neubäuer Kindergarten, die bei Festen und Feiern regelmäßig Kontakt zur Krankenstation und der Seniorentagesstätte des Klosters Strahlfeld halten, kamen, um ihr Mitgefühl auszusprechen.

Karte und Spende: Sie hatten eine Herzkarte mit einem lieben Spruch gebastelt und eine Spende gesammelt, die in einem Umschlag überreicht wurde. Diese Geste war derart liebevoll und anrührend, dass die Schwester, die das Geschenk entgegennahm, ihre Tränen nur mit Mühe zurückhalten konnte.

Mitgefühl übermittelt: Auch andere Klöster, Organisationen und Privatleute übermittelten ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung, berichtet Schwester Geraldine, wofür sie gemeinsam mit ihren Mitschwestern sehr dankbar sei.

Der Kindergarten Neubäu übergab Herzchen und Spende. Foto: Kloster Strahlfeld
Einige Bewohnerinnen mussten umziehen. Foto: Kloster Strahlfeld
Komplett verwüstet ist das Zimmer, in dem der Brand ausbrach.