Kurse statt Kirchensteuer: Wie sich das Kloster Strahlfeld in Roding selbst finanziert

Von Oliver Hausladen · 12. Juni 2023 um 15:00

„Von der Kirchensteuer bekommen wir so gut wie nichts“, sagt Ludwig Spagl, der im Kloster Strahlfeld für Wirtschaft und Finanzen zuständig ist – und räumt damit mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf. Fast der ganze Unterhalt muss daher selbst erwirtschaftet werden, was durch etwa das Kursprogramm, den Klosterladen und die Übernachtungen im „Haus der Begegnung“ oder auch die Seniorentagesstätte erreicht werden soll.

Es sei nicht einfach, erläutert Spagl, aber: „Wenn man am Ball bleibt und etwa das Kursangebot kontinuierlich ausbaut und verändert, geht es. Man muss am Puls der Zeit und weltoffen bleiben.“

Ein wichtiger Baustein der Finanzierung ist das „Haus der Begegnung“. Dessen Räumlichkeiten verteilen sich auf drei Häuser. Im „Haus Katharina“ und im „Haus Theresia“ befinden sich 58 Gästezimmer mit insgesamt 100 Betten. Dazu kommen Gemeinschaftsräume, verschiedene Besprechungszimmer und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.

Im Seminarhaus liegt der Schwerpunkt auf dem Seminar- und Kulturbetrieb mit entsprechenden Kurs- und Veranstaltungsräumen. Unterschiedlichste Zielgruppen wie Behörden, kirchliche Vereine, Verbände, Pfarrgruppen, Interessenvertretungen, Chöre oder Schulen nehmen die Angebote an, oft auch regelmäßig, berichtet Spagl, so sei etwa die bayerische Verwaltungsschule aus München oft zu Gast. „Im Kloster lässt es sich oft auch besser lernen und lehren als an anderen Orten“, ist Spagl sich sicher.

„Immer auch Neues bieten“

Das Kursprogramm ist äußerst vielfältig und läuft nach dem Ende der Corona-Beschränkungen wieder auf Hochtouren. Allein 49 eigene Kurse bietet das Team um Elke Memmel 2023 im „Haus der Begegnung“ an, die Themenpalette reicht über Entspannung, Yoga, Stressbewältigung, Malen, Kalligraphie, Kräuterkunde über Tanz- und Wohlfühltage und Bachblütenseminare bis zu Schreibseminaren, einer „Klangschalenauszeit“ oder einem Malseminar. Im Mittelpunkt stehen Körper und Geist, die „Ganzheit des Menschen“. Es sei auch wichtig, immer wieder etwas Neues zu bieten, betont Spagl, aber: „Es muss schon zum Kloster passen.“ Auch Einkehrtage werden regelmäßig angeboten.

Ebenso trägt auch umfangreich bestückter ein Klosterladen dazu bei, dass der Betrieb finanziell am Laufen bleibt.

Generell gehe es auch darum, zu zeigen, was hinter den (dicken) Mauern des Klosters alles abläuft, „es ist viel weltoffener, als viele glauben“, erzählt Spagl.

Trotzdem würden zahlreiche Seminarteilnehmer und Übernachtungsgäste die Ruhe, die das Kloster bietet und ausstrahlt, äußerst anregend finden, „viele kommen deshalb auch gerne wieder.“

Kloster ist energieautark

Für Strom muss übrigens kein Geld ausgegeben werden: Durch Photovoltaikanlagen und ein Blockheizkraftwerk ist das Kloster energieautark.

Ein weiteres finanzielles Standbein ist die Seniorentagesstätte auf dem Klostergelände, die 20 Plätze bietet und gut genutzt wird. „Wir müssen immer schauen, was wir auf dem Gelände verwirklichen können, was Sinn macht und auch passt. Das ist auch in diesem Fall gut gelungen“, sagt Spagl. Möglich sei dies nur im Team von Schwestern und den Mitarbeitern, betont er.

Zu zeigen, was die Strahlfelder Schwestern und die Mitarbeiter im Kloster tun, soll aber nicht nur innerhalb der Mauern geschehen. So waren die Schwestern etwa vor kurzem mit einem Stand auf der Rodinger Messe, um über sich, ihre Aufgaben und die Möglichkeiten, die das Kloster bietet, zu informieren. „Es ist wichtig, rauszugehen“, unterstreicht Spagl.

Weltweit gefragt

40 bis 50 Kurse jährlich: Weit über die Grenzen des Landkreises bekannt ist das Kloster durch Schwester Jubilata Marder und ihre Fußreflexzone – sogar bis aus Neuseeland reisten schon Gäste extra dafür an. Sie gibt jährlich 40 bis 50 Kurse jährlich.

Verantwortlich für das Kursprogramm: Die Dominikanerinnen-Schwestern Waltraud und Astrid haben das Kurs- und Seminarprogramm gemeinsam mit Elke Memmel, Petra Wiederer und Martina Gruber erstellt.

Informationen und Anmeldung: Weitere Informationen zum Kursprogramm und Anmeldungen unter Tel. (09461) 91120, per Email an hdb@kloster-strahlfeld.de und im Internet unter www.hdb-kloster-strahlfeld.de

Um ihr Programm und ihr Wirken vorzustellen, gehen Schwestern und Mitarbeiter auch oft aus dem Kloster hinaus, vor kurzem etwa hatten sie einen Stand bei der Rodinger Messe. Foto: Simon Tschannerl
Ein nicht zu unterschätzender Faktor für das finanzielle Auskommen ist der Klosterladen in Strahlfeld, in dem zahlreiche Produkte angeboten werden. Foto: Kloster Strahlfeld