Kloster Strahlfeld bei Roding: Mit Hilfe aus Afrika in die Zukunft

Vielen Klöstern in Deutschland droht das Aus. Der Grund: Den Ordensgemeinschaften fehlt der Nachwuchs. Das Kloster Strahlfeld bei Roding hat aber eine Alternative in Form eines speziellen „Nachwuchsprogramms“.
„In Europa gibt es praktisch keine jungen Frauen mehr, die eintreten“, berichtet Schwester Astrid Hermes, Priorin des Dominikanerinnen-Klosters in Strahlfeld. Wie das Kloster mit seiner Kultur und seiner Werte trotzdem zu retten ist? Indem junge Schwestern aus Afrika integriert werden. Das klappe gut, berichtet auch Regionalpriorin Flavia Büglmeier. Profitiert werde dabei von den Erfahrungen und Kontakten, welche die deutschen Schwestern in der Vergangenheit in Afrika reichlich gesammelt haben.
Hoher Altersdurchschnitt
Die Altersstruktur der 65 deutschen Schwestern im Kloster (der Durschnitt liegt bei 84 Jahren) mache es erforderlich, „Neuland unter den Pflug zu nehmen“, betonen die beiden Schwestern sowie Ludwig Spagl, der die Abteilung Wirtschaft und Finanzen des Klosters leitet. Das Generalkapitel (höchste Entscheidungsinstanz der Kongregation) hat sich im August 2022 dafür ausgesprochen, Strahlfeld zu erhalten und mit der Unterstützung von Schwestern aus Kenia, Sambia und Simbabwe weiterzuführen. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagen die Schwestern aus Strahlfeld. Nun gelte es, dasKlosterlebenzukunftsfähig zu gestalten.
Inzwischen leben sieben Schwestern (drei aus Simbabwe, vier aus Sambia) in der Strahlfelder Gemeinschaft. Dazu kommen drei junge Schwestern aus Kenia und Sambia, die im Rahmen ihrer Ordensausbildung zwei Jahre die Gemeinschaft des Klosters unterstützen.
Seit Januar 2023 ist Schwester Maureen Miselo aus Sambia, die seit sechs Jahren in Deutschland lebt, die Assistentin der Priorin des Klosters St. Dominikus, auch auf der Führungsebene muss und soll künftig auf Schwestern aus Afrika gesetzt werden. Schwester Maureen nimmt deshalb zur Zeit (gemeinsam mit der Regionalpriorin) an einem Fortbildungskurs für „Verantwortliche in Ordensgemeinschaften“ in Wien teil.
Die sechs anderen afrikanischen Schwestern sind in verschiedenen Bereichen des Klosters eingesetzt. Eine arbeitet auf der Kranken- und Pflegeabteilung und gehört dort zum Team der Mitarbeiterinnen. Zwei weitere helfen in der Krankenabteilung zeitweise mit. Eine Schwester ist im hauswirtschaftlichen Bereich tätig, unter anderem im Nähzimmer. Zwei Schwestern aus Sambia sind erst kurz in Deutschland und lernen eifrig die Sprache.
Zusammenleben klappt gut
Das Zusammenleben klappe sehr gut. Zwar gäbe es, wie überall, kleine Anpassungsprobleme, die Afrikanerinnen sind aber beispielsweise das Klosterleben und die Regeln der Missionsdominikanerinnen schon gewohnt. Außerdem waren viele der deutschen Schwestern früher in der Missionsarbeit in Afrika tätig, wodurch bereits teilweise enge Kontakte entstanden sind.
Der erste Schritt ist damit auf dem Neuland für das Kloster Strahlfeld bereits gegangen, weitere sollen folgen. Es sei sehr wichtig und für das Zusammenleben entscheidend, dass die afrikanischen Schwestern die deutsche Sprache gründlich lernen, erläutern die Strahlfelder Schwestern. Deshalb absolvieren sie zuerst alle Sprachkurse in Regensburg. Durch die Teilnahme an Veranstaltungen, etwa am interkulturellen Nachmittag in Roding,, Besuche in Schulen oder Kindergärten und durch die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten in anderen Pfarreien lernen die Schwestern zudem etwas über die deutsche Kultur, treffen junge und ältere Menschen und können sich dabei in der deutschen Sprache üben.
Das Miteinander von europäischen und afrikanischen Schwestern sei im Grunde nichts Neues, berichten die Schwestern Astrid und Flavia. Die Missionsdominikanerinnen seien eine internationale Gemeinschaft,lebten und arbeiteten in Afrika seit Jahren zusammen. Eine der Schwestern fasste es so zusammen: „Wir sind hier und wollen miteinander arbeiten, denn unsere Mission geht weiter – mit den Schwestern aus Deutschland und Afrika“.
„Froh über diese Chance“
Die Unterstützung aus Afrika biete für die deutschen Schwestern zudem den Vorteil, dass sie auch im hohen Alter im Kloster Strahlfeld bleiben können und dort versorgt werden.
„Wir sind sehr froh, dass wir die Chance haben, das Kloster auf diese Weise zu erhalten“, erzählen die Schwestern – ansonsten gäbe es wohl auch im Strahlfeld keine Chance, dem Klostersterben zu entgehen.
Der Orden
Dominikanische Familie:Die Missionsdominikanerinnen vom Heiligsten Herzen Jesu, Strahlfeld, gehören zur Dominikanischen Familie, eine international engagierte Kongregation, die 1891 in Simbabwe (damals Rhodesien) begann und 1922 von Rom anerkannt wurde.
International aktiv:Derzeit leben 250 Schwestern in Simbabwe, Sambia, Kenia, Kolumbien, England und Deutschland. Sie sind im schulischen, pflegerischen, pastoralen und sozialen Dienst engagiert. Der Generalat sitzt in Gossops Green, Crawley, England.
In der Region: In der Diözese Regensburg leben die Schwestern im Kloster St. Dominikus im Strahlfeld sowie im Alten- und Pflegeheim der Caritas in Roding. In Strahlfeld führen sie das „Haus der Begegnung“ als Bildungs- und Begegnungsstätte.
Gebet und Weltoffenheit: Ihre Sendung wollen die Schwestern heute durch Gebet, Weltoffenheit und Gastfreundschaft leben. Sie freuen sich, dass jedes Jahr afrikanische Mitschwestern mit zeitlichen Gelübden für ein Jahr nach Strahlfeld kommen können. Die jüngste deutsche Schwester ist im pastoralen Dienst der Diözese Regensburg tätig.
Werte des Evangeliums:Als Missionsdominikanerinnen leben die Schwestern nach den Werten des Evangeliums und „fördern alles, was dem Leben dient“. In Zusammenarbeit mit anderen soll ein Lebensraum gestaltet werden, der allen helfen soll, „in ihrem Leben Sinn, Heilung und Ganzheit zu finden“.