Holt die Mütterrente Frauen aus der Armut? Das sagen Regensburger Verbände

Von Marion Neumann · 14. April 2025 um 17:00

„Gleiche Wertschätzung und Anerkennung für alle Mütter“: Das soll eine Ausweitung der Mütterrente im Koalitionsvertrag versprechen. Inwieweit die Pläne der neuen Regierung das Armutsrisiko älterer Frauen senken würde und warum die Neuregelung dennoch kein Allheilmittel ist, erklären Vertreter der Caritas und des Frauenbundes aus Regensburg.

„Gleiche Wertschätzung und Anerkennung für alle Mütter“: Das soll eine Ausweitung der sogenannten Mütterrente im Koalitionsvertrag versprechen. Mit den Plänen für die „Mütterrente III“ sollen Rentenpunkte rückwirkend und unabhängig vom Geburtsjahr der Kinder vereinheitlicht werden. Ein Vorhaben, das sich im Wahlkampf die CSU auf die Fahnen geschrieben hatte – und von dem, wenn die Pläne Wirklichkeit werden, eine Vielzahl von Rentnerinnen profitieren könnten.

Unumstritten ist das geplante Vorhaben jedoch nicht. Die Ausweitung der Mütterrente würde nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung rund fünf Milliarden Euro im Jahr kosten. Auch, ob es sich dabei um ein zukunftsträchtiges Vorhaben zur Reduzierung von Altersarmut handelt, wird diskutiert.

Mütterrente könnte „kleine Gerechtigkeitslücke“ schließen

Bei Verbänden und sozialen Einrichtungen in der Region sind die Pläne der neuen Regierung ebenfalls ein Thema. „Grundsätzlich würden wir eine solche Regelung begrüßen“, sagt Dr. Robert Seitz, Abteilungsleiter Bildung und Soziales beim Diözesan-Caritasverband Regensburg. In die Sozialberatung der Caritas kommen nicht selten eben jene älteren Mütter, die von der Grundsicherung leben, da die Rente zu niedrig sei.

„Meiner Kollegin Claudia Ebenhöh aus der Allgemeinen Sozialberatung sind auf Anhieb zwei bis drei Betroffene eingefallen, für die eine Neuregelung der Mütterrente das Armutsrisiko senken würde“, sagt er. Auch unter den Bedürftigen, die für eine warme Mahlzeit in die Fürstliche Notstandsküche kommen, seien viele Mütter. „Die Not ist in vielen Fällen spürbar.“ Seitz betont, dass man als Gesellschaft für diese Fälle eine Verantwortung habe. „Natürlich muss die Finanzierbarkeit des Gesamtpakets beachtet werden. Auch für andere Sozialleistungen muss genug da sein. Aber so könnte man eine kleine Gerechtigkeitslücke schließen.“

Dr. Robert Seitz ist Abteilungsleiter für Bildung und Soziales beim Diözesan-Caritasverband. - Foto: Sonja Och

Frauenbund: „Ohne Mütter gibt es keine Zukunft“

„Ohne Mütter gibt es keine Zukunft“, sagt Martha Bauer, Regensburger Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes. Für die Anerkennung „mütterlicher Lebensleistungen“ zu kämpfen, habe man beim Verband täglich im Blick. „Mütter erziehen Kinder und pflegen Angehörige. Diese Care-Arbeit ist unsichtbar – und sie findet in der Zeit statt, in der andere Geld verdienen.“

Eine Anpassung der Mütterrente sei einer der Bausteine, um zu verhindern, dass Frauen in die Altersarmut rutschen. „Für Frauen, die Kinder erzogen haben, ist das ein wichtiges Zubrot“, sagt sie. „Die Frauen, die vor 1992 Kinder bekommen haben, werden die nächste Generation Rentnerinnen sein. Dass sie den dritten Rentenpunkt komplett bekommen, ist einfach nur gerecht.“

Info: Anerkennung von Erziehungszeiten

• Beiträge: Wer Kinder großzieht, bekommt dafür in der gesetzlichen Rentenversicherung Pflichtbeiträge gutgeschrieben. Dafür erhält er für diese Zeit später mehr Rente. Die sogenannte Mütterrente gibt es seit Juli 2014. Der Begriff steht für „eine erweiterte und verbesserte rentenrechtliche Anerkennung von Erziehungszeiten für Kinder“ und führt zu höheren Rentenansprüchen.

• Reform: Zu Verbesserungen bei der Anerkennung von Erziehungszeiten trat 2019 die Mütterrente II in Kraft. Seit dieser Reform erhalten Erziehende für jedes vor 1992 geborene Kind bis zu 2,5 Erziehungsjahre auf das Rentenkonto angerechnet. Mit der geplanten Mütterrente III sollen dann auch für vor 1992 geborene Kinder drei Erziehungsjahre bei der Rente angerechnet werden.

• Anspruch: Anders als der Name vermuten lässt, haben nicht nur Mütter Anspruch, sondern derjenige Elternteil, der die Kinder überwiegend erzogen hat. Das können auch Väter, Teile gleichgeschlechtlicher Paare, Adoptiv-, Pflege- und Stiefeltern sowie Großeltern oder Verwandte sein.

Mütterrente: Nur eine Säule für die Altersvorsorge

Obwohl die Anpassung wichtig sei, warnt Bauer jedoch: Mit der Mütterrente allein werde es mit der Rentenfinanzierung nicht klappen. „Sich nur auf diese Säule zu verlassen, ist zu wenig.“ Frauen sollten sich stattdessen schon in jungen Jahren mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen. „Viele gehen das erst kurz vor dem Renteneintritt an – und manchmal ist es dann zu spät für eine private Altersvorsorge.“ Mitglieder des Frauenbundes könnten sich beispielsweise unabhängig beim Verbraucherservice Bayern beraten lassen. „Man sollte sich langfristig und frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen, damit es einen nicht später im Leben mit voller Wucht trifft“, so die Vorsitzende. Kritisch sei auch, wenn Frauen durchgehend in Mini-Jobs arbeiten würden. „Für einen kurzen Zeitraum ist das in Ordnung. Aber als Hauptmodell für die Zukunft ist das sehr schwierig.“

Martha Bauer ist die Regensburger Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes. - Foto: Harald Kraus

Frauen mit „gebrochenen Erwerbsbiografien“

Wie groß die Gefahr für ältere Frauen ist, im Alter in Armut zu leben, macht auch das Amt für Soziales der Stadt deutlich. Gerade jene Frauen, die in den 1960er bis in die frühen 1990er-Jahre Kinder zur Welt gebracht haben, hätten „oft gebrochene Erwerbsbiografien“. Die „Armutsgefährdung“ in der Altersgruppe der über 65-jährigen Frauen liege bei über 20 Prozent – jede fünfte Frau davon sei von Armut bedroht. Mit zunehmendem Alter steige die Quote sogar noch. Die Mütterrente treffe „insofern die Zielgruppe der älteren Frauen sehr genau“ und könne daher „als geeignetes Instrument gegen Altersarmut“ bezeichnet werden.