Umsatzsteuer in Gastro soll sinken: Macht Regierung Schweinsbraten in Regensburg billiger?

Von Philip Hell · 14. April 2025 um 05:00

Da ist das Ding: Mitte der Woche haben Union und SPD den Koalitionsvertrag präsentiert. Die neue Regierung möchte dem Kontrakt zufolge die Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie ab dem kommenden Jahr von 19 Prozent auf sieben Prozent senken. Eine Umfrage unter Wirten in Regensburg zeigt: Billiger wird es wohl nicht – aus guten Gründen.

Anton Sperger ist Wirt im Spitalgarten und Chef des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands in Regensburg. Er habe fest mit der Steuersenkung gerechnet, sie sei schließlich schon im Wahlkampf versprochen worden. „Aber bei der Politik weiß man nie.“ Der Schritt sei wichtig und richtig – billiger werde das Essen allerdings wohl eher nicht.

„Aber man muss die Entwicklung abwarten.“ Klar sei jedenfalls, dass die Wirte derzeit mit vielen Problemen zu kämpfen haben. „Unser Gewerbe ist personal- und kostenintensiv.“ Jeder Gastronom müsse hart kalkulieren, um rentabel zu arbeiten. „Wir müssen unser Geld Schweinsbraten für Schweinsbraten verdienen.“ Daher sei die Steuersenkung viel eher „ein Garant für Preisstabilität.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass die Preise für die Gäste nun flächendeckend sinken.

Druck auf Regensburger Wirten: „Die Preise gehen gerade durch die Decke“

Das sieht auch Tom Bockes so. Der Kult-Gastronom betreibt das Tarantinos und die Banane. Die Steuersenkung bringt nur in ersterem Lokal etwas – dort gibt es nämlich etwas zu essen. Die Pläne der Regierung? „Sehr, sehr gut.“ Bockes macht eine Rechnung auf: Ein Lokal mittlerer Größe macht etwa 20000 Euro Umsatz im Monat, die Hälfte davon mit Essen – das macht also 10000 Euro. „Früher gingen davon 1900 Euro weg, jetzt dann 700 Euro.“ Ein guter Tausender Unterschied also.

„Damit kann man was anfangen.“ Billiger wird es bei ihm allerdings wohl eher nicht – eben wegen des hohen Drucks, der auf Gastronomen wie ihm lastet. Energie, Löhne, Mieten: „Die Preise gehen gerade durch die Decke.“ Die Steuersenkung sei eine Art Rettung. „Es ist die einzige Chance, dass die Preise für die Gäste nicht ins Unermessliche steigen.“ Zumal damit eine Ungerechtigkeit ausgemerzt werde, da Lieferdienste bislang nur sieben Prozent Umsatzsteuer zahlen. „Das ist doch kompletter Unsinn.“ Billiger werde wohl keiner seiner Kollegen. „Es geht darum, vernünftig wirtschaften zu können.“

Weniger Umsatzsteuer würde helfen

Wobei: Einen Regensburger Gastronomen könnte es schon geben, der ein bisschen billiger wird. Elmar Vollath betreibt das Hacker-Pschorr-Wirtshaus im alten Augustiner Kloster unweit des Neupfarrplatz. Er habe gehofft, dass die neue Regelung noch vor der parlamentarischen Sommerpause in Kraft tritt. Sie soll aber erst am 1. Januar 2026 kommen – ein bisschen zu spät für ihn. „Der Umsatz ist nicht so gut wie in den vergangenen Jahren“ sagt Vollath. " Kaufhof, die angespannte Finanz-Situation vieler Familien oder die Hiobs-Botschaften von US-Präsident Donald Trump? Die Ursache für die Einbußen hat Vollath bislang noch nicht eruiert.

Was er aber weiß: „Weniger Umsatzsteuer würde uns beträchtlich helfen.“ Der Haken an der Sache: Auch der Mindestlohn soll steigen – das betrifft viele Gastronomen, auch Vollath. „Wenn ich den Aushilfskräften mehr zahle, muss ich auch den Festangestellten mehr zahlen.“ Der Abstand müsse schließlich gewahrt bleiben. Und dennoch: Vollath überlegt, die Steuersenkung an seine Kunden weiterzugeben. Ein bisschen zumindest. „Ein oder zwei Klassiker auf der Karte könnte man ein klein wenig billiger machen.“ Darüber hinaus möchte er zum Beispiel daran festhalten, dass Kinder weniger für kleine Portionen als Erwachsene zahlen. Auch das mache die Umsatzsteuersenkung möglich. „Wir haben jetzt ein klein wenig mehr Spielraum.“

Und was sagen die, die die neue Regelung – zumindest indirekt – mit ausgehandelt haben? Der Regensburger CSU-Abgeordnete Peter Aumer berichtet davon, dass ihm viele Wirte ihr Leid klagen. „Die Menschen gehen zwar noch immer gerne in die Lokale, aber eben nicht mehr so häufig oder sie bestellen einfach preisbewusster und weniger.“ Mit der geplanten Reduzierung des Steuersatzes schaffe die neue Regierung mehr Spielräume für Wirte – auch für „gastfreundlichere Preise“, wie es Aumer ausdrückt. „Ich gehe davon aus, dass wir so eine echte Verbesserung für die Situation der Gastronomie schaffen und wieder mehr Menschen in die Wirtshäuser gehen werden.“

Carolin Wagner (SPD) ist skeptisch

Etwas skeptischer ist da Carolin Wagner (SPD). „Am meisten profitieren dabei nicht der Italiener um die Ecke oder der urige Biergarten, sondern große Fastfood-Ketten.“ McDonald's und Co. sparten sich 500 Millionen Euro. „Es ist dabei völlig unklar, ob die Steuersenkung an die Gäste weitergegeben wird.“ Es bleibe Fakt, dass Menschen mit großem Geldbeutel öfter essen gingen und damit stärker von der Steuersenkung profitierten. Wagner fordert darüber hinaus, dass der Mindestlohn rasch auf 15 Euro erhöht wird. „Gerade Servicekräfte in Hotel- und Gastronomie müssen mehr verdienen, denn auch sie trifft die Inflation hart und auch sie wollen sich mal einen Restaurantbesuch gönnen.“