Unterwegs mit den Rengschburger Herzen: Franz Pietruska fotografiert „Facetten der Armut“

Von Tino Lex · 27. März 2025 um 16:00

Auch wenn man es nicht wahrhaben will: Armut ist in Deutschland allgegenwärtig. Fotograf Franz Petruska war mit Arno Birkenfelder vom Verein „Rengschburger Herzen“ in der Region Regensburg unterwegs und hat die „Facetten der Armut“ eingefangen – und die Einblicke im gleichnamigen Buch veröffentlicht.

Armut ist für viele Menschen ein schwieriges Thema. Hinzusehen, vielleicht zu helfen, in welcher Form auch immer, das tun nur wenige. Ganz sicher einer, der seit Jahren mit seinem Verein „Rengschburger Herzen“ hilft, sind Arno Birkenfelder und sein Team. Jetzt ist ein Fotograf auf den Herzen-Mann aufmerksam geworden, der in einem dreiviertel Jahr ein Buch hat entstehen lassen, dass sich mit den „Facetten der Armut“, so der Titel, beschäftigt. Bei Bücher Pustet in der Dombuchhandlung wurde das Buch nun vorgestellt.

„Da muss ich auch etwas tun“

„Ich habe Arno bei einer Benefiz-Veranstaltung getroffen und ihn über Armut reden hören und war überaus beeindruckt. Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Da muss ich auch etwas tun“, dachte sich der Fotograf. Arno lud ihn ein, einmal mitzufahren und die Ausgabe von Lebensmitteln und warmer Kleidung live mitzuerleben. „Es ging zum Bahnhof. Dort sprang ein junges Mädchen auf uns zu: ‚Die Herzen sind da, die Herzen sind da!‘ Die 19-Jährige freute sich. Es gab Essen und Kleidung.“ Pietruska konnte nach eigenen Angaben erst gar nicht fotografieren. Zu sehr stand er unter einem emotionalen Eindruck. Hier war sie allgegenwärtig: die Armut in Regensburg.

„Wie muss es denn erst in anderen Städten sein, wenn es hier im schönen, reichen Bayern bereits so schlimm ist“, fragte er und kam ins Gespräch mit Obdachlosen, die natürlich sehr zurückhaltend waren und nicht unbedingt ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden wollten. Das will auch Pietruska nicht. Er sprach mit den Menschen, hörte sich ihre Geschichten an, fuhr mehrere Male mit den Herzen zu den Brennpunkten der Stadt und daraus entstand eben dieses Buch: Facetten der Armut.

Birkenfelder schilderte indes die verschiedenen Arten der Armut, die es gebe. „Zum einen die bereits angesprochene Obdachlosigkeit, dann die Altersarmut – Menschen, die ihr Leben lang arbeiteten und die Rente reicht doch nicht – und die für mich schlimmste Form, die Einsamkeit, nicht mehr Teil der Gesellschaft zu sein.“ Niemand spricht mit einem, man fällt keinem auf, lebt zurückgezogen, geht nirgendwo hin. Sämtliche soziale Kontakte sind weggebrochen – daran zerbricht der Mensch. Dem entgegen stellen sich die Herzen mit aller Macht, die ihnen zur Verfügung steht. Das sind Lebensmittelspenden einiger Partner aus der Lebensmittel-Industrie und finanzielle Zuwendungen einiger Firmen, aber auch privater Sponsoren, die einen runden Geburtstag feiern und anstatt um Geschenke lieber um Spenden für die Herzen bitten.

Den Glauben verloren

Bei der Buchvorstellung liest Pietruska aus seinem mit Schwarzweiß-Fotografien illustrieren Buch die Episode mit „Karl“ vor, den er auf dem Neu-pfarrplatz kennengelernt hat. Karl hat den Glauben an die Menschen verloren: „Jeder schaut nur auf sich. Und wenn du lang genug allein bist, merkst du irgendwann: Es ist besser so“, zitiert Pietruska, der Karl gerne fotografiert hätte, aber: „Es fühlte sich falsch an, wenn ich ihn fotografiert hätte, als würde ich ihm damit noch ein Stücke seiner Würde nehmen.“ Das Buch, von dem ein Teil des Erlöses an die Rengschburger Herzen geht, ist in allen Filialen bei Pustet zu haben. „Es ist eine Einladung, hinzuschauen statt wehzusehen“, sagt Franz Pietruska, denn die Armut in der Region wachse – leise, schleichend, stetig.