Wohnungsnot in Regensburg verschärft sich weiter: „Die Leute haben Angst“

Von Christian Eckl · 25. März 2025 um 05:00

Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung bescheinigt Regensburg immer größere Lücke zwischen Nachfrage und Angebot bei Wohnraum. Ein Berater des Mieterbunds schildert, wie unter Mietern die pure Angst vor Kündigung umgeht. Und wieso man mit Kindern oder Haustieren oft eh keine Chance hat.

Wachstum ist etwas gutes. Zumindest, wenn es um die Wirtschaft geht. Es ermöglicht Wohlstand, bezahlt Beamtensold und Kindergärtnerinnen. Doch wenn die Bevölkerung wächst, das Angebot an Wohnraum aber nicht – gibt es ein Problem. Regensburg gehört, glaubt man den Experten vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), in Sachen Wohnraum zu den Gebieten mit den größten Wachstumsschmerzen – in ganz Deutschland. Den Zahlen zufolge toppt die Domstadt sogar München beim Bedarf an neuen Wohnungen.

Zahlen belegen: Der Neubau an Wohnungen in Regensburg hinkt deutlich dem Bedarf hinterher. So wurden im Jahr 2020 mehr als 1800 neue Wohnungen fertig. Im Jahr 2023 waren es deutlich weniger, nämlich lediglich etwa 1180. Dass sich das ändern wird, glauben die Experten des Bundesinstituts offenbar nicht.

Anna Maria Müther ist zuständig für das Referat Wohnungs- und Immobilienmärkte im Bundesinstitut und war an der Erstellung der Studie beteiligt. „Bezogen auf die Einwohnerzahl ist der Druck besonders ausgeprägt“, so Müther.

Druck in den Landkreis

Spitzenreiter ist Landshut. Pro Jahr sind es hier etwa 630 Wohnungen, die benötigt werden – 87 werden derzeit zu wenig gebaut. Regensburg folgt: Hier sind es im Schnitt 82,7 Wohnungen. Das klingt wenig, rechnet sich aber über die Jahre hoch. „Die Stadt Regensburg hat schon einen hohen Druck, dieser strahlt aber bereits auf den Landkreis aus“, sagt die Expertin. Demnach würden gerade Familien, die größere Wohnungen suchen, oft in den Landkreis ausweichen. Übrigens ist die Ursache nicht nur, dass Regensburg weiter wächst und in den vergangenen Jahren einen Zuzug von etwa 1000 Menschen pro Jahr verzeichnete. Vielmehr führt auch der Trend zu immer kleineren Haushalten und die zunehmende Zahl Alleinlebender zu einer Verknappung von Wohnraum.

„Die Leute haben Angst“, sagt Rechtsanwalt Sebastian Stopp. Er ist Stellvertretender Vorsitzender und Berater beim Mieterbund Regensburg. „Noch vor zwei, drei Jahren war die Situation nicht so gravierend“, sagt der Anwalt.

Etwa 50 bis 60 Beratungen führt der Mieterbund wöchentlich durch. „Ein großes Thema ist dabei die Schwierigkeit, eine neue Wohnung in der Stadt oder im Landkreis zu finden.“ Wenn es zu Streitereien mit dem Vermieter kommt, sagt der Berater des Mieterbunds, etwa wegen Schimmels in der Wohnung, dann sagten Vermieter häufig: „Dann zieh doch aus.“ Doch die Mieter würden dann viele Monate nach einer neuen Wohnung suchen, häufig ergebnislos. „Gerade Haushalte mit Kindern oder Haustieren haben es schwer“, sagt Stopp. Der Andrang auf freiwerdende Wohnungen sei riesig. „Man hat eine enorme Anzahl von Bewerbern.“

„Es gibt einfach zu wenige Wohnungen, deshalb ist der Markt so überhitzt“

Andererseits sei es ein Teufelskreis: Weil Wohnungen so rar sind, ziehen gerade ältere Menschen, deren Kinder längst ausgezogen sind, aus der großen nicht in eine kleinere Wohnung. „Es gibt einfach zu wenige Wohnungen, deshalb ist der Markt so überhitzt“, sagt Rechtsanwalt Stopp. „Erstens fehlen Neubauten und wenn, dann werden oft Premium-Mieten aufgerufen, die sich nur wenige leisten können.“ Instrumente wie der Mietspiegel federten da laut Stopp nur wenig ab.

Auch bei der Stadt geht man davon aus, dass der Wohnungsmarkt in Regensburg weiter angespannt bleibt: „In den vergangenen zehn Jahren sind in der Stadt Regensburg durchschnittlich rund 1300 Wohnungen pro Jahr neu entstanden, die vom Markt problemlos aufgenommen wurden“, heißt es von einer Sprecherin. Und weiter: „Angesichts der künftig zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung dürfte ein Neubauvolumen in dieser Größenordnung weiterhin notwendig sein.“ Wie berichtet, ist die Not vor allem bei den wirtschaftlich schwächeren Bevölkerungsgruppen größer geworden. Stadtbau-Chef Götz Keßler berichtete kürzlich der MZ, dass die Wartelisten für bezahlbaren Wohnraum immer länger werden.

Derzeit seien rund 2900 Haushalte bei uns auf der Warteliste auf der Suche nach bezahlbaren Mietwohnungen, so Keßler. Bis zum Herbst 2024 waren dies im Durchschnitt 1800 Haushalte. Die Stadtbau versucht, dagegenzuhalten – allerdings ist auch das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. So sollen allein im zweiten Bauabschnitt der Prinz-Leopold-Kaserne etwa 200 neue Stadtbau-Wohnungen gebaut werden – ausgeschrieben werden soll der Auftrag in diesem Jahr.

Nachverdichtung ist nötig

Großes Potenzial hätte Regensburg wohl noch mit einer Nachverdichtung. Großstädte wie Hamburg machen es vor. Der Bedarf an neuen Wohnungen kann laut BBSR sowohl durch Wohnungen in neuen Wohngebäuden „als auch den Umbau von Immobilien, Dachaufstockungen oder die Wiedernutzung von Leerstand gedeckt werden“, heißt es dazu in der Studie.