Der Postblock in Regensburg wird verkauft: Verliert die Stadt günstige Wohnungen?

Von Marion Koller · 11. Januar 2025 um 17:00

Der Gebäuderiegel an der Furtmayrstraße 32 bis 38 in Regensburg wirkt vernachlässigt. Kein Wunder: Die 15 Häuser an der vielbefahrenen Verbindung und im Karree dahinter stehen seit 2021 leer. Das löst Kopfschütteln aus in einer Stadt, die dringend günstige Wohnungen braucht. Warum geht nichts vorwärts?

Im Herbst 2020 hat die Baugenossenschaft Regensburg mit der Entmietung begonnen, weil sie einen Großteil der 15 Häuser im Geviert abreißen und neu errichten sowie den Rest sanieren wollte. Doch als sich die 99 Wohnungen mit Sechs-Euro-Mieten geleert hatten, folgten Krisenjahre. „Corona, Inflation und hohe Zinsen kamen“, sagt Vorstand Sebastian Leicht. „Mit dem Ergebnis, dass unsere Baugenossenschaft das nicht mehr stemmen konnte.“

Die Kalkulation platzte

Wegen der gestiegenen Preise ging die Kalkulation der Eigentümer nicht mehr auf, so gern sie die geplanten 130 Wohnungen selbst hochgezogen hätten. Um ihre eigene Existenz nicht aufs Spiel zu setzen, verhandelt die Baugenossenschaft Regensburg seit dem Vorjahr über einen Verkauf.

„Der erste Schritt war natürlich, dass wir es der Stadt angeboten haben“, sagt Sebastian Leicht. Doch die hat abgewunken. Leicht versteht das durchaus, denn es handelt sich um ein Projekt allein mit Baukosten in Höhe von 60 bis 70 Millionen Euro.

Auf dem freien Markt haben sich Interessenten für das Karree zwischen Furtmayr-, Graf-Spee-, Graf-Zeppelin- und Von-Reiner-Straße gefunden. Noch verhandelt die Baugenossenschaft. Leicht betont jedoch: „Im April sollte das durch sein.“

Werden im Postblock, so heißt die vor knapp 100 Jahren erbaute Anlage, weil dort Postbedienstete mieteten, wieder günstige Wohnungen entstehen? Der soziale Aspekt werde beim Verkauf auf jeden Fall berücksichtigt, versichert Vorstand Sebastian Leicht. „Es wird angestrebt, dass wieder öffentlich geförderte Wohnungen entstehen.“ Bei der ersten städtischen Wohnbaukonferenz im November betonte Planungs- und Baureferent Florian Plajer den großen Nachholbedarf. Derzeit gibt es 5600 geförderte Wohnungen. Allein 2025 verlieren fast 70 die Sozialbindung. Umso wichtiger wäre es, dass im Postblock wieder günstiger Wohnraum entsteht.

Architekturkreis befürwortet Umbau

Der Regensburger Architekturkreis fordert grundsätzlich, dass der Umbau Vorrang vor Abriss haben soll. Das sei in Zeiten des Rohstoffmangels nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch nachhaltiger. Der Bausektor verursache rund 55 Prozent des bundesweiten Müllaufkommens. Der Architekturkreis schlägt eine Sanierung für eine ganze Reihe von Regensburger Gebäuden vor, vom alten Rewag-Sitz über das Melanchthonheim bis zum ehemaligen Messerschmitt-Verwaltungsgebäude in der Prüfeninger Straße.

Vorsitzender Andreas Eckl sagt, Baugenossenschaft und Stadt sollten überlegen, ob es einen Weg gebe, den Postblock nachhaltig zu sanieren. „Und ihn nicht einfach auf den Markt geben.“

Falls die Baugenossenschaft Regensburg das Karree an einen Investor verkaufe, könne die Kommune nur über die für Baugebiete geltende Sozialquote von 40 Prozent etwas erreichen, heißt es aus der städtischen Pressestelle. Diese greift ab einer Geschossfläche von mehr als 2500 Quadratmetern.

Geschützte Bäume

Im großzügigen Innenhof stehen alte Bäume. Eine Stadtsprecherin sagt: „Es ist bekannt, dass es am fraglichen Standort Bäume gibt, die unter den sachlichen Schutzbereich der Baumschutzverordnung fallen.“ Ob sie von einem etwaigen Bauvorhaben betroffen wären, sei noch unklar. Trotz Baumschutzverordnung sei es unter gewissen Voraussetzungen möglich, geschützte Bäume zu fällen und dafür Ersatz zu pflanzen. Das kann jedoch ganz woanders im Stadtgebiet sein.

Die Baugenossenschaft Regensburg verwaltet in der Stadt 524 Wohnungen. Der Mietquadratmeter kostet im Schnitt nicht mehr als 6,70 Euro kalt. Bei Neuvermietungen sind es rund neun Euro.

Sebastian Leicht und seinem Vorstandskollegen Günther Lehmeier ist es wichtig, dass günstige Mieten verlangt werden, die deutlich unter dem Regensburger Mietspiegel liegen. „Das ist das oberste Gebot“, sagt Leicht.

Lange Wartelisten

Baugenossenschaft: 524 Wohnungen in der Stadt, zum Beispiel am Eisbuckel und in der Eberlstraße, bewirtschaftet die Baugenossenschaft Regensburg.

Stadtbau: Die Stadttochter verwaltet auf dem nichtkommerziellen Markt in Regensburg mit rund 7300 die meisten Wohnungen. Durchschnittlich bei 7,50 Euro je Quadratmeter liegt die Kaltmiete. Rund 2000 Menschen warten auf eine Stadtbauwohnung.

Wohnbau St. Wolfgang: Mehr als 1000 Wohnungen verwaltet die Kumpfmühler Baugenossenschaft. Diese liegen hauptsächlich in den Stadtteilen Galgenberg, Kumpfmühl, Neuprüll und Königswiesen. Rund 500 Interessenten haben sich bei der Wohnbau St. Wolfgang für günstigen Wohnraum vormerken lassen.