Zurück in Regensburg: Anna Adamyan klärt auf dem Haidplatz über Endometriose auf

Von Marion Neumann · 8. April 2025 um 05:00

Anna Adamyan steht mitten auf dem Haidplatz und hält ein großes Plakat in die Höhe. „Endometriose ist die Krankheit, die unsichtbar bleibt, wenn wir nicht laut werden“, steht auf dem Plakat geschrieben. Als die Content-Creatorin das Foto aus Regensburg auf ihrem Instagram-Kanal teilt, liken den Beitrag mehr als 26.000 Menschen.

„Wir haben das Bild an einem Morgen kurz vor zehn Uhr aufgenommen. Da waren noch nicht so viele Leute unterwegs“, erzählt sie im Nachgang im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung. „Es ging mir dabei nicht darum, nicht gesehen zu werden“, fügt sie hinzu. „Es wäre nur schwierig geworden, wenn auch anderen Leute unfreiwillig mit auf dem Foto gewesen wären. Eigentlich müsste man mit diesem Schild an einem Samstag über den vollen Neupfarrplatz laufen.“

Aufklärung über Endometriose: „Es hat sich viel getan“

Über die chronische Erkrankung aufzuklären, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe an verschiedenen Stellen des Körpers außerhalb der Gebärmutter wuchert, ist ihr als Betroffener eine Herzensangelegenheit. Das Foto in der Altstadt aufgenommen, hat sie vor einigen Wochen anlässlich des „Endo March“, der als weltweiter Aktionsmonat auf die Krankheit aufmerksam machen will, die häufig mit einem unerfüllten Kinderwunsch einhergeht. „Es hat sich schon viel getan. Als ich 2017 angefangen habe, über das Thema zu sprechen, wurden noch Interviews abgelehnt, weil es – ich zitiere – ‚zu eklig‘ sei.“

Anna Adamyan auf der Steinernen Brücke. "Regensburg ist für mich eine der schönsten Städte Deutschlands", sagt sie. - Foto: Fab4Media

Seit Anfang des Jahres ist Anna Adamyan wieder in Regensburg. Von 2017 bis 2019 war die Domstadt schon einmal ihr Zuhause gewesen. Sie ist die Ehefrau von Sargis Adamyan, der in dieser Zeit für den SSV Jahn spielte. Bis Mitte Mai sind die Adamyans nun noch einmal zurückgekehrt, da der Fußballer per Leihe vom 1. FC Köln erneut für den Regensburger Verein spielt. „Ich bin mega happy, dass wir wieder hier sind“, sagt Anna Adamyan. „Ich war damals sehr traurig, als wir weggezogen sind.“

Anna Adamyan in Regensburg: Hier startete ihre Kinderwunschbehandlung

Dass das Paar nun mit Sohn Levi durch die Gassen der Stadt streifen kann, ist für sie etwas Besonderes. In Regensburg startete damals vor fast acht Jahren ihre Behandlung im Kinderwunschzentrum. „Mittlerweile ist es nicht mehr emotional. Aber am Anfang habe ich bei der Vorstellung Gänsehaut bekommen, wieder hier zu sein.“

Über ihren lange unerfüllten Kinderwunsch gesprochen, habe sie schon immer – egal, ob Regensburg, Köln oder anderswo. „Natürlich ist man hier weniger anonym als in der Großstadt“, sagt sie. Abgehalten, über sensible Themen zu sprechen, habe sie das aber nie. „Grundsätzlich finde ich, dass es sich immer lohnt, in den Dialog zu gehen – sofern das die eigenen Kapazitäten zulassen. Nur so können sich Blickwinkel verändern.“

Ein No-Go: Heimliche Fotos von Sohn Levi

Auch bei der Aktion am Haidplatz sei sie von einem Herrn angesprochen worden, der nicht gewusst habe, was Endometriose ist. „Als ich es ihm erklärt habe, hat er zuerst gesagt, dass das wieder so eine komische Frauenkrankheit sei. Nach dem Motto: Das passiert, weil Frauen heutzutage alle nur Karriere machen wollen und so spät schwanger werden. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich mit 21 Jahren ein Kind haben wollte – aber dass ich elf künstliche Befruchtungen und zwei Fehlgeburten hatte und meinen Sohn erst vor eineinhalb Jahren bekommen habe.“ Es habe sich aber dennoch um ein nettes Gespräch gehandelt, betont sie. „Es ist wichtig, dass Betroffene und Nicht-Betroffene miteinander sprechen. Nur so können Vorurteile abgebaut werden.“

Wenn die Leute starren, starre ich zurück. Oder ich lächle sie an, damit sie merken, dass ich das sehe.

Anna Adamyan, Content-Creatorin

Dass sie auch ohne Endometriose-Schild die Blicke auf sich ziehe, wenn sie mit ihrer kleinen Familie in der Altstadt unterwegs sei, störe sie für gewöhnlich nicht. „Wenn es extrem ist, spreche ich das auch manchmal an. Wenn die Leute starren, starre ich zurück. Oder ich lächle sie an, damit sie merken, dass ich das sehe. Es wäre schöner, wenn die Leute einfach Hallo sagen würden, anstatt zu tuscheln.“ „Gar nicht“ gehe für Anna Adamyan allerdings, wenn ihr Sohn heimlich fotografiert werde. „Das macht man nicht. Ganz egal, ob die Person bekannt ist oder nicht.“

Regensburg ist für die Adamyans ein Zuhause auf Zeit

Generell würden sich die Adamyans aber wieder sehr wohl in Regensburg fühlen. „Es ist für mich eine der schönsten Städte Deutschlands. Ich liebe es auch, dass man hier fast überall sehr guten Kaffee bekommt. Mein Mann und ich sind beide Coffee-Lover – er nochmal mehr als ich“, sagt sie.

Dass ihre Zeit hier begrenzt ist, liegt aber nicht nur daran, dass das Saisonende näher rückt. „Der einzige große Nachteil an Regensburg ist, dass es sehr weit von unserer Familie entfernt ist“, sagt Anna Adamyan. „Deshalb wäre es auch nie ein Ort, an dem ich mir vorstellen könnte, für immer zu leben.“

Mit Sohn Levi genießt Anna Adamyan die Spaziergänge durch Regensburg. - Foto: Fab4Media