Nach Faulbrut-Alarm: Imker im Landkreis Regensburg nerven die Einschränkungen

Die Amerikanische Faulbrut hat den Landkreis Regensburg erreicht. Maximilian Scherzberger aus Obertraubling trifft im Sperrbezirk Sicherheitsvorkehrungen für seine Bienen-Völker. Die Honig-Saison läuft langsam an, den Imkern in der Region drohen erschwerte Voraussetzungen.
Aus der Ferne brummen die Autos auf der B15, auf einer Wiese zwischen Neutraubling und Obertraubling hört man aber hauptsächlich unzählige Bienen summen. Maximilian Scherzberger überprüft gerade die Waben seiner sieben Völker – eine nach der anderen. „Auf den ersten Blick sieht alles gut aus, aber da muss man schon ein Auge darauf haben“, sagt der Hobbyimker. Scherzbergers Bienen liegen im aktuell geltenden Faulbrut-Sperrbezirk. „Ich hätte vor kurzem nicht gedacht, dass mich das Thema mal so direkt betrifft.“
Vor gut einer Woche informierte das Regensburger Landratsamt über einen Faulbrut-Ausbruch bei einem Bienenvolk in Neutraubling und legte einen Sperrbezirk im Radius von etwas drei Kilometern um den Ausbruchsbetrieb fest. Betroffen sind Neutraubling, Barbing, Rosenhof, Lerchenfeld und eben auch Teile von Obertraubling. Die Stadt Regensburg erklärte Harting zum Sperrgebiet. „Die Vorkehrungen für uns Imker sind aufwendig und nervig“, sagt der 35-Jährige. „Das ist eine Situation, auf die keiner Lust hat.“ Doch die Einschränkungen und Regeln dienen dazu, seine Bienen zu schützen.
Faulbrut-Sperrbezirk: Etwa 30 Imker im Landkreis Regensburg betroffen
„Solche Vorfälle gibt es immer wieder mal, eigentlich fast jedes Jahr“, sagt Andreas Fuchs. Er ist seit drei Jahren Vorsitzender des Imkervereins Regensburg mit 267 Mitgliedern und über 1000 Bienenvölkern verteilt in Stadt und Landkreis. Vergangenes Jahr hatte es einen Fall in Altenthann gegeben, erinnert sich Fuchs, vor ein paar Jahren waren Sinzing und ein Teil der Stadt Regensburg mehrere Monate von einem Sperrbezirk betroffen. „Hier geht es darum, die Ausbreitung der Faulbrut präventiv einzudämmen“, sagt Fuchs.
Seine Mitglieder habe er alle informiert und an Imker im Sperrbezirk appelliert, ihre Völker beim Veterinäramt zu melden. „Alles andere ist Sache der Bienensachverständigen. Die haben das unter Kontrolle.“ Für Menschen sei die Krankheit, deren Erreger sich in der Brut der Honigbiene befindet, ohnehin völlig ungefährlich. „Keiner muss Angst haben, vom Honig krank zu werden“, erklärt Fuchs.
911 Imker im Landkreis Regensburg gemeldet
Im Landkreis Regensburg sind laut Zahlen des Veterinäramts 911 Imker gemeldet. „Aktuell sind etwa 30 gemeldete Imker vom Sperrbezirk betroffen“, sagt Hans Fichtl, Pressesprecher des Landratsamts. Mehr als 15 Bienenvölker habe man bereits untersucht, jeden Tag kommen neue hinzu. „Das Veterinäramt rechnet damit, noch etwa drei bis vier Wochen im Sperrbezirk zu tun haben“, sagt Fichtl. Beim betroffenen Bienenvolk in Neutraubling sei aufgrund der klinischen Untersuchung in Kombination mit den Laborergebnissen ein Kunstschwarmverfahren angeordnet worden. Dabei werden alle Waben der Völker entnommen. Die Bienen sollen sich so reinigen, Faulbrutsporen verschlucken und die Belastung erheblich reduzieren. Nach zwei bis drei Tagen könne das Volk ein neues, sporenfreies Brutnest aufbauen und so erhalten werden.
Ein Imker aus Leidenschaft: Maximilian Scherzberger aus Obertraubling
Maximilian Scherzberger liebt das Imkern. „Es ist zwar ein hoher Aufwand, aber auch ein hoher Spaßfaktor“, sagt der Obertraublinger. Als „Imkermax“ verkauft er seinen Honig an Bekannte und über regionale Partner. Er setzt damit die Tradition in der Familie fort: Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sein Opa mit der Bienenhaltung von bis zu 70 Völkern angefangen. „Mir wurde der Honig mit in die Wiege gegeben“, sagt Scherzberger.
Nach der Faulbrut-Nachricht hat der Hobby-Imker sich informiert und beim Equipment nachgerüstet. Mit einem Gasbrenner flammt er das Holz der Bienenstöcke ab und desinfiziert sein Werkzeug. Damit möchte er mögliche Sporen abtöten. Bei Scherzberger steht der Prüftermin auf Faulbrut mit einem Experten aus dem Veterinäramt kommende Woche an. „Ich hoffe, dass alle Völker negativ getestet werden. Das würde mir schon ein besseres Gefühl geben“, sagt der 35-Jährige.
Bienen-Saison vor dem Start
Die Saison für die Imker startet langsam. Die erste Honigernte steht in der Regel im Mai an. Im Sperrbezirk gelten besondere Einschränkungen. Seine Völker darf Scherzberger aktuell nicht vermehren und an anderer Stelle neue Ableger gründen. Auch für seinen Honig könnte es schwierig werden. „Normalerweise bringe ich meine Völker für die Ernte an einen anderen Ort. Solange die Sperre gilt, darf ich sie aber nicht verstellen“, sagt Scherzberger. Deshalb hofft er, dass die Ausbreitung sich in Grenzen hält, seine Bienen gesund bleiben und die Einschränkungen möglichst schnell aufgehoben werden.
Die Imker werden sich laut Landratsamt aber noch eine Weile gedulden müssen. Insgesamt müsse man mit einem Zeitraum von mehreren Monaten rechnen. Einen genauen Zeitpunkt könne man aber noch nicht nennen, so Fichtl. „Es kommt darauf an, ob sich weitere mit Faulbrut infizierte Völker nachweisen lassen.“
Gibt es keine Nachweise, ist im Sperrbezirk also alles unauffällig, wird frühestens in zwei Monaten im betroffenen Bestand in Neutraubling erneut nachuntersucht. „Wenn dann sowohl im Sperrbezirk als auch im betroffenen Bestand alles negativ ist, kann der Sperrbezirk aufgehoben werden“, erklärt der Landkreis-Sprecher.
Faulbrut-Sperrbezirk: Diese Vorkehrungen sind zu treffen
Bewegliche Bienenstände dürfen nach Auskunft des Veterinäramtes von ihrem Standort nicht entfernt werden. Es dürfen weder Völker noch einzelne lebende oder tote Bienen, aber auch keine Waben, Wachs, Honig, Futtervorräte oder benutzte Gerätschaften entfernt werden. Zudem ist es nicht erlaubt, Bienenvölker oder Bienen von außen in den Sperrbezirk zu bringen.
Bienenhalter im festgelegten Sperrbezirk sind dazu verpflichtet, dem zuständigen Veterinäramt den Standort ihrer Bienenvölker selbstständig anzugeben. Das Landratsamt ist dazu erreichbar per Mail an veterinaeramt@landratsamt-regensburg.de oder Tel.(09 41) 4 00 95 20. Kontakt zur Stadt Regensburg ist möglich per Mail an veterinaeramt.stadtr@regensburg.de oder Tel. (09 41) 5 07 33 19.
