Fünf Jahre nach dem erfolgreichen Volksbegehren: Sind die Bienen gerettet?

Von Johannes Lesser · 29. Mai 2024 um 19:00

Das Imkern wird immer beliebter. Mehr als 42000 Menschen gehen der Leidenschaft in Bayern derzeit nach. Rund ein Drittel mehr als 2013. Das ist auch eine Folge des Volksbegehrens „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen“ 2019.

„Auf einmal wollten alle Bienen retten“, erinnert sich Michael Schöberl, der Vorsitzende des Imkervereins Burglengenfeld/Maxhütte-Haidhof an diese Zeit. Am 13. Februar 2019 war es soweit: Zwei Wochen lang hatte die bayerische Bevölkerung die Möglichkeit, sich eintragen zu lassen. Allein in Maxhütte-Haidhof und Teublitz schlossen sich mehr als 16Prozent dem Bürgerbegehren an, dass das bis dahin größte der Landesgeschichte wurde. Das entsprechende Gesetz trat am 1.August 2019 in Kraft. Seitdem sind fünf Jahre vergangen.

Einige neue Imker von damals sind immer noch dabei

Das Volksbegehren sei für den Verein durchaus positiv gewesen. Die Teilnehmerzahl in den zweijährigen Imkerkursen des Vereins sei stark gestiegen. Auch wenn nicht alle Teilnehmer dabei langfristige Ziele verfolgten, sind „ein paar von ihnen dabei geblieben und heute als Imker aktiv“, so Schöberl. Aber auch diejenigen, die sich gegen die Imkerei entschieden, hätten aus den Kursen langfristig etwas mitnehmen können.

Neben der gestiegenen Zahl an Züchtern seien im Landkreis auch zahlreiche Blühstreifen entstanden, von denen nicht nur die Bienen, sondern ebenso Insekten allgemein profitierten. Wichtig sei es aber, zwischen Honig- und Wildbienen zu unterscheiden. „Die Honigbienen werden von den Imkern versorgt“, sagt Schöberl. „Je nach Volk sind es zwischen 10000 und 40000.“

Hunderte Arten auf der roten Liste

Wildbienen dagegen seien meist Einzelgänger. Von ihnen leben in Deutschland etwa 550Arten, die sich in ihrer Größe stark voneinander unterscheiden. Von ihnen steht mehr als die Hälfte auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Zwei Faktoren machen für sie das Überleben besonders schwierig: einerseits eine Lebensspanne von nur etwa vier Wochen, andererseits der Umstand, dass viele Arten nur für bestimmte Blüten zuständig sind.

Lebensphase passt nicht mehr zu den Blüten

Der Klimawandel sorgt dafür, dass die Blühphase der Pflanzen und die Lebensspanne der Wildbienen teils nicht mehr zusammenpassen. Ein Todesurteil für die Bienen: „Stirbt die Blüte, dann stirbt auch die Biene“, stellt der Vorsitzende des Imkervereins klar. Positiv bewertet er, dass die Landwirte in der Region mehr Grünflächen stehen lassen würden. Sie würden ebenso helfen wie beispielsweise Insektenhotels oder morsche Bäume. Wichtig sei nur, sie ganzjährig stehen zu lassen, damit die Puppen im Winter nicht zerstört werden.

Josef Irlbacher ist Kreisobmann des bayerischen Bauernverbands im Landkreis Schwandorf. Die Landwirte bekamen die Auswirkungen des Begehrens damals zu spüren. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Gewässerrandstreifen. Seit ihrer Einführung im Jahr 2019 darf auf einer Breite von fünf Metern um ein Gewässer kein Ackerbau betrieben werden. Irlbacher betont, dass bei den Landwirten die Bereitschaft vorhanden sei, Projekte zum Schutz der Bienen umzusetzen. Sie hätten Kulturen, „die unbedingt auf die Bienen angewiesen sind.“ Jedoch müsse dabei auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten werden.

„Rent a Blümchenwiese“: Pionierarbeit in Teublitz

Wie das funktionieren kann, zeigte ein Projekt der heutigen Teublitzer Stadträten Johanna Kruschwitz (CSU). Nachdem sie auf einen Facebook-Kommentar überraschend viele Rückmeldungen erhielt, entschloss sie sich, das Projekt „Rent a Blümchenwiese“ ins Leben zu rufen.

Dabei konnten Interessierte für einen Preis von 45 Euro pro 100Quadratmeter ihren Beitrag leisten. „Sogar aus Frankfurt haben Leute mitgemacht, weil sie die Idee gut fanden“, erinnert sie sich. Fünf Jahre später ist davon nicht mehr viel zu spüren. „Auch aus Überzeugung würde ich gerne weitermachen.“ Jedoch sei die Nachfrage so stark gesunken, dass die Blühwiese heuer in ihr letztes Jahr gehen wird. „Es ist erschreckend, wie schnell das Interesse verflogen ist.“ Für die Umwelt engagiert sich die Tochter des Landwirts Wilhelm Kruschwitz weiterhin. Nur in Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Natur- und Vogelschutz.

Neue Gefahren auf dem Vormarsch

Die Kernaufgabe der Bienen, das Bestäuben der Pflanzen, sei im Städtedreieck laut Michael Schöberl durch die Honigbienen derzeit nahezu flächendeckend gewährleistet. Dabei sei die Situation in den Städten fast besser als auf dem Land. Auch die Bereitschaft, insektenfreundliche Pflanzen wie Schlüsselblumen, Efeu oder Linden anzubauen, sei deutlich gestiegen. Die Gefahren nehmen aber auch für diese Völker zu: Die warmen Winter förderten die Ausbreitung der Varroamilbe. Der Erreger könne ganze Völker befallen.

Zudem beschränkt sich die Asiatische Hornisse, „die ein Volk innerhalb eines Tages zerstören kann“, nicht mehr nur auf ihr namensgebendes Territorium. Und auch die Amerikanische Faulbrut, ebenfalls als Bienenpest bekannt, ist im Landkreis in der jüngsten Vergangenheit aufgetaucht. Zur Bekämpfung wurden zwei Sperrgebiete errichtet. Der frühe Frühlingsbeginn könne außerdem dafür sorgen, „dass schon im Juni Futternot herrscht“. Früher wurden Bienen im August eingefüttert, heute sei es schon im Juni soweit.

Das Bürgerbegehren habe für ein besseres Verständnis für die Imkerei gesorgt, bilanziert Schöberl. Von den 38 Imkern, die damals auf einen Schwung dazukamen, seien 30 dem Verein treu geblieben. Heuer sind es 29, die ihren Abschluss machen. Auch bei der Wahrnehmung des Vereins habe sich etwas getan. So kämen viele Burglengenfelder extra zum Verein auf den Karlsberg, um sich dort ihren Honig zu besorgen.

Auch im Vereinsheim auf dem Karlsberg haben einige Völker ihr Zuhause gefunden. Foto: Johannes Lesser