Droht eine Wespenplage im Landkreis Schwandorf? – So können Ansiedlungen verhindert werden

Wespen nerven uns Menschen beim gemütlichen Frühstück oder beim gemeinsamen Grillabend mit Freunden. Doch dieses Jahr sollen die kleinen Plagegeister im Landkreis verstärkt vorkommen, denn manche Experten prophezeien ein intensives Insektenjahr.
Ende März bis Anfang April kommen die Tiere aus ihrer Winterruhestätte und suchen nach einem geeigneten Brutplatz, sagt Josef Hösl, Wespen- und Hornissenberater im Landkreis Schwandorf. Am häufigsten kommen in unserer Region die Deutsche und die Gemeine Wespe vor, aber auch die Sächsische Wespe tritt vor allem in Siedlungsgebieten vermehrt auf.
„Da der Winter mild und nass war, haben viele Königinnen überlebt“, erklärt der Schwandorfer. Deshalb wird es in diesem Sommer voraussichtlich viele Völker geben. Da die vergangenen Tage aber eher kalt waren, habe das die Wespen gehemmt und es hätten noch nicht so viele mit dem Nestbau begonnen. Im vergangenen Jahr wurde der Berater zu rund 40 Einsätzen gerufen, bei denen ein solches Nest Probleme bereitete. Heuer rechnet er mit deutlich mehr Einsätzen.
Rollos sind ein beliebter Ort
Hösl, der das Ehrenamt des Beraters seit sechs Jahren ausübt, weiß, wo sich die schwarz-gelben Tiere am liebsten niederlassen: Nämlich in Rollokästen, aber auch der Dachboden ist ein begehrter Platz. „Die Tiere bevorzugen einen windgeschützten und isolierten Ort“, erklärt er. Hösl empfiehlt deshalb, den Rollo ganz hochzuziehen, dann sei er meist vor dem Eindringen geschützt. Eine andere Möglichkeit sei, den Rollo ganz herunterzulassen und den Spalt mit Schaumstoff abzudichten.
So wird ein Nest umgesiedelt
Und wenn sich Wespen oder Hornissen doch am Haus ansiedeln, rät der Berater, einen Fachmann vom Landratsamt hinzuzuziehen. „Bei illegaler Beseitigung droht eine Strafe von bis zu 50000Euro“, warnt Hösl. Das größte Nest, das der Schwandorfer bisher umgesiedelt hat, hatte einen Durchmesser von etwa einem Meter. Rund 10000Insekten lebten darin. Mit einem Staubsauger, an den ein Auffangbehälter angeschlossen ist, saugt Hösl die Tiere ein. Je nach Größe des Nestes dauert die Prozedur bis zu mehreren Stunden. Dabei ist es wichtig, auch die Königin einzufangen, denn nur so kann der Fortbestand des Volkes gesichert werden. Anschließend werden die Tiere mindestens drei Kilometer vom ursprünglichen Standort entfernt wieder angesiedelt.
Sorgen macht sich der passionierte Imker um seine Bienen. Denn aufgrund des Klimawandels werde es nicht mehr lange dauern, bis die Asiatische Hornisse auch bei uns Einzug hält. „Diese invasive Art bedroht die heimische Insektenvielfalt und das ist ein großes Problem“, sagt Hösl, der sich heuer um sieben Bienenvölker kümmert.
Arnold Kimmerl vertritt eine andere Meinung
Anders sieht das Arnold Kimmerl. Der Pfreimder Altbürgermeister, der auch Imker ist, habe keine Angst, dass die invasive Art seine Bienen bedroht. „Die Asiatische Hornisse wurde bisher nur in Unterfranken nachgewiesen und das Thema wird sehr stark hochgespielt“, sagt Kimmerl. Es gebe andere invasive Tierarten wie den Waschbären, die bisher deutlich mehr Probleme bereitet hätten.
Auch eine Plage sieht der Hornissenberater, der seit rund 40Jahren tätig ist, nicht auf die Landkreisbewohner zukommen. „Das sind natürliche Schwankungen“, betont der 76-jährige Pfreimder. So habe es im vergangenen Jahr eher weniger Wespen gegeben. Und auch wenn viele Königinnen den Winter überlebt hätten, würden sie zum Beispiel von Vögeln gefressen. So entstehe wieder ein biologisches Gleichgewicht.
Falls es zu einem Stich durch ein schwarz-gelbes Insekt kommt, kann der Imker Entwarnung geben. Eine Schwellung nach einem Stich ist eine natürliche Reaktion des Körpers und keine Allergie gegen das Gift, erklärt Kimmerl. Denn nur etwa zwei bis fünf Prozent der Menschen hätten eine echte Allergie. Mit der Zeit werde man aber immun.
Ruhe bewahren
So würde Kimmerl auf einen Stich seiner Bienen nicht mehr reagieren. Außerdem betont er, dass man nicht an ein paar Stichen sterben kann, dazu brauche es schon mehrere Hundert. Gefährlich seien allerdings Stiche im Mund- und Rachenraum. Auch Kimmerl hat als Hornissenberater im nördlichen Landkreis rund 30 Einsätze pro Jahr. Als weiteren Tipp zum Schutz vor den schwarz-gelben Insekten im Rollokasten nennt der Altbürgermeister ein Klebeband mit Bürste. Denn nicht alle Rollos würden so schließen, dass kein Insekt mehr reinkrabbeln kann.
Wer von den beiden Experten Recht hat, wird sich zeigen. Wichtig ist auf jeden Fall, Ruhe zu bewahren und sich daran zu erinnern, dass jedes Tier eine Aufgabe und eine Daseinsberechtigung hat.
Der richtige Umgang mit Insekten
Verhalten: Panische und hektische Bewegungen sowie das Schlagen nach den Insekten sind zu vermeiden. Die Flugschneise am Nesteingang nicht verstellen. Die Wespen und das Nest niemals anpusten, da das CO2 im Atem ein Alarmsignal für die Insekten darstellt. Auf Abwehrmittel wie Insektensprays oder Wespenfallen soll verzichtet werden, da diese die Tiere oft aggressiv machen oder sogar anlocken. Auch auf bestimmte Duftstoffe wie Parfüm oder Haarspray können die schwarz-gelben Insekten aggressiv reagieren.
Esstisch: Getränke und Speisen sollten abgedeckt werden. Eine frühe Ablenkfütterung in etwa fünf bis zehn Metern Entfernung kann helfen. Kinder sollten nur durch einen engen Strohhalm trinken.
Stich: Wurde jemand gestochen, hilft laut Kimmerl Zwiebelsaft auf die Stichwunde. Aber auch Insektenstich-Gels können helfen. Als weiteren Tipp nennt der erfahrene Imker, die Stelle nicht mit kaltem, sondern mit warmem Wasser zu behandeln, da das Gift eiweißhaltig ist und so zerstört wird. Im Notfall sollte immer die Notrufnummer 112 gewählt werden.


