Wird Reiturlaub teurer Luxus? – Neunburgs Kollerhof kämpft mit hohen Preisen und Ansprüchen

Von Nils Mayer · 3. April 2025 um 15:00

Pferde und Reiter sind schon seit Jahren nicht mehr aus Neunburg im Landkreis Schwandorf wegzudenken. Den ortsansässigen Reiterhöfen machen aber „steigende Preise und wachsende Ansprüche“ immer mehr zu schaffen.

Günter Koller kann das nur bestätigen. Er leitet schon seit 1999 den gleichnamigen Reiterhof im Neunburger Ortsteil Poggersdorf. Seit der Übernahme des Familienbetriebes hat sich viel getan, wie der 55-Jährige erzählt: „Unser Gelände wurde in den vergangenen Jahren ständig erweitert und ausgebaut.“ Inzwischen biete der Hof für 130 Pferde ein Zuhause. Darunter sei laut Koller so gut wie jede Rasse in jeder Größenordnung vertreten. „Egal ob Ponys oder Warmblüter, wir haben fast alles“, so der Chef des Kollerhofes.

Die Vielfalt an Pferden und anderen Tieren ist nach seinen Worten auch dringend nötig, um dem „enormen Andrang“ an Reiturlaubern gerecht zu werden. Seit Jahren seien die 29 Ferienwohnungen von Familie Koller von Ostern bis Spätsommer komplett ausgebucht und zwar mit Besuchern aus ganz Deutschland. „Die Reiturlauber kommen wirklich von überall her und der Trend zeigt nach Corona wieder steil nach oben“, sagt der 55-Jährige.

Preise gehen durch Decke

„Die wachsende Nachfrage freut uns natürlich“, betont Günter Koller und ergänzt: „Trotzdem gibt es dadurch auch Probleme, die uns Reiterhöfen Kopfzerbrechen bereiten.“ Denn wie fast überall würden auch am Kollerhof die Preise für Strom, Wasser und Ausrüstung „durch die Decke schießen“.

Besonders schlimm seien aber laut Koller die stetig steigenden Tierarztpreise: „Es grenzt fast schon an ein Verbrechen, wie da die Kosten explodieren.“ Bei mehr als Hundert Pferden könne sich jeder denken, wie groß das Problem für einen Reiterhof ist.

Folgerichtig müsste der Kollerhof eigentlich die Preise für Reiturlauber deutlich erhöhen, so der Chef. „Die Urlauber auf der anderen Seite wollen das natürlich nicht mitmachen, und deshalb sind wir da sehr vorsichtig“, meint der 55-Jährige. Der Kollerhof stecke also in einer Zwickmühle: Entweder die Preise anheben oder Verluste einstecken. „Wir versuchen einen Mittelweg zu gehen, aber einfach ist es nicht“, sagt der Leiter des Reiterhofs.

Und genau wie die Preise würden laut Koller auch die Ansprüche der Reiturlauber immer weiter steigen. „Manch einer denkt, er kann sich einmal auf ein Pferd setzen und direkt draußen herumgaloppieren“, erzählt er. In Wirklichkeit sei aber erst einmal eine mehrtägige Ausbildung in der Halle nötig. Alles ginge nur „Schritt für Schritt“, weist Koller hin.

„Wer etwas Geduld und Talent mitbringt, kann dann auch richtig reiten, aber das braucht alles seine Zeit“, stellt er fest und ergänzt: „Viele unterschätzen das Ganze und sind schnell enttäuscht.“ Für seinen Hof stehe die Sicherheit der Reiter und Pferde immer an erster Stelle, betont Koller.

Ärger ist die Ausnahme

Allerdings ist laut Koller ein Großteil der Reiturlauber „total unproblematisch“ und bei anderen handele es sich eher um Ausnahmefälle.

„Wie soll bei so vielen Tieren auch überhaupt erst schlechte Laune aufkommen“, fragt sich Koller. Vor allem für Kinder gebe es auf einem Reiterhof viel zu bestaunen. Egal ob Pony-Reiten oder geführt an der Leine, für die jüngeren Gäste gebe es nach seinen Worten vor Ort viel zu entdecken. Aber auch Erwachsene können am Kollerhof das Reiten lernen und sich den Pferden annähern. „Wir bieten Kurse für Anfänger, aber auch Reiten in der Natur für Fortgeschrittene an“, sagt der Poggersdorfer. In und um Neunburg gebe es für Reiturlauber eine „tolle Natur“ zu bestaunen.

In die Zukunft blickt Günter Koller nach eigener Aussage mit „einer Mischung aus Sorge und Zuversicht“. Er könne nicht leugnen, dass der Reiturlaub jedes Jahr ein bisschen teurer wird. „Die Frage ist, wo geht das Ganze hin und wie lange machen das unsere Gäste mit“, erklärt er.

Er befürchte, dass der Reiturlaub in einigen Jahren nur noch ein Luxus für reiche Leute sein könnte. „Ich hoffe aber immer noch, dass ich nicht Recht behalte und sich die Situation wieder etwas entspannt“, sagt er. Denn eines steht für den Chef des Reiterhofes fest: „Es wäre sehr schade, wenn nicht mehr alle Kinder in den Genuss eines Reiturlaubs in Neunburg kommen könnten.“

Auch Hallentraining ist vor Ort möglich.
Ausrüstung, die Geld kostet.